Mehr Vergewaltigungen und Einbrüche, weniger Körperverletzungen

Auf Anfrage hat die Staatsanwaltschaft Trendzahlen zur Sicherheitslage in Basel herausgegeben. Während einzelne Delikte im laufenden Jahr stark zugenommen haben, wurden bislang weniger Körperverletzungen angezeigt.

Das Sicherheitsgefühl sinkt; einzelne Deliktarten nehmen in Basel zu. (Bild: Fisch Walter Würtenberg)

Auf Anfrage hat die Staatsanwaltschaft Trendzahlen zur Sicherheitslage in Basel herausgegeben. Während einzelne Delikte im laufenden Jahr zugenommen haben, wurden bislang weniger Körperverletzungen angezeigt.

Um einen vollständigen Überblick der Sicherheitslage in Basel zu erhalten, bleibt die Veröffentlichung der jährlichen Kriminalitätsstatistik abzuwarten. Die Basler Staatsanwaltschaft hat nun auf Anfrage Trendzahlen zu ausgewählten Delikten veröffentlicht, die zumindest einen Eindruck davon vermitteln, wie die Lage im Stadtkanton ist. Diese ergeben ein differenziertes Bild.

Zuvor hatte die «Basler Zeitung» über einen Anstieg bei den Raubüberfällen von 40 Prozent im laufenden Jahr in Basel berichtet und in einem fragwürdigen Vergleich (Stadt- und Landkantone wurden vermischt) Basel zur Stadt mit der furchterregendsten Entwicklung in diesem Bereich erklärt.

Um eine Aussage über einen Trend bei den Kriminalitätszahlen machen zu können, hat die TagesWoche nach weiteren Delikten gefragt. Das Ergebnis für den Zeitraum zwischen Januar und September 2012 ist ambivalent:

  • Körperverletzungen und Tätlichkeiten wurden im Vergleich zum selben Zeitabschnitt im Jahr 2011 weniger registriert. Der Rückgang beträgt vier Prozent. 
  • Bei den Vergewaltigungen wird eine Zunahme von 30 Prozent angegeben. Die totalen Fallzahlen werden erst im Frühjahr 2013 kommuniziert. Ein Blick auf Zahlen des Vorjahres (2011 waren es 35 Vergewaltigungen) legt nahe, dass es bei der Interpretation Vorsicht geboten ist. Bei einer derart kleinen Fallzahl ist es schwierig, Schlüsse zu ziehen.
  • Deutlich ist der Anstieg im Bereich Einbruch und Einschleichdiebstahl. Hier beträgt die Zunahme im laufenden Jahr 45 Prozent (im ganzen Jahr 2011 wurden 1248 Einbrüche registriert). Bei den Diebstählen beträgt das Plus 10 Prozent.

Die Staatsanwaltschaft legt Trendzahlen auf Anfrage offen. Sie betont aber, dass «erst ein mehrjähriger Vergleich ein umfassendes Bild über die Entwicklung der Kriminalität gibt».

Konversation

  1. Als Opfer möchte ich versuchen mit dem Täter zu sprechen. Vielleicht hat er wirklich eine Not und niemand hört ihm wirklich zu. Vielleicht hat er selbst entsprechende schlimme Erfahrungen gemacht. Das rechtfertigt natürlich in keiner Weise die Tat. Die muss gesühnt werden. Es ist kein einfacher Weg. Der Ausgang ist ungewiss. Aber ein Versuch lohnt sich und kann einem helfen aus der Opferrolle herauszukommen.

    Ich theoretisiere da nicht. Ich habe in dieser Richtung Erfahrungen als ehemaliges Opfer.

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  2. Es wird sehr viel Aufwand betrieben um Statistiken zu führen und zu interpretieren. Wenn man jedoch einmal ein Opfer fragt was das empfinden war – geht erschreckendes ab. Es sind nicht „nur“ die Opfer es ist auch das soziale Umfeld welches unter diesen Statistikzahlen leidet.
    Vielleicht hört endlich das- jööh und jesses – ein armer Täter und erst noch unter Drogen und geflüchtet….. es lässt sich erweitern. Das Basel an zwei Länder grenzt ist in der Zwischen zeit bekannt wird aber auch nur in der normalen Grenz- und Polizeiarbeit bearbeitet.
    Fragt man einen altgedienten Polizisten bekommt man eine (leider frustrierte) Antwort: das sei halt so – wir nehmen fest – die Richter lassen wieder frei. Verkürzte Wiedergabe.
    Sehr traurig ist, dass das schwierige Thema nun von Politiker zwecks Wahl-Propaganda ausgenutzt wird. Mit solchem blah blah ändert sich nichts.

