Morgens um halb sieben auf dem Gammelflug

Wer mit Billig-Airlines fliegt, darf nichts erwarten. Der Flug von Berlin nach Basel um 6.15 Uhr ist trotzdem eine Zumutung. Eine Kolumne.

Sechs Uhr früh, Berlin: Hipster Kids haben das pralle Leben hinter, alle anderen zwei Stunden Horror vor sich.

Eigentlich weiss man ja, was kommt. EasyJet – das bedeutet schlecht gekleidete Stewards und Beutelkaffee, «Wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit» und «Danke für Ihre Geduld» und garantiert immer diesen einen Sitznachbar, dessen fette Arme über die Lehne hängen, der sich einen Gin Tonic bestellt – «Mit dem guten Gin!» – und nach drei Schlucken zur speichelsprühenden Lebensgeschichte ausholt.

Nie wieder, denkt man sich nach jedem Flug aufs Neue, während das halbe Flugzeug mal wieder euphorisch klatschend dem Piloten zu seiner gelungenen Landung gratuliert.

Und trotzdem sitzt man jetzt wieder in diesem Blechkäfig in Grellorange, einer Farbe, die niemandem, wirklich niemandem steht, so wie niemandem ein EasyJet-Flug steht. Auch den dürren Hipster Kids nicht, die gerade bleichgesichtig durch den Eingang wanken, Wasserflasche in der Hand, aslige Turnschuhe an den Füssen, generische Tattoos an den Armen. Die meisten von ihnen tragen Sonnenbrille – eine rührende Massnahme, die armen Augen sind sich gerade mal die Lichtschlitze in der Panorama Bar gewohnt.

Ein Mensch, ein Drink

Da kommen sie gerade her, sagen die, die noch was sagen wollen. Und die wollen immer dasselbe sagen: «36 Stunden lang durchgefeiert. ‹Berghain›, weisch.» Dann schauen sie kurz auf und warten auf Zustimmung. Die überarbeiteten Pupillen geben alles. «Es ist so geil da, das ganze Wochenende Nacht, du verlierst jedes Zeitempfinden! Wow, ich sags dir, wow!»

Berlin–Basel, 06.15, Montagmorgen. Niederste Schublade. Pendler, Partygänger, Prolos.

Ich denke an den Gin-Tonic-Hünen. Was er wohl gerade macht? Wieso er nicht gerade neben mir sitzt? Was da wohl für ein fieser Gott hinter den EasyJet-orangen Wolken sitzt, der noch weniger Erbarmen hat als ich Beinfreiheit, was für eine Arschgeige, die die Räder des Schicksals so dreht, dass ich jetzt statt Gin Tequila bekomme? Einen billigen Tequila, die Sorte Tequila, die niemand will, die sich dir ins Hirn bohrt, unerbittlich, so, dass du nichts entgegnen kannst, dass dein Kopf rotiert, dass du nur noch in stupiden Metaphern denkst. Jeder Mensch ein Drink, zum Beispiel. Mein Nachbar, der Tequila Sunrise.

«Guten Morgen!» Weisse Zähne leuchten mir ins Gesicht. «Was zu trinken?» Ich schüttle den Kopf und drehe mich zum Sitznachbarn. Der stellt sich schlafend, aber seine Augen klappen immer wieder auf, wie kleine Rollläden. Die Stewardess guckt leer und wendet sich den nächsten Passagieren zu. Sie scheint diesen Flug zu kennen. Berlin–Basel, 06.15, Montagmorgen. Niederste Schublade. Pendler, Partygänger, Prolos. Welche Sorte von Stewards kriegt diesen Flug? Sicher nicht die schottischen Single Malts, so viel ist klar.

Frühstücks-Groteske

Vielleicht hat sie aber auch einfach abgetauscht, einen guten Deal gekriegt. Den Nachmittagsflug nach Kopenhagen zur Wiedergutmachung. Lauter schöne, frische Blondschöpfe, die fröhlich an hausgemachten Chia-Bars knabbern. Aus der Bordmenükarte bestellen die höchstens den Grüntee.

Ganz anders die Passagiere des 06.15-Flugs nach Basel. Kaffee, Blaubeermuffins, Marsriegel, Fleischkäse-Ciabatta, you name it. Nichts zu grotesk, ein Frühstück zu sein. 

