Kaffi Lutz, der zu Unrecht verpönte Drink

Viele rümpfen schon beim Gedanken daran die Nase. Zu Unrecht: Der Kaffi Lutz hat durchaus seine Daseinsberechtigung. Eine Hommage an den Schweizer Energy-Mix-Drink mit Stil.

Der Kaffi Lutz: Ein Getränk, simpel und gut. Kaffee, Schnaps und Zucker gemischt zur Supersach.

(Bild: Bearbeitung: Nils Fisch)

Viele rümpfen schon beim Gedanken daran die Nase. Zu Unrecht: Der Kaffi Lutz hat durchaus seine Daseinsberechtigung. Eine Hommage an den Schweizer Energy-Mix-Drink mit Stil.

Kaffi Lutz. Ein Getränk, zwei Worte, drei Zutaten – und grosse Gefühle. Denn kalt lässt er kaum jemanden, der Kaffi Lutz. Und das nicht nur wegen seiner wärmenden Wirkung. Jedenfalls haben auffälligerweise auch Leute, die von sich behaupten, keinen Kaffi Lutz zu trinken, starke Meinungen über das, was Kaffi Lutz sei, wie ein richtiger Kaffi Lutz zu sein habe und warum das alles so sei…

Kaffi Lutz, ein Getränk, das man nicht sehen muss, um zu wissen, dass jemand in der Runde einen bestellt hat. Ist er richtig zubereitet, weiss man um seine Gegenwart allein aufgrund seines einzigartig penetranten Dufts. Viel zu sehen gibt es auch gar nicht – der Kaffi Lutz gibt sich optisch bescheiden, vom Look her klassisch minimalistisch. Hellbraun und transparent, mit freiem Blick auf das Löffeli, die Zuckerkristalle am Glasboden und die Tischplatte darunter: So sieht er aus, der Kaffi Lutz.

Teuflisch

Entstanden ist der Kaffi Lutz im 17. oder im frühen 18. Jahrhundert. Vorher fehlte schlicht der Kaffee. Schnaps war nicht das Problem, den gab es schon. Glaubt man den im Internet kursierenden Geschichten, so hat die Schweizer Landbevölkerung damals pro Kopf und Jahr um die 13 Liter Branntwein konsumiert. Als dann der Kaffee nach Europa kam und auch den Schweizern schmeckte, lag nichts näher, als die beiden beliebten Getränke zu mischen.

Angeblich heisst der Kaffi Lutz (von Zürchern und Innerschweizern «Kafi Luz» geschrieben) so, weil er aus Luzern kommen soll. Die Luzerner bestellen allerdings einen Kafi Träsch. Möglich wäre auch, dass die Bezeichnung ursprünglich mit Luzern nichts zu tun hatte: Lutz wurde laut der Bibel des Schweizer Dialekts, dem «Schweizerischen Idiotikon», schon 1651 als Abkürzung für Luzifer gebraucht. Teufelszeug.

Das Kaffi-Lutz-Paradoxon

Kein Wunder, rümpfen beim Thema Kaffi Lutz viele die Nase. Gerade in urbanen Gefilden hat das Getränk nicht viele Fürsprecher, ist kaum auf der Drink-Liste einer Bar zu finden. Kaffi Lutz? Trinkt man nicht.

Wenn man aber über Kaffi Lutz spricht, haben trotzdem alle eine Meinung zum Getränk. Jeder sagt: Dort – in dieser oder jener Beiz, in diesem oder jenem möglichst entlegenen Ort – machen sie einen «richtig guten Kaffi Lutz».

«Wenn, dann nur dort», sagen die Kaffi-Lutz-Verächter, die grundsätzlich keinen Kaffi Lutz trinken, aber trotzdem wissen, wie das mit dem Bräune-Grad und das mit dem Schnaps-Zucker-Kaffee-Verhältnis am allerbesten hinkommt und wo er gut ist und wo sicher nicht.

Das Kaffi-Lutz-Paradoxon: Es ist ein Rätsel. Reicht als Erklärung die Erinnerung an den tollen Abend mit der schönen Bedienung? Oder war die nur schön wegen all dem Kaffi Lutz, und war der wiederum aufgrund seiner eigenen Menge so gut, oder weil die Bedienung schon von Anfang an…

Make Kaffi Lutz Great Again

Wir kommen da nicht weiter. Es ist in Tat und Wahrheit auch simpler, und das wussten schon die Leute im 17. oder im frühen 18. Jahrhundert: Wenn man zwei gute Sachen mischt, kann etwas richtig Gutes entstehen. Kaffee ist gut, und Schnaps ist gut. So gesehen war Kaffi Lutz nichts weiter als das Wodka Red Bull der frühen Neuzeit. Mit dem Unterschied, dass Kaffee unbestritten gut ist und Red Bull, nun ja: Schauen wir in 300 Jahren, ob die Leute dann noch Wodka Red Bull trinken.

