Klybeck will näher zum Rhein und forciert Passerelle

Die IG Klybeckinsel möchte die Idee einer Passerelle über die Gleise forcieren. Um etwas Schwung in die Sache zu bringen, haben Architekturstudenten erste Visualisierungen für eine solche Brücke entworfen.

(Bild: FHNW)

Die IG Klybeckinsel möchte die Idee einer Passerelle über die Gleise forcieren. Um etwas Schwung in die Sache zu bringen, haben Architekturstudenten erste Visualisierungen für eine solche Brücke entworfen.

 

Ein Blick auf Google Maps machts deutlich: Eine breite Schneise trennt das Klybeck von der Uferstrasse. Eisenbahngeleise schotten das Wohnquartier vom immer beliebteren Klybeckquai mit den Zwischennutzungen und dem Wagenplatz ab. Der Zugang zum Rheinufer führt entweder via Wiesendamm oder durch das Gatter beim Altrheinweg in der Nähe der Dreirosenbrücke. Eine Passerelle über die Hafenbahn könnte den Weg hingegen erheblich verkürzen.

Diese Idee möchte die IG Klybeckinsel aufs Parkett bringen. Am Dienstag lud das Netzwerk, mit dem unter anderem die WG Klybeck, der Wagenplatz sowie Greenhattan, «Das Modell» und «Rheinhattan versenken» assoziiert sind, zu einer Info-Veranstaltung ein. «Das Ziel ist, dass die Anwohner etwas Positives davon haben – es soll das Leben im Quartier bereichern», sagte BastA!­-Co-­Präsidentin und Grossrätin Heidi Mück. Dabei meinte sie, dass es bitter nötig sei, den Leuten des dichten und stark befahrenen Stadtteils das Rheinufer näher zu bringen.

Heidi Mück hatte schon 2013 im Grossen Rat einen Anzug zu diesem Thema eingereicht. Der Vorstoss wurde an den Regierungsrat überwiesen und wird im Laufe dieses Jahres beantwortet. Parallel dazu wurde auch von Anwohnern eine Petition lanciert. Die Idee ist zumindest theoretisch im Präsidialdepartement angekommen: Regierungspräsident Guy Morin deutete kürzlich im Interview mit der TagesWoche an, es bestehe «die Pendenz einer provisorischen Passerelle» für das dürftig erschlossene Areal.

Studierende entwerfen die Klybeck-Passerelle

Bis die Politik vorwärtskommt, möchte man bei der IG Klybeckinsel die Zügel selbst in die Hand nehmen und die Idee wieder aufleben lassen. «Wir selber bauen unsere Stadt»: In Anlehnung an diesen Aufruf der Stadtvisionäre Lucius Burckhardt und Markus Kutter hatte die IG Klybeckinsel bei der Hochschule für Architektur der Fachhochschule Nordwestschweiz angefragt, ob dazu erste Visualisierungen erstellt werden könnten.

Die Idee stiess auf offene Ohren: In einer Zwischenübung konnten Architektur- und Bauingenieurstudenten in Gruppen «ihre» Passerellen kreieren. Unter Einhaltung der statischen Bedingungen und unter der Vorgabe, dass ein solches Konstrukt mindestens siebeneinhalb Meter hoch sein muss, konnten sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

Passerelle mit Bögen… (Bild: FHNW)

«Es soll ein Blumenstrauss an Ideen sein, der die Diskussion anregen soll – keine fertigen Projekte», sagte Bruno Trinkler, Dozent für Architektur an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Je nach Standort könnte eine solche Fussgängerbrücke zwischen 40 und 90 Meter lang werden. Diese Frage war jedoch für die Studierenden sekundär: Es ging darum, ansprechende Modelle für die spezielle Lage zwischen Quartier und Rheinufer zu entwerfen.

…oder doch lieber klassisch? (Bild: FHNW)

Dabei musste vieles beachtet werden: Sind die Rampen rollstuhlgängig? Soll die Passerelle mit Dreigelenkbogen wie die alten Schweizer Steinbrücken oder passend zum Hafen in der Form von Kranbahnen gestaltet werden? Die Studierenden konnten auch ausgefallene Ideen präsentieren, die auch ohne die Schifffahrt auskommen – so etwa eine spiralförmige Rampe, die bis in den Rhein hineinragt.