Dem Anzugträger vorne rechts reichen die klassischen Snackvariationen nicht. Er gönnt sich eine stärkende Tomatensuppe. Für Bloody Mary seis noch ein bisschen zu früh, scherzt er mit der Flight Attendant. Die lächelt gequält. Schön an den Kopenhagen-Flug denken.

Wer EasyJet fliegt, der ist geizig oder hat keine andere Wahl. Auf die meisten hier trifft beides zu. Der Frühflug setzt voraus, dass man Montagmorgen irgendwo sein muss. Meistens an der Uni oder im Büro. «Ich leg mich gleich eine Runde schlafen. Während der Vorlesung. Haha!» Tequila Sunrise hat seine Augen immer noch nicht zugekriegt.

Dafür redet er jetzt über die üble Angewohnheit einiger Menschen, nach dem Landen zu klatschen. «Ich meine – wir sind doch keine Musical-Vorführung hier!» Da wär ich mir nicht so sicher, denke ich. Hinten fängt ein Baby an zu schreien. Die Vorstellung ist gleich vorbei. Danke für ihre Geduld.

Konversation

  1. Was ich darüber denke? Dass die Tageswoche – seit der Neuausrichtung – praktisch nur noch Prügel bezieht. Ein ähnlich gelagerter Artikel auf „watson“, wie der von Frau Gregoris, wo eine Redakteurin die griechische Küche buchstäblich in die Pfanne haut, erntet viele zustimmende, lustige wie auch ironische Kommentare. Keine Hämischen oder Bösartigen wie an dieser Stelle. Die Tawo hat von Anfang an die Nähe zu ihrer Community gesucht wie keine andere Zeitung – zu viel vielleicht. Daraus resultierte eine Anspruchshaltung einiger Mitglieder in Form eines vermeintlichen „Mitspracherechts“, das über sachliche Kritik hinaus geht, aber in keinster Weise gerechtfertigt ist.

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  2. ja ja, der Artikel ist dürftig und die Antwort der Autorin auch nicht gerade erhabend.

    gleichwohl hat er hier schon was entlarvt:

    Artikel, die die Welt nicht braucht, werden anscheinend auch hier mehr gelesen und lösen mehr Reaktionen aus. Die Kommentierenden dürfen sich gerne auch selbst hinterfragen.

    Gewisse Kommentierende kopieren anscheinend ihre Kommentare, um immer wieder gegen die TaWo zu schiessen (Bruschweiler (politische Mission), in letzter Zeit auffallend oft auch Herr Fleury (warum eigentlich – persönliche Probleme mit der neuen TaWo?))

    Hürlimanns Kommentar ist wiederum länger, als ein solcher Artikel es verdient hat. Zudem: mit einer Anekdote ergibt sich noch lange kein korrektes Gesamtbild. Im Gegenzug lassen sich unzählige Negativbeispiele der Airline auflisten.

    Das Bild wiederum vom 06.15 Flug ist durchaus treffend. Und trotz aller political correctness hat sich wohl scho der eine oder andere Kommentarist hier drinnen über den Sitznachbar genervt, der zu viel Platz einnimmt.

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  3. Ich fliege sehr oft mit Easyjet und bin SEHR zufrieden. Man kann ja die Fluggäste qualifizieren aber die Angriffe gegen Easyjet sind unter aller Sau.

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  4. Liebe Leser


    Ich verstehe euch einfach nicht. Das tut mir weh zu schreiben, weil eigentlich würde ich euch gern verstehen. Mehr noch: Ich würde euch gern verstehen helfen – was mich umtreibt, was euch umtreibt, was die Welt umtreibt. 



    Worte verbinden. Im besten Fall so, dass man sich in anderen Menschen, anderen Ideen und Leben wieder erkennt. Im schlimmsten Fall so wie in dieser Kommentarspalte.

    Was ist los mit euch, dass ihr einen Text als gemeinsamen Feind ernennt? Noch dazu einen Text, der höchstens medioker ist? Was ist los mit euch, dass ihr euch nicht über die harte Arbeit freut, der sich Journalisten täglich hingeben, sondern euch die schwächsten Glieder dieser Arbeit aussucht und sie gemeinsam zerstört? Was bringt euch das? Was bringt Verbindung in Hass?

