Neue Dienstleistung für «Basels Lieblinge»

Novartis-Mitarbeiter haben neuerdings noch einen Grund weniger, das Areal zu verlassen. Am Freitag wurde ein Passbüro auf dem Campus eröffnet.

Ein kleines, unscheinbares Passbüro. Hier sind Novartisangestellte künftig für sich. (Bild: Nils Fisch)

Novartis-Mitarbeiter haben neuerdings noch einen Grund weniger, das Areal zu verlassen. Am Freitag wurde ein Passbüro auf dem Campus eröffnet.

Der Novartis Campus, «die Stadt in der Stadt», wie es so oft heisst. Tatsächlich gibt es immer weniger, worauf die Angestellten an ihren Arbeitstagen verzichten müssen. Ein neuer Schalter auf dem Campus bietet nun Dienste aus dem Migrationsamt, dem Einwohneramt und dem Passbüro an. Er ist jeweils dienstags und donnerstags geöffnet. Genutzt werden kann er nur von Mitarbeitenden der Novartis Basel. Ein Blick auf das exklusive Dienstleistungsbüro wird zum Anlass der Eröffnung auch Medienvertretern gewährt.

An der Pressekonferenz sind Pascal Brenneisen, der Präsident von Novartis Schweiz, und die Sicherheitsdirektoren der beiden Halbkantone, Isaac Reber und Baschi Dürr, anwesend. Die Begeisterung, die das Trio für das neue Passbüro an den Tag legt, scheint gross. So sagt etwa Reber: «Es ist ein ungewöhnlicher, schweizweit einzigartiger Weg – aber es ist ein Weg, der es wert ist, einmal gegangen zu werden.»

Die Idee kam von der Novartis, und ist bei der Regierung auf offene Ohren gestossen. Es sei besonders für einen internationalen Konzern von Vorteilen, wenn sich Dienstleistungen so nahe wie möglich befinden. Die 7500 Mitarbeitenden der Novartis Basel haben zu 30 Prozent «internationales Flair», wie Brenneisen das Wort «Ausländer» umschreibt. Die neue Dienstleistung mache den Standort für ausländische Bewerber besonders attraktiv.

Es sei ein Pilotprojekt. Nach einem Jahr sollen die Erfahrungen mit dem internen Schalter ausgewertet werden. Ähnliche Modelle kämen auch für weitere Grosskunden infrage.

Die restliche Bevölkerung werde nicht vernachlässigt

Als das Passbüro im Juni angekündigt wurde, sei ein gewisses Ungerechtigkeitsempfinden in der Bevölkerung wahrgenommen worden. Vielen Leuten gefiel die Vorstellung nicht, dass ein exklusiver Passschalter eröffnet wird, während die breite Bevölkerung sich weiterhin im Spiegelhof die Beine in den Bauch steht. Dürr versichert, dass auch die Anliegen der anderen Bürger nicht zu kurz kommen. «Die Zeiten des mühsamen Schlangenstehens sind vorbei. Wir haben auch die Schalter in der Stadt und in Baselland ausgebaut und konnten die Wartezeiten dort spürbar verringern.»

«Wir sehen uns als Dienstleister», betonen die beiden Sicherheitsdirektoren vermehrt. Bürger müssten heute nicht mehr beim Staat an die Türe klopfen, um beachtet zu werden. Der Staat bringe die Dienstleistungen direkt zu den Leuten.

Die Frage wird aufgeworfen, was mit den Quartieren sei. Der Weg zum Spiegelhof, zum Beispiel aus dem Gundeli, sei oft sogar länger als vom Campus aus. Seien dort ebenfalls zusätzliche Schalter geplant? Momentan habe man keine weiteren Projekte im Sinne, sagt Dürr, «wenn aber irgendwo ein konkretes Bedürfnis geäussert wird, sind wir durchaus offen».

«Komfortable» finanzielle Situation

Allerdings sei es mitunter eine finanzielle Frage, ob ein zusätzliches Passbüro umsetzbar sei. Im Fall der Novartis sei man in einer finanziell besonders «komfortablen Situation», denn das Projekt verursacht für den Staat keinerlei Zusatzkosten. Die Einrichtung des Schalters sei komplett von der Firma bezahlt worden. Der Staat muss lediglich für die Angestellten bezahlen, die allerdings nicht zusätzlich sind, sondern vom Passbüro im Spiegelhof auf den Campus verlagert werden.

Visuell ist das Büro nichts besonderes – im Gegensatz zu anderen architektonischen Einrichtungen auf dem Campus. «Es ist nur ein kleines, unspektakuläres Büro», sagt Dürr, «doch es steckt viel mehr dahinter – es ist ein Beispiel für die weitreichenden Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Staat und Wirtschaft».

Konversation

  1. Auf lange Sicht würde Basel besser fahren, Genossenschaften, Nonprofitmodelle und Unternehmen zu stützen, denen es noch wirklich um die Bürger geht und nicht um Geld von den Bürgern nach oben zu saugen.

