Nach langem Kampf wird abgerissen

Die Rosentalhäuser hinter dem Messeturm werden abgerissen. Die Abbruchmaschinen setzen den Schlusspunkt nach einem jahrelangen Kampf zwischen Mieterverband, Besitzer und Regierungsrat.

Die Rosentalhäuser werden abgerissen.

(Bild: MV Basel 1891)

Die Rosentalhäuser hinter dem Messeturm werden abgerissen. Die Abbruchmaschinen setzen den Schlusspunkt nach einem jahrelangen Kampf zwischen Mieterverband, Besitzer und Regierungsrat.

Mit einem empörten Aufruf wendet sich der Basler Mieterinnen- und Mieterverband (MV) an die Medien: «Beschädigte Demokratie», titelt der Absender. Es ist offensichtlich: Die Nachricht, dass die Rosentalhäuser definitiv abgerissen werden, ist mehr als nur eine Vollzugsmeldung.

Die Häuser an der Rosentalstrasse 9 bis 13 wurden für den Verband zum Symbol für den Kampf um bezahlbares und soziales Wohnen. Entsprechend legten sich die Verbandsvertreter 2002 ins Zeug, als die Bevölkerung in einer Abstimmung gefragt wurde, ob die Gebäude abgerissen werden sollen.

Die Stimmenden sagten «Nein» und retteten die Rosentalhäuser. Vorerst. Dass nun doch abgerissen und neu gebaut wird, empfinden die Vertreter der Sieger von 2002 als Missachtung des Volkswillens.

Bürogebäude mit Wohnfläche

Besitzerin der Häuser, die neben dem Messeturm und der «City Lounge» wie ein Relikt aus einer anderen Zeit wirken, sind die «Zurich Versicherungen». Sie planen seit längerem einen Neubau.

Der Grosse Rat bewilligte 2011 den Bebauungsplan für ein Bürogebäude, das anstelle der Rosentalhäuser gebaut werden sollte. Angeregt wurde jedoch auch ein Wohnteil im Gebäude. Die neue Wohnfläche sollte die wegfallenden Wohnungen ersetzen. 

Die Eigentümerin kündigte in der Folge den Bewohnern – davon einige in sehr hohem Alter – die Mietverträge. Der Mieterverband forderte vor der Mietschlichtungsstelle eine um vier Jahre verlängerte Kündigungsfrist. Die Beschwerde wurde zwar abgewiesen, aber eine Kündigungsfrist bis Ende 2014 vorgeschlagen.

Wahlkampf aus dem Jahr 2002: Das Verbotsschild konnte die Bagger einige Jahre aufhalten. Nun fahren sie aber auf.

Wahlkampf aus dem Jahr 2002: Das Verbotsschild konnte die Bagger einige Jahre aufhalten. Nun fahren sie aber auf. (Bild: Sebastian Wirz)

So standen die Häuser ab 2014 leer, gebaut wurde aber lange Zeit nicht. Der Leerstand war dem Mieterverband ein zusätzlicher Dorn im Auge. Im Juni machte er sich in einer Medienmitteilung Luft. Bezahlbare Wohnungen stünden leer und die Polizei zweckentfremde Wohngebäude für «heimliche polizeiliche Übungen». Dabei sei ein Gebäude beschädigt worden, vor allem bei Übungen mit Hunden.

Die Bagger fahren auf

Grossrätin Patrizia Bernasconi verlangte vom Regierungsrat Antworten und die Überprüfung von «enteignungsähnlichen Massnahmen». Der Regierungsrat antwortete, dass er den Schutz des Eigentums respektiere und es nicht die Aufgabe des Kantons sei, einzuschätzen, ob eine Zwischennutzung oder Ähnliches sinnvoll sei. Dass sich der Baustart verzögere, sei bei einem Bauprojekt dieser Grössenordnung üblich.

Nun fahren die Bagger tatsächlich auf – 12 Jahre nachdem das generelle Baugesuch für ein Bürogebäude eingereicht worden war. Mit dem Abriss endet ein jahrelanges Ringen um die Rosentalhäuser. Wenn man bei der Symbolik des Mieterverbandes bleiben möchte, ist ein weiterer Rückschlag gegen das sozialen Wohnen endgültig Tatsache geworden.



Die Rosentalhäuser werden abgerissen.

Die Rosentalhäuser werden abgerissen. (Bild: MV Basel 1891)

Konversation

  1. Rumheulen, wenn es nicht passt, feixten, wenn es passt. So etwas kenne ich nur von der SVP und so sollte es auch bleiben. Wenn das Volk betreffend internationalen Arrangements entscheidet, dann wird von den Menschenrechten bis internationaler Usanz alles herbeigezogen. Dann sind die Schweizer Bünzlis und Borderlinepegidisten.

    Damit müsst ihr nun leben. Freier Kapitalfluss, freier Menschenfluss, freier Betonfluss. Ihr habt die Politik entthront, es lebe der neue König. Von Anfang an hätte schlichtes Geld das Problem lösen können. Wieso wollt ihr hier wohnen, wenn drüben, 1km entfernt eine schöne neue Eigentumswohnung bereitsteht, zum Vorzugspreis von 50’000, der Rest ist bezahlt?

    Bestechung! Oder Vernunft? Der Rechtsstreit hat sicher so viel gekostet, wie der Bau eines neuen Mehrfamilienhauses irgendwo in Riehen, Kleinhüningen oder Münchenstein.

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