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  3. Auch wenn Sie uns aus Ihrer Berliner Warte mit noch so ellenlangen Kommentaren beglücken: Kurz gefasst ist Ihre (von der TaWo hervorgehobene!!!) Quintessenz, das beeinträchtigte Sicherheitsempfinden habe sich der gemeine Pleps durch übermässigen TV-Konsum letztlich selbst zuzuschreiben, Zynismus pur.
    Und ist damit auf einem ähnlichen „Niveau“ anzusiedeln wie Tanja Solands Feststellung, wonach – wiederum kurz gefasst – nicht die Kriminalität an sich, sondern die Kommunikation derselben das Problem sei.
    Das ist eine Verharmlosung des Problems und eine Ohrfeige für die verunsicherte Bevölkerung. Es ist eine Haltung, welche den Acker bereitet für die Hardliner.
    Die Einen reden schön (SP und Konsorten), die Anderen kochen hoch (SVP und Konsorten).
    Und wer spricht über die Opfer?

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  4. Das „Sicherheitsempfinden“ wird auch in Deutschland als Wahlkampfmittel verwendet. Aufschlussreich finde ich, dass dieses „Empfinden“ einfach als gegeben higestellt wird.
    Heute erhielt ich einen Anruf eines Freundes aus der Schweiz, der mich fragte: „Was ist denn bei ich in Berlin los. Da kannst Du ja nicht mehr aus dem Haus gehen“. Auf meine Rückfrage, weshalb er mich solcherlei frage, antwortete er:“Aber da wurde doch mitten in Berlin, am Alexanderplatz, ein junger Mann in aller Öffentlichkei ermordet.“
    Ja, in aller Öffentlichkeit, an einem belebten Ort, und vor kurzem wurde ebenfalls in aller Öffentlichkeit, allerdings nicht am Alexanderplatz, ein junger Mann von einem Unbekannten angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Und kurz vorher, vor etwa 2 Wochen, geschah dasselbe bereits einmal.
    Da empfindet man, meinte mein Freund, sicher Ungutes, wenn man über den Alexanderplatz geht.

    Ich bin heute über diesen Platz gegangen – wie gleichzeitig wohl einige hundert, wenn nicht eher einige tausend andere Personen auch. Und ich habe für mich, bezogen auf mich, festgestellt: Keine Empfindung, dass dies gefährlich sein könnte.

    Bin ich „unempfindlich“ für verbrecherische Taten ?
    Bin ich nicht. Die Tat von einigen jungen Leuten an drei anderen jungen Leuten, welche zum Tod eines jungen Mannes führten, finde ich verabscheuungswürdig.
    Dass dann Politiker und Medienleute – in ihrem Selbstverständnis bei solchen Entrüstungskundgebungen wohl von der Meinung beherrscht, sie vertreten das „Gesunde“, die „Normalität“ usw. – sofort nach mehr „Polizeipräsenz“ rufen, dass jedes Mal, wenn eine verabscheuungswürdige Tat geschieht, nach elektronischer Überwachung des öffentlichen Raumes oder nach hartem „Durchgreifen“ gerufen wird: Wen überrascht das noch ?
    Ob mit dieser Rezeptur irgend ein Verbrechen verhindert werden kann ?
    Genau diese Fragestellung wird überhaupt nicht in Erwägung gezogen.

    Einmal etwas andersherum überlegt:
    Zum Beispiel: Früher, bis vor etwa 20 Jahren, waren in den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht nur ein Tramführer mit Kamerablick in den Fahrgastraum oder bei einem U-Bahnhof hallenumfassende Kameras und Kameras in der Führerkabine des U-Bahnzuges zur Stelle, sondern hinten, beim Einstieg ins Tram, Billeteure, Billeteusen, oder es waren Zugsabfertigungsleute, welche den Überblick über das Geschehen auf dem Bahnsteig hatten, jederzeit zugegen. Solche Personal“ausrüstung“ ist heute angeblich zu teuer. An ihrer Stelle tummeln sich nun ganze Armeen von oft genug sehr fragwürdigen „Sicherheitsdiensten“ im öffentlichen Raum herum, dort, wo früher der „Schugger“, der „Wachmann“, wie er in Berlin genannt wurde, zu Fuss, also langsam, mit Überblick und daraus gesammelter Erfahrung präsent war. Auch hier heisst es heute sofort: Solche Präsenz von Personal ist zu teuer.