    Wisst ihr eigentlich, wie oft man sich als Journalist den Kopf zerbricht, wie man euch – den Leser – zufriedenstellen kann? Es ist nicht so, dass wir einmal pro Woche zusammensitzen und jeder furzt mal etwas in die Luft und alle klatschen und sagen, yeah, mach doch mal einen mediokren Text über den Montagmorgen in einem Easyjet-Flieger! Die Wahrheit sieht anders aus: Man versucht verzweifelt ein Blatt zu füllen, dass von oben als nötig empfunden wurde. Dieses Blatt ist ein Klotz am Fuss, ein Fehler in der Idee. Man muss dieses Blatt gefüllt haben, jede Woche, obwohl man von Grösserem träumt, von langen Reportagen, dicken, lebendigen Geschichten. Die darf man auch machen, aber erst muss dieses Blatt voll werden, schnell. Immer schnellschnellschnell.

    Also gibt es Füller. Texte, die weder besonders hochstehend noch kreativ noch sonstwie wahnsinnig relevant sind. Texte, die nicht das Talent des Schreibenden widerspiegeln, sondern halt einfach hermussten.

    Genau diese Texte sind es, die dann viele Klicks bekommen, die alle lesen und dann mit den Augen rollen und böse Kommentare verfassen. Die geteilt werden, weil sich alle so aufregen über ihre Irrelevanz. Und dadurch umso relevanter werden.

    Denkt ihr, grosse Geldgeber scheren sich um grosse Inhalte? Die scheren sich um Klicks. Und indem ihr solchen Texten so viel Aufmerksamkeit schenkt, bewirkt ihr, dass sie als relevant eingestuft werden, und dass ihr am Ende nur noch solche Texte kriegt. Wollt ihr das? Will ich das?

    Ich will das nicht. Ich will dasselbe wie ihr. Aber das kriegen wir nicht durch gehässige Kommentare. Damit kommen wir nirgends hin. Auch nicht, wenn ihr mich öffentlich als Bekloppte hinstellt. Das kostet euch und mich bloss Energie. Energie, die ich lieber für Geschichten aufwende, die mir und euch am Herzen liegen.

    Nur setzen unter die Geschichten höchstens die zwei, drei usual suspects einen Kommentar. Als wäre es eine Selbstverständlichkeit, dass man sich für euch, vorwiegend gratis konsumierende Leser, so ins Zeug legt. Ist es das? Ist das eure Logik? Gratis Unterhaltung und die muss dann aber auch bittesehr höchsten Ansprüchen genügen?

    Mich macht das traurig. Ich will einfach meinen Job erledigen. Das bedeutet: Aufwendige, liebevolle, starke Geschichten – und der ganze Kram, der sonst noch mit muss. Als Journalist darf man nicht immer wählerisch sein, kein Journalist darf das. Als Journalist schreibt man das, was der Leser lesen will. Und wenn ihr bei solchen Texten zu persönlichen Höchstformen aufläuft, dann signalisiert ihr: Das will ich lesen. Ich finde es einen huere Brunz, aber ich will es lesen.



    Entschuldigung, aber: Wie abgefuckt ist das denn?



    Um beim Tequila-Duktus zu bleiben.



    Schön wars trotzdem mit euch.



    Liebe Grüsse



    Naomi



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    1. Muss sich ein Journalist alle Kommentare gefallen lassen ohne darauf eine Antwort geben zu dürfen.
      Ich meine nein.
      Offenbar vertragen auch Sie keine Kritik und schleichen sich davon.
      Da Sie das so schnell tun, sind Sie eher Gratisleser der auch gratis kritisiert.
      Für die TW ist es daher vermutlich kein Verlust.

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    2. Liebe Naomi,
      lassen Sie sich bitte von uns Idioten nicht die Freude am Schreiben nehmen.
      Für mich sind ihre Texte immer Inspiration und Genuss, auch wenn ich das zu selten äussere.
      Danke!

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    3. Liebe Naomi,
      nach Jahrzehnten als Journalist für Magazine in verschiedenen Ländern habe ich aufgehört zu schreiben. Es macht keinen Sinn mehr. Wenn überhaupt noch gelesen wird, dann muss es gratis und mit wenig Reklame sein. Angeklickt wird vor allem das, worüber man sich ärgert und nur das bringt dem Investor Gewinn. Gut recherchierte Artikel kosten Zeit und die will niemand investieren. Gute Zeitschriften sind tot, weil zu wenig Leute es bezahlen.
      In langen Abständen bekommen Magazine gute Artikel unter Pseudomym, welche die Readktionen gerne veröffentlichen. Natürlich nur, wenn sie gratis sind. Aber Klicks gibt es da nur wenig. So ist es eben….