    Man denke sich nur die Milliardengewinne, die allein Novartis macht auf Kosten der Bürger hier bei uns und überall auf der Welt.
    Dagegen ist es wahrscheinlich nur ein Klaks, was die an Steuern abgeben im Verhältnis zu den Kosten die uns Bürgern entstehen, indem wir die Gewinne helfen in astronomische Höhen zu treiben.

    Danke Empfehlen (0 )
  2. um all den novartis-mitarbeitenden mit ‚internationalem flair‘ noch etwas mehr entgegen zu kommen, schlage ich vor, dass wir einen teil der altstadt, der mittleren brücke, des münsters und des marktplatzes auf den campus verlegen. wir wollen doch nicht, dass die ‚international geflairten‘ sich womöglich noch blasen an den füssen holen, weil sie einen blick in die stadt werfen möchten.
    als alternative schlage ich vor, im klybeckquartier ebenfalls ein neues passbüro zu eröffnen, wir haben hier einen erfreulich grossen strauss an ‚internationalem flair‘, der nach wie vor das tram, velo oder die eigenen füsse benutzen muss bis zum spiegelhof.
    ruth marx

    Danke Empfehlen (0 )
  3. ich schlage vor, baselland links(!) liegen zu lassen und mit der novartis zu fusionieren.
    dies wäre wahrhaft ein beispiel für die weitreichenden möglichkeiten der zusammenarbeit von staat und wirtschaft.

    Danke Empfehlen (0 )
  4. Machen wir uns doch nichts vor, ja? BS lebt seit bald 100 Jahren mit und von der Chemie! Ohne die Chemie-Giganten wäre BS eine ganz arme Stadt. Wir hätten wohl viel weniger Einwohner als heute, das stimmt auch so.Dass jetzt auf dem Campus ein Passbüro offen hat, ist nötig und praktisch für die vielen ausländischen Angestellten, die teilweise bloss 6 Monate in BS/BL/AG/SO wohnen und dann wieder in ihre Herkunftsländer zurückreisen. Also, ein Auge zudrücken, was solls. Mich störts nicht, dass ich zum Spiegelhof pilgern muss, wenn ich einen Pass/ID will.

    Danke Empfehlen (0 )
  5. Weiszumachen, ein solches Vorgehen stärke den Wirtschaftsstandort, klingt nach Märchen. Ich sehe nicht ein, warum intelligente Expats es nicht fertig bringen sollten, sich wie „normale“ Menschen mit Migrationshintergrund in die Stadt in den Spiegelhof begeben zu können! Von „normalen“ MigrantInnen mit weniger Schulrucksack wird allerlei gefordert: Integration, Sprache, Anpassung und vieles mehr! Aber die Expats hätschelt man, sie brauchen kein Deutsch zu lernen, können im Campus in die Bibliothek, zum Einkaufen, ins Fitnesscenter etcpp. Man könnte meinen, das Gastland Schweiz ist aussätzig. Und die Ausrede, Expats würden ja wieder wegziehen, zieht bei mir nicht. Einerseits gibt es Expats, welche bleiben, weil sie plötzlich entdecken, dass es hier auch schön ist. Andererseits wäre es höflich und respektvoll dem Gastland gegenüber, sich nicht abzuschotten, auch wenn man nur ein, zwei oder drei Jahre hier wohnt.

    Danke Empfehlen (0 )
  6. Wer immer noch glaubt, Novartis sei an der Integration aller ihrer Mitarbeiter „mit ausländischem Flair“ interessiert, glaubt an Märchen!
    Das ist diesen Mitarbeitern auch nicht übel zu nehmen. Nur den PolitikerINNEN, die sowas verbreiten! Gut ist immerhin, dass viele nicht „wandern“ müssen zwischen Wohnung und Arbeit…
    Im übrigen hatten wir das schon mal in kleinerem Rahmen, nämlich als die Landschäftler in die Stadt gekommen sind, um Arbeit zu finden. Dafür hat man damals Vorortsbahnen gebaut.

    Danke Empfehlen (0 )
  7. Da wollte man uns doch erst noch weismachen , dass möglicherweise im Kleinbasel oder im Gundeli eine für die Integrationsbemühungen des Kantons ungünstige Parallelgesellschaft entstehen könnte. Dabei haben wir sie längst auf dem Novartis-Campus !

    Danke Empfehlen (0 )
  8. Wenn die Angestellten ausgelastet sind, als wie wenn sie im Spiegelhof arbeiten würden, dann ist das doch eine gute Sache.

    Danke Empfehlen (0 )
  9. Jetzt hat die Novartis bald alle Dienstleistungen eines Staates.
    Nun kann sie gelassen der 1:12 Initiative entgegensehen. Sollte diese angenommen werden, muss sie nur noch den Staat Novartis auf dem Gelände ausrufen und die Initiatife gilt für die Novartis nicht mehr.

    Danke Empfehlen (0 )
Alle Kommentare anzeigen (10)

Nächster Artikel