    Ein weiterer Unterschied zu „früher“ liegt darin, dass die öffentliche Sicherheit zunehmend auf elektronische Hilfsmittel reduziert oder so genannt „privatisiert“ wurde.
    Einen anderen Unterschied zu „früher“ kann man darin erkennen, dass die Medienöffentlicheit zunehmend ein sich häufig selber produzierendes Skandalisierungsmoment für jeden Augenblick des Tages als Grundlage für Einschaltquote oder Auflage benutzt. Noch nie habe ich im Zusammenhang mit dem so genannten „Sicherheitsempfinden“ beispielsweise von analytischen Untersuchungen über den Einfluss auf das „Sicherheitsempfinden“ der täglich ununterbrochen ausgestrahlten Krimis haben könnte, gelesen oder gehört. Am laufenden Band geschieht virtuell und bebildert Mord an Mord, Vergewaltigung an Vergewaltigung, seriell nicht nur in privaten Fernsehkanälen, sondern etwa beim ZDF täglich meistens gleich mehrmals, beginnend mit Vorabendkrimis und fortgesetzt mit allerlei schärferem Zeug bis in die frühen Morgenstunden des nächsten Tages.
    Wer täglich stundenlang vor der Glotze sitzt, kommt gar nicht darum herum, die Allgegenwart von wüster Kriminalität als Bedrohung des eigenen Sicherheitsempfindens zu verstehen. Statistiken hin oder her.
    Dass dieses Empfinden mit der Alltagsrealität wenig zu tun hat, spielt dabei keine Rolle. Dass es rentabel erscheint, dieses „Empfinden“ manipulativ zu beeinflussen, um die Leute mit Verunsicherungskaskaden in Spannung und dadurch bei Zuschauer – Leser-Treue zu halten, ist mindestens als Feststellung wohl nicht aus der Luft gegriffen.
    Konkret allerdings wird damit – in gewissen politischen und/ oder publizistischen Gemengenlagen wohl so gewollt – keine zusätzliche „Sicherheit“ gewonnen. Denn konkret nachgewiesene Sicherheit rentiert nicht! Sie existiert einfach, was natürlich weder „spannend“ noch „berichtenswert“ ist und sich schon gar nicht als Wahlkampfeldorado eignet.

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  5. Die Berichte der BaZ zu Sicherheitsaspekten in Basel nehmen langsam Formen zwischen Desinformation, Wahlpropaganda und Demagogie an. Mittlerweile wird sogar bei den Kommentaren eine ideologisch gefärbte Auswahl gemacht oder es sind konzertierte Aktionen diesbezüglich im Gange. Sowas ist in der Schweiz wirklich neu.

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  6. Dass sich Gewalt und Drohungen gegenüber Behörden seit 1982 mehr als verfünffacht haben, wie hier Herr Ullmann kundtut, mag ja sein. Statistisch gesehen.

    Nicht untersucht, und somit auch nicht erfasst, wurden die Gründe, weshalb es zu dieser statistischen Verfünffachung kam. Ich denke, auch hier gilt das Gesetz von Ursache und Wirkung: sind die Menschen schlechter geworden, schneller am „Durchdrehen“, oder nahm die Repression der Behördenmitglieder, sprich des „Staates“, gegenüber den Bewohnern eines Landes zu? Eine solche „Statistik“ wäre möglicherweise ebenso „aufschlussreich“.

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  7. ich möchte weder Bürgerwehre, noch Überwachungskameras oder Polizisten an jeder Ecke. Ich habe gesagt, dass ich die bereits bewilligten 45 Polizistenstellen gut finde und dass man die mal rekrutieren soll (wird in den nächsten drei Jahren gemacht werden; 12 Personen sind schon rekrutiert worden). Danach schauen wir weiter.
    Mehr Ziele finden Sie auch auf meiner Homepage.

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  8. Mein gesamtes Wohlbefinden (und das Sicherheitsempfinden ist ein Teil davon) nimmt ab, wenn ich hinter jeder Ecke Polizisten, Überwachungskameras, Hilfssherrifs und vermeintlich rechtschaffene Bürgerwehren vermuten muss. E. Ullmann war bisher mein einziger Joker für den siebten Platz auf der Liste. Seit er aber auch nur noch in dieses Horn bläst, bleibt der Platz halt leer … Eben lieber geradeaus statt links und rechts. Oder hü und hott …

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  9. dauerhafte, uniformierte Polizeipräsenz zu allen Tageszeiten und in allen Quartieren. Davon kann leider schon lange nicht mehr die Rede sein.

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  10. Sie haben recht – entschuldigen Sie bitte diese fehlende Präzisierung. Ohne Anzeige finden sie ja auch keinen Eingang in die Statistik.
    Es bleibt aber bei der Feststellung, dass alle Objektivität wenig hilft, wenn sich das subjektive Sicherheitsempfinden bei Teilen der Bevölkerung verschlechtert. Diese Sorgen muss man ernst nehmen und glaubhafte Massnahmen ergreifen.

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