In Sabrennos Wunderreich

Vor 90 Jahren verzückte ein Magier mit «Fakir-Psychologie» das Basler Publikum.

Vor 90 Jahren verzückte ein Magier mit «Fakir-Psychologie» das Basler Publikum.




Am 4. Oktober 1923 erschien in den «Basler Nachrichten» eine Anzeige, die mit dem Blickfang «Mr. Sabrenno contra Dr. Mabuse» für eine Veranstaltung «des grossen Magiers und Fakir-Psychologen» im Kino Union warb. Dabei wurden dem Publikum unter anderem «magische Wundererzeugung von Fakir-Halluzinationen» sowie «Telepathie in höchster Vollendung» in Aussicht gestellt. Sabrennos Auftritte wurden laut einem anderen Inserat «zum Tagesgespräch von Basel».




(Bild: hansjoergwalter.com)

Was sich im Saal und auf der Bühne abspielte, lässt sich einem Artikel in den «Basler Nachrichten» vom 19. Oktober 1923 entnehmen. Zunächst suchte sich der «Fakir-Psychologe» im Publikum ­einige Personen aus, die besonders gut auf seine Suggestionen ansprachen. Auf der Bühne redete er ihnen dann alles Mögliche ein, beispielsweise, sie seien an ihrem Stuhl festgewachsen, oder eine ­Kanonenkugel komme durch die Lüfte geflogen.
Von einem Duell zwischen Sabrenno und Dr. Mabuse ist weder im erwähnten Zeitungsbericht die Rede, noch findet sich Mabuses Name in den folgenden Inseraten wieder. Offenbar wurde die dem Kinopublikum von Fritz Langs Film aus dem Jahr 1922 bekannte Figur des Superkriminellen Mabuse lediglich als Lockvogel eingesetzt.




(Bild: hansjoergwalter.com)

Sturm der Begeisterung

Sabrenno wurde am 26. Dezember 1897 im deutschen Städtchen Wachenheim geboren und hiess mit bürgerlichem Namen Georg Nikolaus Brenneis. Der Auftritt im Basler Union war lediglich der Anfang einer Reihe grosser Erfolge in der Schweiz. Bald erhielt er auch Einladungen für Auftritte in verschiedenen anderen Ländern. Dennoch zog es ihn, wie er in seinem 1938 in Basel erschienenen Buch «Unbewusste Mächte» bemerkt, «immer wieder in die Schweiz zurück, wo ich, besonders von den Theaterdirektoren, mit offenen Armen empfangen wurde».

Das war auch beim Basler Küchlin-Theater der Fall, in dem Sabrenno im Oktober 1935 vor vollem Haus auftrat. Die «National-Zeitung» schrieb damals: «Der Anblick eines vollbesetzten Theaters ist das erste Wunder, das wir beim Gastspiel Sabrennos erleben. Das zweite aber ist das Publikum, das nicht steif und zurückhaltend dasitzt, sondern mitgeht, das sich mitreissen lässt in den Sturm der Begeisterung, der jene erfasst, die sich auf der Bühne von dem kleinen Hexenmeister in das Reich der Phantasie führen lassen und dort Wunder über Wunder erleben.»




(Bild: hansjoergwalter.com)


Wann und wo Sabrennos Lebensweg endete, konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Vielleicht weiss zu diesem Punkt jemand von unseren Leserinnen und Lesern mehr.

Und Doktor Mabuse? Den sehen sie hier. (Video leider nicht zum Einbetten in diese Webseite verfügbar)

 

Artikelgeschichte

Erschienen in der Wochenausgabe der TagesWoche vom 15.11.13

Konversation

  1. Da war Sabrenno praktisch der Vorläufer von ÉMILE COUÉ, der um diese Zeit gerade seine Amerika-Toruneen absolvierte und zwei Jahre später, 1925, auf zwei wochenlangen Toruneen durch die Schweiz von vielen begeistert empfangen wurde.
    Die ganze Schweiz war damals im COUÉ-Fieber.

    Coué verhalf der AUTOSUGGESTION durch seine enormen praktischen Erfolge als Selbsthilfe-Methode in wenigen Jahren zur Weltbekanntheit.

    Anders als seine zahlreichen Konkurrenten reduzierte er die AUTOSUGGESTION nicht auf eine Mentaltechnik.

    Er machte vielmehr allen bewusst, dass es sich hierbei um eine angeborene Kraft handelt, die keinerlkei Pause macht und mit der wir – je nach unserem Umgang damit – sehr gute aber auch sehr schlechte Wirkungen hervorbringen.

    Die Frage, OB wir AUTOSUGGESTION lernen, stellt sich überhaupt nicht.
    Es geht einzig um die Frage, wann wir alle BESSERE AUTOSUGGESTION lernen.

    2007, zum 150. Geburtstag, habe ich drei Wanderungen auf den Spuren Coués in der Schweiz (Cademario, Dussnang, Emmental) initiiert.
    Ich würde gern die Erfolgstourneen Coués vor 90 Jahren noch einmal genauo praktisch als Lebenshilfe für alle wiederholen um zu zeigen, wie einfach sich jeder auch heute noch mit der ORIGINAL COUÉ-:METHODE selbst helfen kann.

    Coué verzichtete damals auf ein Honorar und teilte die Einkünfte durch drei: für seine Reisekosten, für den örtlichen Coué-Verein und für einen weiteren sozialen Zweck.

    Wenn sich wiederum Helfer finden, die diese Idee realisieren helfen, könnte das wiederum ein großes Ereignis für alle Menschen in der Schweiz werden.

    Ich grüße freundlich.

    Franz Josef Neffe

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