Diese Visualisierung ist schön, aber für die Schifffahrt etwas schwierig. (Bild: FHNW)

Noch existiert die Klybeckpasserelle nur auf diesen Visualisierungen. Wie Heidi Mück betonte, habe das Baudepartement nicht gerade begeistert auf die Pläne reagiert: «Ich habe den Eindruck, sie suchen nur Gründe, weshalb es nicht funktionieren soll», sagte Mück. Für viele der Anwesenden könnte eine solche Brücke jedoch wegweisend für die Entwicklung im Stadtteil sein.

Symbolträchtiger Bau oder Provisorium? Die Anwohner sind uneins

Einigen schwebte eine Anbindung an die Inselstrasse als Herzstück des Quartiers vor. Somit soll auch verhindert werden, dass dem Klybeck von einem allfälligen Megaprojekt der Zugang zum Ufer versperrt wird. «Längerfristig muss das Quartier ohnehin zum Rhein kommen – die Passerelle soll es einfach so lange geben, wie es die Hafenbahn noch gibt», sagte ein Anwohner.

Gerade dieser Punkt war unter den Diskutierenden strittig: Soll die Passerelle auf lange Sicht zu einem symbolträchtigen Bau fürs Quartier oder nur ein behelfsmässiges Provisorium sein?

«Wenns etwas Permanentes werden soll, muss man mit der grösseren Kelle anrühren», bemerkte etwa ein Anwesender. Erstaunlicherweise fiel in der Diskussion im Zusammenhang mit der Passerelle auch der Begriff «Quartieraufwertung» – ein Wort, das im Zusammenhang mit den Zukunftsplänen für die Klybeckinsel nicht gerne gehört wird.

Auch Shift Mode ist für die Passerelle

Trotz verschiedener Differenzen zogen die Klybeck-Aktivisten für einmal am gleichen Strick wie die Vertreter vom Zwischennutzungsprojekt Shift Mode. Auf dessen Visualisierungen sei die Passerelle ebenfalls schon zu sehen gewesen, wie Katja Reichenstein vom Verein Shift Mode betonte: «Wir halten den Finger darauf und setzen uns beinahe wöchentlich dafür ein.»

Meinungsverschiedenheiten gab es jedoch punkto Standort der Brücke: Während für die meisten Anwesenden aus dem Klybeck eine Anbindung an die Inselstrasse ideal wäre, bevorzugt Shift Mode die schmalere Stelle an der Klybeckstrasse, um die Passerelle somit am geplanten Holzpark vorbeizuziehen.

Mehr als eine Gleisüberquerung

Nebst des Standorts und der Finanzierung stehen noch weitere offene Fragen im Raum – schliesslich steht noch in den Sternen, was mit der Klybeckinsel längerfristig geschehen wird und wie lange die Hafenbahn überhaupt noch bestehen bleibt.

Dass die Passerelle für die kritischen Stimmen aus dem Klybeck weit mehr als bloss ein Gleisübergang bedeutet, wurde jedenfalls in der Diskussion deutlich: «Das Baudepartement beachtet uns kaum und wundert sich dann über die Fundamentalopposition aus dem Quartier», sagte ein Anwohner. In seinen Augen könnte eine solche Passerelle zumindest ein Entgegenkommen sein, um die verhärteten Fronten etwas zu lockern.



Schön gelegen am Rhein und doch ist die Lebensader weit weg: das Klybeck, getrennt von der Hafenbahn.

Schön gelegen am Rhein und doch ist die Lebensader weit weg: das Klybeck, getrennt von der Hafenbahn. (Bild: Erich Meyer)

