Leidenschaft für die braune Bohne

Kaffeerösten liegen im Trend. Wie beim Bier suchen die Leute auch beim Kaffee die Indivitualität. So auch sie Gründer der Rösterei Haenowitz & Page. Besonders wichtig sind ihnen dabei direkter Handel und Nachhaltigkeit.

Reto Häner, Dina Horowitz und James Page (nicht im Bild) haben gemeinsam eine Kaffeerösterei gegründet. (Bild: Alexander Preobrajenski)

Begonnen hat es mit Kleinbrauereien, jetzt ist Kaffeerösten im Trend. Auch in Basel gibt es kleine Röstbetriebe – etwa Haenowitz & Page.

Säntisstrasse, Gotthelfquartier: ein Hinterhof mit einer von drei Kaffee-Kleinröstereien in Basel. Einst war hier eine Gipser- und Malerwerkstatt, dann ein Materiallager. Wider Er­warten riecht es nicht nach Kaffee in dem kleinen Raum. Die Kaffee­bohnen stehen in grossen Säcken in einer Ecke. Sie kommen aus Guatemala, Ecuador, Honduras und Brasilien. Reto Häner bietet uns eine Kostprobe des Ecuadorianers an. «Der schmeckt besonders süss und ­karamellig.»

Reto kennt sich aus mit Kaffee. Gemeinsam mit Dina Horowitz und James Page hat er die Kleinrösterei Haenowitz & Page gegründet. Im vergangenen Mai haben sie ihren Businessplan ausgearbeitet, seit Juli steht die Rösterei im Basler Handelsregister. An unserem Treffen fehlt Page, er muss arbeiten. Die Kaffeerösterei führen die drei Jungunternehmer nebenberuflich. Reto ist Bauleiter in einer Gipser­firma, Dina schreibt ihre Dissertation in Psychologie und James arbeitet in der Telematik.

«Wir wollen ein neues Bewusstsein schaffen»

Zugpferd des Projekts ist Reto Häner. Er ist leidenschaftlicher Kaffeetrinker. Doch das Angebot an gutem Kaffee sei in Basel «eher dürftig». Deshalb habe er angefangen, selber Kaffee zu rösten. Mit einer 200-Gramm-Maschine. Diese deckte den Bedarf bald nicht mehr. «Da war für mich klar: Entweder ich höre auf oder ich mache etwas Grösseres.» Die drei gründeten die Haenowitz & Page GmbH. Die derzeitige Maschine, mit der sie nun in der Säntis­strasse arbeiten, ist eine griechische Hand­anfertigung, fasst 5 bis 7,5 Kilo und sieht ein bisschen aus wie eine Dampflok. «Diese Maschine ist das Nonplusultra in der Rösterszene», sagt Dina stolz.

Doch Haenowitz & Page wollen nicht bloss Kaffee rösten, sondern auch ein neues Bewusstsein für das Alltags­produkt schaffen. Beispielsweise wisse kaum jemand, dass Kaffee ein saiso­nales Produkt sei, sagt Reto. «Darum kann die Ernte je nach Jahrgang variieren, das ist wie beim Wein.» Wenn Reto und Dina erzäh­len, merkt man: Kaffee ist eine Wissenschaft. Und für die drei auch eine Leidenschaft.

Ihr Kaffee-Wissen haben sie sich angelesen, viel haben sie auch durch Networking erfahren. Neben der Qualität sind ihnen Nachhaltigkeit und fairer Handel wichtig. Haenowitz & Page ist Vertreter der amerikanischen «3rd Wave Coffee»-Bewegung. Bewusster Einkauf und ­direkter Handel sind zentral. Die Bauern bauen den Kaffee in Mischkulturen und ohne Einsatz von chemischen Substanzen an. Deswegen ist ihr Kaffee nicht sehr pflegeintensiv und gedeiht praktisch von allein.