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    4. Die Frage ist meiner Meinung nach nicht, ob dieser Artikel gut oder schlecht ist – sondern vielmehr, ob er als Abend-Headliner in diese Zeitung gehört.

      Dass das Budget nicht vorhanden ist, um täglich frisch recherchierten Inhalt zu produzieren, haben die meisten wohl verstanden. Ob aber diese Art von Lückenfüller der richtige weg ist, steht auf einem anderen Blog.

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    5. Journalisten dürfen sich oft viel erlauben. Tagtäglich undifferenzierte, einseitige, und unausgewogene Berichterstattung (insbesondere auch in der TaWo), Falschinformationen und unvollständige Darstellungen bei komplexen Sachfragen, Hetzjagden gegen Politiker, Prominente, Sportler, Unternehmen etc., vernichtende, derbe Kritiken, dümmliche Kommentare usw.

      Nun haben sich hier einige Leser mittels Kommentare gewehrt. Ob berechtigt oder nicht, lassen wirs offen.

      Naomi, sehr wahrscheinlich haben Sie Ihren Beruf verfehlt. Wenn Sie als Journalistin austeilen dürfen, dann müssen Sie auch einstecken können. Ihr rechthaberisches, uneinsichtiges Gejammere nervt!

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    6. Hey, lassen Sie sich nicht entmutigen. Sie sind jung, direkt, offen und das ist das Beste, was es gibt. Auch wenn man damit aneckt, oder nicht die Qualität von einigen anspruchsvollen Lesern erfüllt. Die Zeit ist auf ihrer Seite. In 30 Jahren werden Sie zwar überlegter, vorsichtiger und vielleicht angepasster sein. Aber Sie werden nicht mehr jung sein. Es wird ihnen dann an Spontanität fehlen, vermutlich. Man kann nicht alles haben, Kopf hoch, und schreiben Sie weiter frisch drauf los. Es ist ihre Generation, die am Drücker ist. Sie bringen die Welt vorwärts, und nicht ein paar weise Alleswisser, die schon alle Hochs und Tiefs gesehen haben. Aber natürlich, lernen darf man immer. Aber das kann nicht von aussen aufdoktriniert werden. Die Intrinsische ist der einzig wahre Vorwärtsbooster.

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    7. Das Problem, Frau Gregoris: Hätte einer hier Ihren Text als Kommentar gepostet, der Kommentar wäre längst gelöscht.

      Zweierlei Ellen geht nun mal nicht (über das betupfte Getue der «sich ertappt fühlenden» gehen wir elegant hinweg).

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    8. Ich verstehe Sie nicht.
      Wollen sie damit sagen, dass sie es daneben finden, dass wir ihren Text lesen, den Sie nur geschrieben haben, weil Sie halt mussten und darauf hofften dass ihn niemand liest?
      Wollen sie uns Hass vorwerfen, wo ihr Text vor Niederträchtigkeit trieft?
      Wollen Sie uns sagen, dass es wirklich nicht anders möglich war, als über diese Menschen herzuziehen?
      Der Text riecht nach schlechter Laune und Missgunst und das ist es hauptsächlich, was aufregt und nicht die Tatsache, dass er medioker ist.
      Wenn hier jemand Hass verbreitet hat, dann sind Sie das und Sie ernten dafür Früchte des Zorns – wie abgefuckt ist es denn, sich dann auch noch darüber zu beschweren, nachdem man einen Text lang nichts anderes macht als Fremde fertig zu machen?

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    9. Liebe Naomi
      finde ich total cool von dir, dass hier mal ein Kommentar steht der aufzeigt wie solche Artikel zustande kommen und eigentlich die ganzen Dummschwätzer,die sich darüber aufregen, mitverantwortlich sind. Witzig finde ich auch,dass sie somit eigentlich den Inhalt den sie nicht mehr haben möchten, mit ihren Kommentaren sogar unterstützen. Der Artikel wäre eigentlich total spannend wenn dein Kommentar dazu gehören würde. Vielleicht schreibst du einfach eine Analyse dieses Artikels und den Kommentaren als Lückenfüller für das nächste Mal.
      Meine Unterstützung hast du auf jeden Fall 🙂

