In zwei Jahren soll das Erlenmattquartier endlich seinen Dorfplatz bekommen

Seit zehn Jahren wird auf dem Erlenmattareal gebaut. Inzwischen wohnen weit über 1000 Menschen im neuen Quartier. Bis 2019 soll dieses endlich den letzten infrastrukturellen Schliff bekommen.

So präsentiert sich das Erlenmattareal heute aus der Luft: Viele Wohnbauten, ungestaltete Plätze.

Seit zehn Jahren wird auf dem Erlenmattareal gebaut. Inzwischen wohnen weit über 1000 Menschen im neuen Quartier. Bis 2019 soll dieses endlich den letzten infrastrukturellen Schliff bekommen.

Die Verantwortlichen gaben sich bester Laune. An einer Marathon-Medienkonferenz listeten Vertreter des Bau- und Verkehrsdepartements und der privaten Bauherren auf, wie aus dem Erlenmattareal in den kommenden Jahren ein richtiges Stadtquartier werden soll. Sie verströmten dabei so viel Zuversicht, dass sie selbst Planungspannen in der Vergangenheit nachträglich als Glücksfälle verkauften.

Was bisher geschah: 2004 bewilligte der Grosse Rat den Bebauungsplan für das ehemalige Güterbahnareal der Deutschen Bahn – der Kanton hatte zuvor darauf verzichtet, das Land zu kaufen. 2005 segnete das Stimmvolk den Bebauungsplan in einer Referendumsabstimmung ab. 2010 wurde mit dem Erlentor der erste Wohnbaukomplex eingeweiht. Danach folgten weitere Wohnbauten für weit über 1000 Menschen.

Eine Million für das Grundstück des Quartierplatzes

Vorwärts ging es erst einmal nur im Wohnungsbau. Bei der Infrastruktur harzte es dagegen lange – mit Ausnahme des Erlenmattparks, bei dem die Stadtgärtnerei ein beachtliches Tempo hinlegte. Das Primarschulhaus steht zwar kurz vor seiner Fertigstellung, aber auch dieser Bau kommt reichlich spät. Auf die öffentlichen Räume Erlenmattplatz und Max-Kämpf-Platz und auf eine Einkaufsmöglichkeit im Quartier müssen die vielen Quartierbewohner sogar noch bis 2019 warten.

Verantwortlich für diese Schieflage in der Quartierentwicklung ist unter anderem das komplizierte Dreiecksverhältnis zwischen Grundbesitzer, privaten Investoren und Kanton, das durch mehrere Besitzerwechsel auch nicht einfacher wurde. So musste der Kanton das Grundstück für das neue Primarschulhaus für teures Geld kaufen. Und sogar für den öffentlichen und das Quartierleben wichtigen Max-Kämpf-Platz musste der Kanton erst einmal eine Million Franken für das Grundstück hinblättern. Beim Einkaufszentrum wiederum sorgte das schlechte, nicht weit entfernte Beispiel Stücki-Zentrum für eine Zäsur.

Vom Shopping-Center zum Quartierversorger

Eigentlich sollte das Einkaufszentrum bereits stehen. Dass das ursprünglich geplante grosse Shopping-Center aus den Plänen gestrichen wurde, bezeichnen die Verantwortlichen nun als glückliche Fügung der Vernunft. «Rückblickend sind wir froh, dass hier nun nicht noch ein grosses Einkaufszentrum gebaut wird, sondern ein sinnvolles Projekt für die Quartierversorgung entstehen wird», sagte Regierungsrat Hans-Peter Wessels.

Bauherr ist das Unternehmen Losinger Marazzi AG, das auf dem Areal heute schon sehr präsent ist. Entstehen soll auf dem Baufeld A im Südosten des Areals primär eine weitere Wohnüberbauung mit 317 Wohnungen. Integriert wird aber ein Einkaufszentrum für den täglichen Bedarf der Quartierbewohner mit rund 6000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Als Mieter bereits fest stehen der Grossverteiler Coop, das Elektronikfachgeschäft Fust und die Apotheke Vitaly. Die Eröffnung ist für März 2019 geplant.

Ursprüngliche Platzgestaltung zu teuer



Der zentrale Max-Kämpf-Platz sollte eigentlich längst fertig sein, wird es nun aber erst im Frühling 2019.