Teurer Rohstoff

Viel aufwendiger dagegen ist das Ernten, Schälen und Trocknen der Bohnen. Für diese Arbeit werden die Bauern durch Vorabzahlungen entlöhnt. So haben sie die Garantie, dass sie die Ernte verkaufen können. Mehr als drei US-Dollar bezahlen Haenowitz & Page pro Pfund brasilianischen Kaffee. Das ist gut doppelt so viel wie der Börsenkurs von Kaffee und das Anderthalbfache des Ein­kaufs­preises von Fairtrade-Labels. Doch das ist es ihnen wert.

In der Säntisstrasse werden die Bohnen einmal wöchentlich geröstet. «Wir wollen nicht zu grosse Lager­bestände», sagt Reto. «Kaffee muss frisch sein, maximal zwei Wochen nach der Röstung sollte er verkauft sein.» Die gerösteten Bohnen werden in Papiertüten abgefüllt. Auch diese sind umweltverträglich, weil kompostierbar. Den Siebdruck macht Dina selber. Sie verwendet dafür umweltverträgliche Farbe auf Wasserbasis. Als einzige Abfallprodukte verbleiben das Ventil, der Plastikverschluss und die Banderole mit der Beschriftung.

Nächstes Ziel von Dina, Reto und James ist, dass ihr Kaffee in Restaurants ausgeschenkt wird. Aber nicht in jedem. Reto: «Es müssen schon Betriebe sein, deren Haltung zu unserer Philosophie passt.» Da wäre es doch am einfachsten, gleich selber ein Café zu ­eröffnen, oder? «Wenn wir die nötige Kaffeemenge dafür erreichen, wäre ein ­Inhouse-Betrieb schon denkbar», sagt Dina. Doch sie will nicht Kaffeesatz lesen. Vorerst wird geröstet. Und dann wird es auch nach frischem Kaffee duften in der Säntisstrasse.

  •  Ab dem 3. November kann man an der Säntisstrasse 11a jeweils samstags von 11 bis 15 Uhr abgepackten Kaffee kaufen.

Kaffee in der Schweiz – Zahlen und Fakten

– Mit 8,5 Kilo pro Kopf und Jahr hat die Schweiz den fünfthöchsten Kaffeekonsum weltweit.
– Kaffee ist das wichtigste Exportgut der Schweiz, noch vor Schokolade und Käse.
– 70 bis 80 Prozent des weltweit exportierten Rohkaffees werden über die Schweiz gehandelt (über 130 Millionen Sack). – Die Wertschöpfung von Kaffee beträgt knapp 1 Prozent des Bruttoinlandprodukts (4,67 Milliarden Franken).
– In der Schweiz gibt es drei grosse und mindestens 40 kleine Röstereien.
– Das Pflichtlager für den Kriegsfall und andere Krisen umfasst rund 13 500 Tonnen.

 

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 02.11.12

Konversation

  1. Ich stimme der Meinung zum (Werbe-)Artikel Herrn Howald zu.

    Nur; Ja, Kaffeerösten HAT in Basel Tradition, Herr Howald. Nebst Moccaraba „Kaffiböhnli“ Marco Candoni gibt es in gross Basel ebenfalls eine Rösterei (La Columbiana) die seit 1978 existiert und sich ebenfalls im bereich Fairtrade stark engagiert. Ausserdem ist La Columbiana bei vielen Veranstaltungen (Museumsnacht, Austellungen, Infoabende) stark vertreten.
    Basel ist inzwischen DIE Espresso Stadt der Schweiz. Die gross Rösterei Bertschi Kaffee (Birsfelden) organisiert Regelmässig Cup tastings sowie Barista Schulungen mit Alfons Schuwey (Café Eccetera). Ausserdem gibt es noch in Muttenz eine kleine Rösterei Namens Barrone. Mittlere Röstereien wie Kolanda, Casablanca, Buser darf man auch nicht vergessen.

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