Kanton kauft günstigen Wohnraum für «mehrfach Benachteiligte»

Die erworbene Liegenschaft an der Egliseestrasse kommt Menschen zugute, die auf dem Markt kaum eine Wohnung finden würden.

Gehört jetzt dem Kanton: Die Liegenschaft an der Egliseestrasse 60 war öffentlich zum Kauf ausgeschrieben.

Auf dem angespannten Basler Immobilienmarkt konnte der Kanton eine öffentlich ausgeschriebene Liegenschaft an der Egliseestrasse 60 erwerben. Sie soll günstigen Wohnraum für «mehrfach benachteiligte Personen» schaffen, die auf dem Wohnungsmarkt «nur unter Schwierigkeiten eine Wohnung finden». Die Regierung hat dazu den Kaufvertrag genehmigt.

Das dreigeschossige Gebäude biete Platz für mindestens 33 Personen und sei in einem guten Zustand, heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Es wurde von der vormaligen Besitzerin Novartis als Wohnheim für Trainees genutzt.

Für die neue Nutzung steht die Liegenschaft dem Kanton womöglich erst in fünf Jahren zur Verfügung. Bis dahin kann die Novartis nämlich die Immobilie vom Kanton zurückmieten. «Im zurzeit ausgetrockneten Immobilienmarkt ist der Erwerb von Liegenschaften schwierig, die Kaufinteressenten sehen sich einer grossen Konkurrenz ausgesetzt», erklärt der Kanton.

Konversation

  1. Vielleicht rückt die Novartis die Liegenschaft auch früher heraus. Das wäre günstig, wenn dies vorher geschehen wird, bevor der drittletzte „Benachteiligte“ aus pekuniären Gründen die Stadt hat verlassen müssen.
    Dann könnte man das Haus adäquat „praktisch-quadratisch-gut-solide“ renovieren, vielleicht sogar die Art der Renovation als Vorbild hinstellen. Es braucht keine weissen Fliesen in der Küche, es darf sogar aus „zweiter Hand“ sein, was man da durch den Wiedereinbau eben auch recyclet.
    Da unter den *Benachteiligten“ manchmal durchaus auch handwerklich Geschickte vorhanden sind, könnte es sogar möglich sein, da, „Eigenleistung der Mieter“ mit zu berücksichtigen. Was man selber eingebaut hat, dazu trägt man meist auch mehr Sorge.
    Gut, natürlich kann dann an der Ecke so eine „IV-Wanze“ ihr Teleobjektiv wieder hervor strecken auf der Suche nach vermutetem Sozial-Missbrauch, aber das muss ja nicht stören.

    P.S.: „Bauhaus“ ist damals sogar so entstanden, weil man günstigen Wohnraum nach dem Krieg benötigte in grösserer Menge. Heute ist es eine relevante moderne Architektur-Richtung.
    Auch die Stahlrohr-Stühle entstanden einmal, weil die Leute einfach günstige Sitzmöglichkeiten brauchten, die man schnell herstellen konnte.

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  2. Dass der Kanton günstige Wohnraum für »mehrfach Benachteiligte« erwirbt ist äusserst positiv. Chapeau! Vielleicht sogar ein IBS-Strategiewechsel und damit ein grosser Schritt in die richtige Richtung.

    Wir sehen, dass sich die PolitikerInnen im Grossen Rat schwer tun. Eine SP-Motion, welche darauf abzielt Luxussanierungen zu verhindern, um günstigen Wohnraum zu erhalten, ist knapp an einer bürgerlichen Mehrheit gescheitert. Grosse Konzepte und Strategien, welche die Besitzrechte im Wohnungsbau ritzen, haben es schwer. Offensichtlich: Die Bürgerlichen kämpfen nicht für die Rechte der MieterInnen, sondern für die Rechte der BesitzerInnen. Das sollten sich vorallem die WählerInnen hinter die Ohren schreiben.

    Wie der Erwerb der Liegenschaft an der Egliseestrasse durch Immobilien Basel aber zeigt, gibt es aber auch eine valable Alltagspraxis. Der Kanton hat genügend Geldreserven. Er kann Areale und Liegenschaften aufkaufen. Das Finanzdepartement ist in den Händen einer Sozialdemokratin. Immobilien Basel-Stadt glücklicherweise der Direktion von Eva Herzog unterstellt. Ergo kann das Departement das Portfoliomanagement der IBS dahingehend erweitern, dass mit dem Zukauf von Arealen und Liegenschaften strategische Reserven für gerechteres und bezahlbares Wohnen geschaffen werden. Dafür braucht es keinen Parlamentsentscheid. Ein Teil dieser Reserven wird entsprechend unmittelbar für günstigen Wohnraum bereit gestellt. Mindestens ein Drittel wäre vermutlich angemessen. Umgesetzt heisst dies, dass in den vorhandenen Arealen Baufelder explizit für den genossenschaftlichen Wohnungsbau und dabei ein Anteil von mindestens 10% für den sozialen Wohnungsbau bereit gestellt werden muss.

    Im Kleinen: Der Erwerb der Liegenschaft an der Egliseestrasse ist ein kleiner Schritt um günstigen Wohnraum zu schaffen. Grosse Areale – Klybeck, Lysbüchel, Rosental, Wolf, etc. – stehen mittelfristig bis langfristig bereit, um das Wohnen für Alle in der Stadt zu einem realistischen Ziel werden zu lassen.

    Eine »Smart City« ist ein Stadt, wenn sie für alle als Wohn- und Arbeitsort zur Verfügung steht. Eine intelligente Stadt definiert sich nicht nur über den Umgang mit neuer Informations- und Kommunikationstechnologie, sondern auch über die gesellschaftliche und soziale Verantwortung gegenüber seiner BewohnerInnen.

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