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    10. Nun ja, man kann alles immer aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Es könnte ja durchaus als gutes Zeichen zu werten sein, wenn ein Shitstorm (wobei anhand der Anzahl der Kommentare wohl eher ein Shitlüftchen) sich ergiesst, sobald die TaWo sich in Vice Gefielde begibt und damit in die Nähe einer absoluten Belanglosigkeit. Das wäre ja dann eher als Qualitätsanspruch zu deuten. Was ich eher bedenklich finde, ist ein journalistischer Anspruch, die Lesenden befriedigen zu wollen. Das ist genau das Problem von heute. Die Logarithmen verteilen diese „PR“ dann schön nach politischer Haltung usw. Journalismus muss unbequem sein, muss Gegebenheiten auf den Grund gehen, muss hinterfragen, anprangern und differenziert sein. Und wenn es einmal ein mittelmässiger Lückenfüller sein muss, dann bitte gerne originell, aber keine tilllate-Watson-Vice-Kolumnen über 30 jährige, für immer junge Drogenkids, deren Generation Y so hip-trendy konservativ ist und auf Kokain Sex in Agglomerationsvorgärten praktiziert.

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  5. Anders als viele Kommentierende hier, empfinde ich diesen Text nicht als überheblich.
    Vielmehr beschreibt er meiner Empfindung nach diesen Moment, in dem einem plötzlich bewusst wird wie absurd, schief und schlicht falsch die Situation ist, in der man (freiwillig) steckt und wie normal dies doch sonst im allgemeinen (vermutlich auch von einem selbst) gesehen wird.
    Es sind diese Kippmomente, in denen man aus dem „Normalen“ herausfällt und erst dann begreift, wie schief es ist.
    Die Autorin hat meiner Meinung nach eine grosse Begabung für solche Beobachtungen.
    Diese Kolumne ist sicher nicht Frau Gregoris stärkster Text, aber hey, es war Montag Morgen früh. 😉

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  6. In Economy ist Easyjet unterdessen besser als manche nationale Fluggesellschaft und hat auch mehr Beinfreiheit. Wer völlig entspannt fliegen will, der fliegt in der Business Class. Das gilt ganz speziell für sogenannte Premium Airlines wie Singapore Airlines, dort ist das Portemonnaie erst recht entscheidend. Wer nicht bereit ist, mehrere 100 CHF für einen Flug hinzublättern, darf auch nicht mehr erwarten. Die schlimmsten Passagiere sind diese Nörgeler…

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  7. Schöner Einblick in die Schnäpchen Jet Set Generation. die halb so alt ist wie ich, und die anscheinend das Wochenende mit billigem Fusel in Berlin durchlebt.
    Easy Living zu Zeiten des Klimawandels. Nach dem Motto, jetzt erst recht!

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  8. Ich bin bestimmt schon Dutzende Male mit EasyJet geflogen und war immer zufrieden mit dem Service. Ihre Schreibweise widerspiegelt für mich einfach eine arrogante und überhebliche Denkweise der Schreiberin. Die Arbeitsbedingungen müssen bei EasyJet ziemlich hart sein; sie haben es nicht verdient so herabwürdigend behandelt zu werden.

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  9. Ich fliege unter anderem auch hie und da mit EasyJet. Das hat auch – nicht nur – mit den Destinationen zu tun, die ich besuchen möchte. Kürzlich – es war das G20- Wochenende mit all den Zumutungen, die wohl mehreren Zehntausenden, wenn nicht Hunderttausenden, die aus Deutschland wegfliegen oder nach Deutschland fliegen wollten, stundenlanges Warten auf Starterlaubnisse abverlangte. Ich wollte von Berlin nach Barcelona fliegen, Freitagabend.
    Was ich dann erlebt habe, habe ich auf FB gepostet. Ich kopiere den Text hier. Und zwar, weil ich es ziemlich daneben finde, wenn man die Crew irgend einer Fluggesellschaft lächerlich macht, wenn man so tut, als sei man irrtümlich in diesen widerlichen orangen Flieger geraten und so weiter.

