Im Reservat der Lokalchauvinisten

Wir blicken auf das Jahr zurück. Dass an der Schlifflände anstelle des Café Spillmann ein exklusiver «Club de Bâle» entstehen soll, gab zu reden. Der Club vereint alle schlechten Basler Eigenschaften an einem Ort.

Man bleibt unter sich. Und redet auch gerne darüber. (Bild: Nils Fisch)

Der neue «Club de Bâle» vereint alle schlechten Basler Eigenschaften an einem Ort.

Es ist nicht Neid. Das wäre viel zu einfach. Wer Geld hat, der mag Leute, die schon Geld haben. Das ist ganz normal. Und dass man den Pöbel nicht dabei haben möchte, wenn man in gediegener Atmosphäre bei einem «Gelee vom Taschenkrebs» die neuesten Akquisitionen bespricht, das leuchtet ebenfalls ein. Darum kostet das Taschenkrebs-Gelee im «Cheval Blanc» ja auch 65 Franken (immerhin garniert mit «Vichyssoise» und etwas «Osietra Kaviar»).

Ein Businessclub ist da nur konsequent weitergedacht. Selbst in den teuersten Restaurants der Stadt ist nicht auszuschliessen, dass einem auch gewöhnliche Menschen (heisst: ohne Krebs-Gelee) dann und wann über die Schulter schauen könnten. Darum: Ein Verein muss her. So wie in Zürich am besten, wo der «Club zum Rennweg» die Business-Elite unter 50 vereint. Gegründet wurde der Club von Banker und SVP-Nachwuchskraft Thomas Matter und Imperiumserbe und Ex-Denner-Chef Philippe Gaydoul. Ziel ist der «informelle Gedankenaustausch zur Meinungsbildung und Orientierung» – und das bitte diskret und exklusiv. Die Eintrittsgebühr kostet 4000 Franken, der Jahresbeitrag 12’000 Franken, die Mitgliederliste ist geheim, die Warteliste ewig lang. An die Öffentlichkeit dringen höchstens die Namen jener, die es nicht in den Club geschafft haben. So soll sich beispielsweise Carl Hirschmann vergeblich um eine Aufnahme im «Club zum Rennweg» bemüht haben

Die halbe Stadt redet darüber

In Basel läuft das etwas anders (mit Ausnahme des Geldes). Zuerst redet die halbe Stadt über einen Club, den es noch gar nicht gibt. Dann wird eine offizielle Pressemitteilung verschickt (man will es mit der Diskretion auch nicht übertreiben) und schliesslich sind sich die Initianten auch nicht zu schade, für den Fotografen der BaZ zu posieren.

Dabei offenbaren die Club-Gründer genau jene Basler Eigenschaften, die in der restlichen Schweiz oft mit einer hochgezogener Augenbraue quittiert werden. Die tausendmal gehörte Formel «Me gyt – aber me sait nyt» ist zur Schutzbehauptung der Adabeis und Lokalchauvinisten geworden.

Alles muss gesagt werden

«Me sait nyt?» Aber im Gegenteil. Viel muss gesagt werden und in jedem Satz muss mindestens einmal das Wort «Basel» vorkommen. Die gleichen Baslerinnen und Basler, die dereinst im ehemaligen Café Spillmann edel dinieren werden (ein Spitzenkoch wird noch gesucht, Taschenkrebs wird wohl drinliegen) sind durchs Jahr an all den ganz speziellen und so ganz speziellen Basler Veranstaltungen anzutreffen (Tattoo, Ehrenspalebärglemer, Bebbi-Jazz – you name it), wo sie sich dann gegenseitig auf die Schulter klopfen und sich zum grossen, grossen Engagement für die Heimatstadt «für unser Basel!» rühmen.

Weil man ja so anders ist und so speziell. Mit dem «feinen Basler Humor», der Liebe zum FCB und zur Fasnacht (gibt es einen von denen, die den FCB und die Fasnacht nicht «innig» lieben täten?) und natürlich mit dem Wissen, nicht nur etwas anders zu sein. Sondern vor allem etwas besser. Besser als die «arroganten Zürcher». Wie sagt es Daniela Spillmann so schön: «Ein blasierter Club hätte in Basel sowieso keine Chance.»