Der zentrale Max-Kämpf-Platz sollte eigentlich längst fertig sein, wird es nun aber erst im Frühling 2019. (Bild: Dominique Spirgi)

Wenige Monate später, im Sommer 2019, soll dann auch der Max-Kämpf-Platz eingeweiht werden. Auch dieses Projekt sollte eigentlich bereits fertiggestellt sein. Im Jahr 2012 wurde es in einem Wettbewerb auserkoren, stellte sich dann aber mit seinen aufwendigen Wasserspielen als viel zu teuer heraus. Die Planer mussten also noch einmal über die Bücher, was offensichtlich seine Zeit dauerte. Der Baubeginn wurde mehrmals verschoben. Aktuell ist der April 2018 anvisiert.

Vorgesehen ist eine Kiesfläche mit Bäumen, die in der Mitte in der Form eines vierblättrigen Kleeblattes vier verschiedene Aufenthaltszonen vereint: eine grosse Brunnenlandschaft, eine nicht begrünte Begegnungszone, eine Rasenfläche und eine Blumenwiese. So zumindest skizzierte es Dominique Jeanneret von der Stadtgärtnerei.

Platz für Jugendliche mit Trendsporthalle



Hier soll bis Ende 2019 der Erlenmattplatz mit der neuen Trendsportanlage entstehen.

Hier soll bis Ende 2019 der Erlenmattplatz mit der neuen Trendsportanlage entstehen. (Bild: Dominique Spirgi)

Ein Jahr länger als ursprünglich geplant muss die Bevölkerung auf die Einweihung des Erlenmattplatzes mit der Trendsporthalle warten. Sie ist neu auf Ende 2019 terminiert. Aber immerhin hat hier der Grosse Rat den Kredit bereits gesprochen, sodass dem Bau des einzigartigen Platzes, der speziell auf Bedürfnisse von Jugendlichen zugeschnitten ist, eigentlich kaum mehr etwas im Wege steht.

Gut im Terminplan ist die Stiftung Habitat, die auf dem Ostteil des Areals tätig ist. Dort wurde eben erst das erste Gebäude bezogen. Bis 2019 werden etappenweise zahlreiche weitere Bauten fertiggestellt.

Konversation

  1. Aus städtebaulicher Sicht ein weiterer Beweis dass Basel nicht wirklich eine moderne zeitgenösische Stadt ist.Für all das verpuffte liebe Geld wäre mehr drin gewesen! Gerade der ökologische Wohnaspekt ist mehr eine Alibiveranstaltung.Nachhaltiges,modernes,energetisches Bauen sieht einfach anderst aus.Aus architektonischer Sicht kann man sich Fragen ob die Planer alle im letzten Jahrhundert steckengeblieben sind??? Da wurden konventionelle Baumaterialien verwendet,also wirklich NACHHALTIG,ist auch dies nicht. Eine weitere Fläche die ziemlich versiegelt wurde. SCHADE!

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  2. Hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck

    Seit fast zwanzig Jahren dauert nun die Transformation des Geländes von einem Bahnareal zu einem Wohnquartier. Nun, jetzt sind die Strukturen des neuen Quartiers wirklich sichtbar. Allerdings hinterlässt es bei mir nach einer sehr fachkundigen Führung durch das Gelände doch einen sehr zwiespältigen Eindruck: das Zusammenspiel zwischen privaten Arealentwicklern und der Stadt hat wohl nicht ganz geklappt. Die öffentlichen Räume sind noch sehr roh, der gross angesagte Park wird wohl noch eine Generation brauchen, bis er die zu einer wirklich nutzbaren Fläche mutiert ist, den Max Kämpf Platz wird man nach den vorliegenden Plänen zu einem rollatorfeindlichen Gebiet umgestalten mit mühsam begehbaren Mergel-Wegen für die Bewohner des angrenzenden Altersheims. Das öffentliche Schulhaus hat man zwischen einem Wohnblock und der alten Randbebauung eingeklemmt und die Turnhalle im Boden versenkt. Die Randbebauung der Stiftung Habitat muss für den Lärmschutz sorgen und die so wichtige Arealdurchlüftung (immerhin ist das Gelände auf zwei Seiten von der Autobahn umzingelt) wird sicher auch noch einige Probleme aufwerfen. Nein, diese Arealentwicklung kann man meiner Meinung nach nicht als gelungen bezeichnen!

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