    Gestern. Heimflug von Berlin nach Barcelona. Mit Easyjet.
    Das Bordingverfahren wurde pünktlich begonnen und pünktlich abgeschlossen. 10 Minuten vor Abflug waren alle Passagiere an Bord auf ihren Plätzen. Die Betreuercrew, eine sehr kommunikative Chefin und drei freundliche Stewarts erledigten die Sicherheitsunterrichtung. Danach geschah nichts. Etwa 10 Minuten nach dem an sich von Seiten der Easyjetflugvorbereitung gut einhaltbaren Fahrplanabflug, der auf 16.50 datiert war, ertönte die Stimme des Flugkapitäns.
    Er erklärte uns „lieben Leuten“, dass alles, was wir und die Besatzung des Flugzeugs unternommen hätten, ok sei. Aber es gäbe keine Abfluggenehmigung. Sie im Cockpit haben von der Flugleitung Mitteilungen erhalten, diese Genehmigung könne in 15 Minuten oder auch in Fünfviertelstunden erfolgen. Natürlich würden sie im Cockpit alles unternehmen, um abfliegen zu können.
    Nach etwa 5 Minuten öffnete sich die Cockpittüre, der Kapitän und der zweite Pilot traten in den Gastraum und erklärten, dass die vielen Kinder an Bord sicher gerne mal die Piloten im Cockpit besuchen würden, aber auch 20jährige und ältere Kinder seien herzlich willkommen. Der Flugzeugraum wurde zu einer Art gut besuchtem Marktplatz, die Crewmitgieder verteilte Wasser, es bildeten sich über die Sitzreihen hinweg Gesprächsgruppen, viele Passagiere, tatsächlich auch viele Kinder besuchten das Cockpit. Auffallend: Kein Gedränge. Auffallend: Viele lächelnde Personen. Eine multikulturelle (diese Wort war hier sehr angebracht) Heiterkeit.
    Ich bin ein so genannter Senior-Vielflieger, vor allem innereuropäisch bin ich in den letzten Jahren jeweils mehr als 50 mal pro Jahr in Flügen unterwegs gewesen.
    Ich habe immer wieder Verspätungssituationen erlebt, einige Male auch schwierige Verhaltensweisen, meist verursacht durch betrunkene Männergruppen. Diese Situationen wurden durch Piloten und Betreuercrews immer professionell erledigt. Aber nie habe ich eine Flugzeugbesatzung erlebt wie gestern jene Easyjetleute, welche den Passagieren das Warten spontan und bewundernswert souverän innerhalb des Flugzeugs zu einer abwechslungsreichen Zeit gestalteten. Nach einer Stunde informierte der Kapitän: Wir können fliegen. Innert kürzester Zeit, es dauerte keine Minute, sassen alle wohl etwas über 200 Passagiere samt den zahlreichen Kindern angeschnallt in ihren Sitzen. Das Flugzeug wurde in die Startbahn geschoben, der Startschub erfolgte unmittelbar und wir flogen.
    Ein wunderbarerer, wenn auch ziemlich verspäteter Flug.
    Der Verspätungsgrund war uns allen ziemlich klar. Der Himmel über Deustchland und den Nachbarländern wurde nach Belieben aus der G20-Inszenierung mit hunderten von Flügen für tausende von Begleit- vor allem wohl „Sicherheitsbeamten“ und von unzähligen Frachtflügen mit Nobelkarossen und gepanzertem Sicherheitszeug beherrscht. Die Bedürfnisse oder auch die Flugrechte von Hunderttausenden Wochenendpassagieren spielten angesichts der Gipfelinszenierung selbstverständlich überhaupt keine Rolle.
    Der Easyjetbesatzung des der Flugnummer EZY4529, (SXF) Berlin Schöneberg nach (BNC) Barcelona (Terminal 2C) für ihren souveränen und ausserordentlich passagierfreundlichen Umgang in einer Situation, die leicht ins total Ärgerlich abgleiten könnte zu danken ist mir wichtig. Es war mein bester und angenehmster Flug seit vielen Jahren.

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    1. Ich verstehe Ihren Beitrag nicht wirklich. Ich glaube, der Artikel handelt von den Zuständen des so genannten „Raubtierkapitalismus“. D.h. immer mehr Menschen leben unter immer schlechteren Lebensbedingungen und versuchen krampfhaft, hoch zu kommen oder zumindest nicht weiter abzusteigen. So lange man in diesem vorherrschenden System die Illusion der Gleichberechtigung unter Zuhilfenahme von ökonomischer Repression und unter Missbrauch von Bedürfnissen aufrechterhalten kann (und muss), rentieren und existieren solche Businessstrategien wie EasyJet. Der Artikel handelt m.E. vom extremen Gegensatz zwischen harter Realität und dieser riesigen aggressiven Illusionsmaschine, und dem Umstand, dass man in verschiedenen Graden Teil davon ist, immer wieder versucht, hinauszukommen und trotzdem immer drin bleibt, und dabei zum „Täter“ oder „Mittäter“ wird, obwohl man das gar nicht will und dabei genau das weiss.