Also: Es ist nicht Neid. Sollen die ihren Club an bester Lage haben. Es ist die permanente Selbstüberschätzung der eigenen Stadt und ihrer Besonderheit, die einem manchmal ziemlich auf die Nerven gehen kann.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Konversation

  1. Machen wir doch einen Club de jour-semaine. Französisch können wir ja auch.
    Die Jahresgebühr ist ein TW-Abo und mindestens, sagen wir mal 50 Community-Beiträge pro Jahr. Menschen mit sehr wenig Geld (wir wollen ja niemanden grundsätzlich ausschliessen), wie z.B. Fürsorgeabhängige können auch ohne Abo aufgenommen werden.

    Ziel des Clubs ist es, die Community zu stärken, unseren Beiträgen mehr Gewicht zu geben. Wir schreiben ja viel hier. Aber wird es oben ernst genommen? An der Gründugsversammlung können dann noch weitere Schwerpunkte festgelegt werden und Strategien entwickeln, dass unsere Ideen mehr Gewicht haben könnten.
    Wir sind ja sehr verschiedene Menschen hier, die oft sehr gegenteilige Meinungen vertreten. Schauen wir das als Bereicherung an und bekämpfen uns nicht gegenseitig. Erst die Vielseitigkeit macht das Leben reich.
    Im Club de Bàle wird es wohl Menschen haben, die gewohnt sind die Strippen zu ziehen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, damit alles nach ihrem Willen geschehen kann.
    Wir sollen dann die Ausführenden sein, was dieser Club im Stillen plant und in der Oeffentlichkeit durchsetzt.
    So können wir als Ausgleich überlegen, was wir denn uns wünschen und wollen für ein lebenswertes Basel und natürlich auch Baselbiet. Je mehr jeder einzelne von uns sein Schicksal selber in die Hand nimmt, je mehr wird der Geldadel obsolet.
    Was meint Ihr dazu?

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  2. Club des Billes

    so wärs auch gut… ach geben Sie doch zu… Sie haben eh schon einen Antrag gestellt… ich traue Ihnen zu, dort zu sitzen und bei geistreichen Gesprächen das depperte Pack so auf die Schippe zu nehmen, dass die es nicht mal merken… 😀

    Bitte Video davon aufnehmen. 😀

    Falls Ihre Geldbeutel nicht reicht, versuchen Sie’s über die Küche… ob die Taschenkrebs-Gelee oder Krötengelee serviert kriegen merken die überhaupt nicht… denen könnte man auch Zitronenfalter als Haushaltsgerät verticken… 😀

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  3. …dass nun auch noch ein „Club de Phall“ eröffnet wird. Dort spiele weniger die Dicke des Gelbeutels eine Rolle als die Länge des… Nun ja, Sie wissen schon was gemeint ist. Aber wie erwähnt, es ist nur ein Gerücht.

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  4. Vielleicht werden ja auch einige „Wild Cards“ vergeben und Ihr Wunsch zum Club de Bale-Eintritt geht in Erfüllung.
    Ansonsten haben wir Tageswoche-Hobby-Schreiber evtl.die Möglichkeit übers „Dinner für Spinner“ eine Einladung zu erhalten.

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  5. Fritz Künzli, Hanspeter Gass, Salvo, Dieter Behring, Sarah-Jane, Raffaele Klages, André Sitek, Christoph Stutz, dr Fäährimaa, Heinrich Unterwasser, s’Selmeli, … . Ich hör‘ jetzt auf, denn schliesslich sind alle

    Munter-Macher.

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  6. Ja, bitte, bitte, ich will auch. Mir wurde das „härter für den Erfolg zu arbeiten“ bereits schon in die Wiege gelegt. Und als Mutter von drei Töchter (die ich weitegehend alleine aufgezogen habe) habe ich dieses Glück noch weiter perfektioniert. Auch ich verdiene gutes Geld! Vielleicht nicht so viel, aber ich würde mir auch gerne etwas Exklusives leisten. Z.B eine Tasche voller Krebse. Für den Clubbeitrag benötige ich allerdings einen Sponsor. Da wir aber so verantwortungsvolle Mitbürger in dieser Stadt haben dürfte dies nicht ernsthaft ein Problem darstellen.

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  7. .. von cafe de bale! 🙂 Vor allem sind ihm alle auf den Leim, obwohl man’s hätte merken können! 🙂 Der Club, tja, der ist nur doof und auf der Schattenseite des Rheins, ergo nicht zu beneiden… auch finanzielle Minderheiten brauchen „Artenschutz“ und ein Biotop! 🙂

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