Kaffi Lutz, der bleibt. Und ein Geheimnis sei zum Schluss doch noch verraten: Den besten gibt es an den «drey scheenschte Dääg» in der TagesWoche Fasnachtsbar an der Grünpfahlgasse. Sie können vielleicht anderer Meinung sein, weil «wenn Kaffi Lutz, dann nur dort» – aber das können Sie mit Fug und Recht erst sagen, wenn Sie unseren probiert haben. Kommen Sie vorbei. Nehmen Sie einen. Oder zwei.

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Konversation

  1. Hahaha! Ich lach‘ mich schlapp! „der zu Unrecht verpönte Drink“… Wo, bitte, ist der Lutz verpönt?

    Lieber Herr Brönnimann, Ihrem Namen nach stammt Ihre Familie aus dem Kanton Bern.

    Faseln Sie da mal in einer Dorfbeiz in Ihrem ach so urbanen Duktus vom „verpönten Schweizer Energy-Mix-Drink“!

    Am besten am (SVP) Stammtisch – da wissen Sie dann sofort, wo’s aus der Beiz rausgeht. Versprochen!

    Beim Kaffi Lutz geht’s eigentlich nur um das Eine: Mehr Lutz als Kaffi. Oder anders gesagt: Eine äusserst gelungene Variante, sich die Lampe kostengünstig zu füllen.

    Vor allem bei Hudelwetter. So einfach ist das!

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    1. Warum nicht gleich der Landgasthof Sonne in Ebnat-Kappel ? Dort kann man sogar im selben Bett wie jeweils der Führer schlafen, wenn man beginnt, Brunz zu reden…

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    2. Ja, Herr Egger (Kt. Aargau?), meine Familie stammt tatsächlich aus dem Bernbiet. Bis weit zurück, als man noch Lutz ohne Kaffi trank.

      Was nichts daran ändert, dass der Kaffi Lutz weder in Basel-Stadt noch in Zürich noch in anderen Schweizer Städten einen guten Ruf hat. Aber, falls Sie’s nicht gemerkt haben sollten: Das ist nicht recht. In diesem Sinne: Make Kaffi Lutz Great Again, auch ennet den Hügeln um das Haslital.

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    3. @Brönnimann. Bin nicht einverstanden, dass der Lutz in Basel einen schlechten Ruf hat; er ging schlicht in den 90ern vergessen als die Yuppie- und Schicki,icki – Beizen aufkamen und die letzten proletarischen Verstecke zu italienisch-modern-kalten und ungemütlichen Pizzerien und Café.Bars verkamen.
      Ein weiterer Punkt darf nicht verschwiegen werden; die Zusammensetzung der Bevölkerung hat sich in den letzten 30 Jahren stark verändert. Hatten wir früher noch von der SBB her viele Innerschweizer, auf den Schiffen viele Ostschweizer und in der Industrie viele Italiener, die ihren gewohnten Caffè Merda durch einen Lutz ersetzten, haben wir heute alkoholfreie Teestuben.

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  2. Pro Stück Grossvieh , sagt M. Seiler , hmmm, wenn man sich im Baselbiet daran und meinetwegen an den Dreizehn Litern je Hornochs orientieren sollte, (für Fr. Gschwind gern auch das Doppelte) multipliziert mit der Anzahl der dortigen Regierungsräte und das ganze dann aufgeteilt unter die Kopfzahl Basellands, dann müsste dort alsbald endlich, endlich auch einmal Allgemeine Ernüchterung einkehren, oder hab ich da etwas falsch gerechnet ?

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  3. Die 13 Liter Schnaps pro Kopf sind natürlich völliger unbelegbarer Blödsinn. In gewissen Kantonen haben die Bauern ein Brennrecht, das ihnen erlaubt soundsoviele Liter pro Stück Grossvieh steuerfrei oder zu reduziertem Satz für den Eigengebrauch zu brennen.
    Bei schweren Geburten – vorallem wenn eine junge Kuh das erste mal wirft – kriegt sie jeweils eine Flasche „Stärkung“, bestehend aus einem Viertelliter Schnaps aufgefüllt mit aufgekochtem Rotwein.

    Was die Farbe angeht: Fünfliber ins Glas, auffüllen mit Café bis man den Fünfliber nicht mehr sieht; dann auffüllen mit Schnaps bis man ihn wieder sieht.

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