      Und es ist ja nicht so, dass man mit EasyJet (und anderen Betreibern) und Vielfliegerei das Klima rettet. EasyJet würde gar nicht rentieren, würde beispielsweise Flugzeugtreibstoff nicht subventioniert werden. Einige machen ja Witze, dass es viele ambitionierte Menschen gäbe, die mit EasyJet nach London zu einem Vortrag eines Starwissenschaftlers fliegen, der dort erzählt, wie das Klima zu retten sei. Mittlerweile versucht man dasselbe Businessmodell mit Interkontinentalflügen. Ich habe auch einmal gelesen, dass die Verantwortlichen bei Ryan Air darüber nachdenken, Billigflüge mit Stehplätzen anzubieten. Würde der reale Preis für einen solchen Flug bezahlt werden, hätten die Stewards auch eine „schönere Uniform“ und der „Kaffee“ wäre besser.

      Und viele EasyJet-Flieger (und sonstige Vielflieger) waren vermutlich unglaublich erzürnt, als Donald „The Donald“ Trump sich vom Klimaabkommen verabschiedet hatte.

      Die TW hat ja gerade eine Bildstrecke mit Opfern des Klimwandels publiziert.

      Ich lese den Text der TW-Autorin also ganz anders und verstehe Ihre Kritik und die Kritik einiger anderer Foristen so gar nicht.

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    2. Man muss schon mit dem Rasterelektronenmikroskop suchen, um solch eine Kritik in diesem Bericht zu finden.

      Es ist einfach einmal Frust abladen aus einer überheblichen Sichtweise heraus. Nichts Anderes. Auf Banerth-Niveau.

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    3. @Blaumeise:
      Vielen Dank, mir geht’s genau wie Ihnen.
      Die Billigfliegerei zu hinterfragen ist wirklich mehr als angebracht.
      Zudem empfinde ich die Kritik an dieser Kolumne bei den meisten Kommentierenden als sehr gehässig und destruktiv, was ich angesichts dessen, das es kaum je einen Kommentar auf Frau Gregoris andere Texte gibt, nicht nachvollziehen kann.
      Offenbar wurde hier bei manchen an einer persönlichen wunden Stelle gekratzt.
      Vielleicht sollten diejenigen, die ein solcher Text derart in Rage versetzt, mal überlegen, was das mit ihnen selber zu tun hat.

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    4. Ist es möglich, dass Sie den Text von Frau Gregoris einfach uminterpretieren, um ihre von allen Zweifeln an Systemen und deren Bedingungen befreite Beschreibung des nach oben oder irgendwo seitwärts strampelnden zeitgenössischen Menschen in die Diskussion einzubringen? Ihre Bemerkungen sind Diskussionsstoff. Allgemeinen Diskussionsstoff durchaus. Auch für jemanden wie mich, der seit einiger Zeit häufiger herumfliegt als früher in seinem Leben.

      Frau Gregoris beschreibt aber etwas anderes: Offensichtlich ziemlich junge Leute, welche direkt aus dem „Berghain“ kommend, wo sie 30 oder mehr Stunden Party verbracht haben, an die Uni oder sonstwohin in Basel fliegen. Die Wochenendparty-Berliner.
      Eine bekannte Grössenordnung im Tourismusangebot von Berlin. Und natürlich darf da die Erwähnung des „Berghain“ nicht fehlen. Die Autorin zeigt sich als Insideriwsserin.
      Mit EasyJet hat das, wenn schon, allenfalls nur sehr am Rande tun. Es gibt auch andere Montagmorgenflugangebote aus Berlin, etwa nach Zürich, welche die genau gleiche Bestuhlung aufweisen wie EasyJet, aber bedeutende teurer sind.
      Über das Klatschen. Woher das kommt ? Das erste Mal erlebt habe ich es in Europa, nachdem der Kopilot eines Fliegers seinen erweiterten Suizid in den französischen Alpen beging und dabei sehr viele Menschen tötete. In Lateinamerika wird immer geklatscht, sobald ein Flieger landet. Immerhin sind Landungsmanöver für Piloten durchaus eine Herausforderung. Natürlich eine professionell zu handhabende. Sich über das erleichterte Klatschen von Flugpassagieren lustig zu machen finde ich etwas billig. Und die dicken Arme des Sitznachbarn!
      Was soll mir etwa der folgende Satz sagen: „Dem Anzugträger vorne rechts reichen die klassischen Snackvariationen nicht. Er gönnt sich eine stärkende Tomatensuppe. Für Bloody Mary seis noch ein bisschen zu früh, scherzt er mit der Flight Attendant. Die lächelt gequält. Schön an den Kopenhagen-Flug denken.“ ?
      Man wird meiner Ansicht nach dem, was man allenfalls an einem System zu kritisieren hat, nicht gerecht, wenn man dazu eine Darstellung wählt, die einen Artikellang Personen, Mitpassagiere, lächerlich zu machen versucht.

