Lassen wir doch die Handwerkerin kommen!

Schreinerin? Elektroinstallateurin? Dentalassistent? An der Berufs- und Weiterbildungsmesse berichten Menschen über ihren Beruf, bei dem sie als Mann oder Frau aus der Reihe tanzen. Damit wollen sie Stereotypen abbauen.

Wer glaubt, eine Frau könne so was nicht beheben, hat vermutlich selber einen Schaden.

(Bild: iStock/volkovslava)

Schreinerin? Elektroinstallateurin? Dentalassistent? An der Berufs- und Weiterbildungsmesse berichten Menschen über ihren Beruf, bei dem sie als Mann oder Frau aus der Reihe tanzen. Damit wollen sie Stereotypen abbauen.

Nur ein Kerl weiss, wie man mit Werkzeugen umgeht. Frauen sind besser für die Pflege geeignet. Es gibt immer noch viele, die solchen Aussagen zustimmen. Rollenklischees halten sich bei manchen Berufen hartnäckig. 

Seit 2010 ist deshalb die Abteilung Gleichstellung von Frauen und Männern des Präsidialdepartements an der Basler Berufs- und Weiterbildungsmesse mit dabei. «Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass Geschlechter-Stereotypen noch immer stark verbreitet sind», sagt Michela Seggiani, Projektleiterin Diversität Bildung und Berufswahl.

Zahlen belegen das: Bei rund 230 Lehrberufen entscheidet sich die Hälfte der Mädchen für eine Ausbildung als Kauffrau, Detailhandelsfachfrau oder Fachfrau Gesundheit. Anders die Buben: Von ihnen wählt die Hälfte zwischen elf verschiedenen Berufen aus.

Fragen gehören dazu

An der diesjährigen Messe will die Abteilung diejenigen zu Wort kommen lassen, die am besten wissen, dass es auch anders geht. Junge Leute, die bei ihrer Ausbildungswahl aufgrund ihres Geschlechts aus der Klischee-Reihe tanzen, sollen helfen, die alten Rollenmuster zu hinterfragen. Als Genderbotschafterinnen und -botschafter spazieren sie durch die Messe, suchen das Gespräch mit Interessierten und machen diesen Mut, sich bei der Lehrstellensuche nicht von Rollenbildern abschrecken zu lassen.



Sie möchten Jugendliche ermutigen, sich nicht von Rollenbildern abschrecken zu lassen: Schlosserin und Metallbauerin Céline, Fachmann Betreuung Sascha und Elektroinstallateurin Jasmin sind drei der Gender-BoschafterInnen an der Berufs-und Weiterbildungsmesse.

Sie möchten Jugendliche ermutigen, sich nicht von Rollenbildern abschrecken zu lassen: Schlosserin und Metallbauerin Céline, Fachmann Betreuung Sascha und Elektroinstallateurin Jasmin. (Bild: Michel Schultheiss)

Eine der Genderbotschafterinnen ist die Schlosserin Céline (21). Schon ihr Vater hat diesen Beruf ausgeübt. Als sie nach einer Attestlehre die Ausbildung begann, war sie vor allem am Anfang mit Vorurteilen konfrontiert: «Ich musste den Kollegen immer wieder beweisen, dass auch eine Frau diesen Job übernehmen kann.» Inzwischen ist Céline im vierten Lehrjahr und die nervigen Fragen sind seltener geworden.

Nichts zu bereuen

Auf der anderen Seite zeigt der 25-jährige Sascha, dass auch ein Fachmann Betreuung nichts zu bereuen hat. Für ihn ist es die Zweitausbildung: Nach einer Lehre als Elektroinstallateur habe er gemerkt, dass das für ihn nicht das Richtige ist. Der Zufall habe ihn in dieses Berufsfeld geführt. Insbesondere die Wertschätzung der Kinder, die er im Alltag erlebe, unterscheide diesen Beruf vom vorherigen.

Sascha hat beobachtet, dass Jugendliche unter grossem Druck stehen, wenn nach Ablauf der Schulzeit schnell eine Lehrstelle her muss. «Oft fehlt dann die Zeit, um sich in Ruhe mehrere Optionen anzuschauen.» Daher habe auch er erst viel später den passenden Job gefunden, sagt Sascha.

Wann lernt das die Schweiz?

Berufe haben kein Geschlecht: Unter diesem Motto will die Abteilung Gleichstellung neben der Präsenz an der Messe auch an den Schulen die alten Rollenbilder in der Berufswelt ins Wanken bringen. Michela Seggiani nennt etwa die Schulprojektwoche «Avanti» oder den Workshop «Mein Beruf». Lehrpersonen können ausserdem Unterrichtsmaterialien zum Thema beziehen.

Denn die Unterteilung des Arbeitsmarktes in Frauen- und Männerberufe sei in der Schweiz besonders ausgeprägt, wie es in einer Broschüre der Abteilung Gleichstellung heisst. Das beeinträchtige die Chancengleichheit.

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