Konversation

  1. Die Passarelle ist noch viel weiter ein politisch interessantes Objekt. Rheinhatten usw. sind Visualisierungen eines von der Anbindung an eine Stadt abgeschnittenen freien Fläche, die zu bebauen ist. Wie ich von einem Freund aufmerksam gemacht wurde, ist der grosse Coup dieser Visualisierungen viel weniger die konkrete Gestaltun, sondern viel mehr die Idee der Insel, weil diese erst das neue Quartier unabhängig von Ort und Raum schafft. Damit kann die Stadt Boden schaffen, der quasi leer und losgelöst erscheint, aus dem man (bzw. der unternehmerische Stadtplaner) aus dem nichts neues schaffen kann. (Für Marx belesene, könnte man vielleicht gar von einer Erneuerung einer ursprünglichen Akkumulation sprechen – Mitten in der hochentwickelten Stadt Basel – kein Wunder wird die Klybeckinsel zum Kampfgebiet – es geht um viel) Eine Passarelle würde gerade die Quartieranbindung unterstützen, die die Stadtplaner gerne ausgelöscht hätten, um aus dem Nichts neues schaffen zu können.

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  2. Schöne Entwürfe!
    Die erste Brücke erinnert mit ihrem Schwung an Jugendstil-Kreationen (was ich in diesem Umfeld als eher unpassend betrachte…), die anderen beiden lehnen sich stärker an die Industrie-Architektur und überzeugen (mich).

    Da diese Entwürfe,

    a) „bottom-down“ entwickelt wurden,
    b) von nicht vom BD zertifizierten/autorisierten Architekten sind
    c) zu wenig Kosten verursachen
    d) auch von Laien als „schön“ eingestuft werden könnten,

    sind sie praktisch chancenlos.
    Aber auf jeden Fall drücke ich den Initianten die Daumen. Wäre schön, wenn sich Basel stadtplanerisch vom Modell „Shanghai“ verabschieden würde. Es gibt ja auch Leute, die in Basel leben…

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  3. Die Visualisierung einer wichtigen Kernidee, der Verbindung des Klybeck-Quartiers mit der Uferstrasse, ist super. Den ArchitekturstudentInnen muss dafür gedankt werden. Die Initianden der IG-Klybeck haben damit nicht nur eine konstruktive Idee eingebracht, sie haben auch das eigentliche Problem in Szene gesetzt. Eine Brücke muss nicht nur physisch, sondern auch symbolisch zwischen den BewohnerInnen des Klybeck-Quartiers und der neuen Hafen und Uferstrassennutzung geschlagen werden. Ob die Verwaltung diesen Wink mit dem Zaunpfahl begriffen hat? Guy Morin müsste diese ausgestreckt Hand als faires Verhandlungsangebot nehmen und hier konkrete Umsetzungsschritte in die Wege leiten.
    PS.: Vielleicht lassen sich Teile des Schweizerpavillons der Mailänder Weltausstellung in Basel (die Apfelringtürme?) recyklen und als Brückenpfeiler verwenden….

    Natürlich wird keine der präsentierten Brücken gebaut. Jammerschade! Dazu müssten wir eine begeisterungsfähige und innovative Verwaltung haben, welche hier rasch und unkompliziert Nägel mit Köpfen machen könnte. Die staatlichen Bedenkenträger werden aber monieren, dass die vorgeschlagenen Brücken noch nicht ausgereift sind, nicht bewilligungsfähig, tausend Vorschriften nicht erfüllen und zu teuer seien.

    Dieser Weg kann daher kaum beschritten werden. Der Weg wäre zu lang und wir würden von einer entsprechenden Passerelle erst in gefühlten 10 Jahren profitieren. Es sei denn jemand könnte der entsprechenden Bewilligungs- und Baubehörde ein Beschleunigungsgen implantieren….

    Trotzdem eine Verbindung muss realisiert werden. Hätte eigentlich schon längsten realisiert werden müssen.

    Vielleicht rufen wir das Militär und lassen uns von angehenden Pionierrekruten endlich etwas Sinnvolles bauen, eine Quartieranbindung mit einem einfachen Holzsteg, einer Passerelle. Ein solchermassen militärischer Notsteg (ohne grossen ästhetischen Ansprüche) dürfte in wenigen Tagen realisierbar sein und würde nicht ein Heidengeld kosten (Modell: Problem erkannt, Lösung gefunden).

    Den ArchitekturstudentInnen gehört der Verdienst rasch und mit ihren Mitteln und ihrer Fantasie auf ein Basisproblem reagiert zu haben.
    Sie bekommen dafür lebenslang Freibier in der Patschifig Bar im Freiraum-Terrarium an der Uferstrasse…..

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