      Von dem, was Sie diskutiert haben wollen – und was meiner Ansicht nach sehr wohl diskutierbar ist – , ist das Welten entfernt.

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    5. Nein, Herr Hürlimann, überhaupt nicht, ich lese ihn so, wie ich ihn lese. Aber viele Ihrer Generation (natürlich nicht alle) kennen alltägliche Existenzängste und weitere Formen von struktureller Gewalt nur vom Hörensagen. Und wissen Sie, mit Reden und Feuilletongesprächen verändert man die Welt nicht.

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    6. Echt jetzt Huerlimann! Sie scheinen noch stolz zu sein auf ihre jährlichen über 50 Flüge. Noch vor ein paar Tagen haben sie hier über nachhaltige Mobilität schwadroniert und wollten den regionalen Pendlern das Auto verbieten. Ich würde es dringend einmal mit Selbstreflektion versuchen!

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  10. Sie scheinen noch eine Schublade niedriger zu sitzen als ihre Mitflieger, wenn Sie so einen Artikel verfassen. Er scheint mehr über Sie auszusagen, als über die anderen Leute an Bord.
    Kolumne schön und gut, aber das hier liest sich wie der Leserbrief meiner Grossmutter, die sich über lärmende Jugendliche beschwert.
    Über solche Dinge kann man sich bei seinen Freunden auslassen, hier wirkt es peinlich.

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  11. …und warum war die Autorin auf diesem Flug gebucht?
    Reine journalistische Neugier?
    Ich hoffe dies ist nicht der neue TaWo Stil, denn den beherrschen andere viel, viel besser…..

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  12. Was für ein peinlicher Bericht auf Watson-Niveau.

    Peinlich, kleinlich, prolig.

    Man hat das Gefühl, die Schreibende sieht/fühlt sich als etwas Besseres als ihre Mitreisenden. Die Frage ist berechtigt: wer soll/will für so etwas bezahlen? Aber es passt ins Bild der aktuellen Crew: was nicht dem persönlichen Bild passt oder Einstellung, das wird von oben herab be- und verurteilt. Peinlich. Aber tief blickend.

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    1. Watson schreibt besser. Und im Zweifelsfall übernehmen sie Artikel vom Spiegel oder anderen.

      Ich bin schon einige Male Easyjet geflogen, auch so eine Pendlergeschichte von Basel nach Amsterdam (wenn der Flug über das Wochenende zur Familie sogar günstiger ist als das Hotel vor Ort) und kann die Ausführungen oben in keinster Art und Weise nachvollziehen.

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    2. @George
      Sie haben schon recht
      Erstens ist es fraglich ob solch ein Schwachsinn in einer Zeitung, die den Anspruch hat ein etwas besseres Niveau zu haben, erscheinen soll?
      Was Sie aber zu Recht anprangern, die Be- und Verurteilung, machen Sie ja in Ihrem Beitrag auch, wo ist denn der Unterschied?

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    3. Ich beurteile ihr Geschreibsel und ihre herablassende Sicht auf ihre Mitpassagiere. Ich setze mich nicht höher und sage, ich sei etwas Besseres.

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  13. Die Sommerloch-Redaktion ist auf gutem Weg das Motto der neuen Leitung umzusetzen. Radikal. Kurz. Der Rest ist Schall und Rauch.
    Wer irgendwann dafür noch bezahlen will?
    Die potentiellen LeserInnen/ZahlerInnen müssen vermutlich noch erfunden werden.

    »Wir werden radikaler. Unter diesem Motto wurde das neue Inhaltskonzept erarbeitet: Entweder halten wir unsere Beiträge kurz oder wir investieren unser journalistisches Können und viel Zeit in ausgewählte Geschichten. Unsere Unabhängigkeit erlaubt es uns, kritischer, direkter, ehrlicher zu sein und damit eine Lücke zu füllen«. Sibylle Schuerch / 26.06.2017

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