Schickt die No-Billag-Initiative ins Dschungel-Camp!

SVP, Medienvermarkter und Verschwörungsfuzzis wollen die SRG mit 180 gegen die Wand fahren. Und wir sitzen auf dem Beifahrersitz.

Hört auf Rickli, sagt Ja zu No Billag. Oder doch lieber nicht? (Bild: Montage: Hans-Jörg Walter)

Wisst ihr was? Ich brauch das alles auch nicht wirklich.

Ich brauche keine von Sven Epiney oder Christa Rigozzi moderierten Live-Sendungen, ich brauche keine SRF3-Charts, kein «Jeder Rappen zählt», kein «Glanz und Gloria», kein «Zambo». Keine inszenierten Musiksendungen, keine «SRF bi de Füdlibürger», keine «Landfrauenküche».

Keine Tagesbefindlichkeiten, keine gutgelaunten Moderatoren, keine abgelesenen Moderationen und keine Spiele, bei denen irgendwelche Witzbolde anrufen können.

Mir persönlich würde es reichen, würde man das Programm von «Virus» in Topform und die zu Randzeiten verdammten Specials von SRF3 mit einer Prise SRF2 über die ganzen 24 Stunden spreaden.

By the way: Ich will mein DRS zurück.

Ich schaue die «Arena», um mich zu enervieren.

Ich brauche keine Umstrukturierungen, keine Intermedialität oder wie sich das nennt. Keine Chats, keine Zuschauer-Einbindungen – nichts. Fernsehen ist eh gestorben. Die Musik spielt im Web und auf Netflix. Für Filme gehe ich ins Kino. Ich brauche auch keine Influencer, Youtuber oder Instagram-Stars, die im Fernsehprogramm ein Format kriegen. Denn sie verlieren es dadurch.

Ich schaue die «Arena», um mich zu enervieren, Doks und «Reporter», um mich zu infotainen, und die «Sternstunden, um mich intellektuell zu überfordern. Eine geile Late-Night wär toll. Props an Dominic Deville, aber ich will mehr. Oder besser gesagt: weniger.

«Giacobbo/Müller» auf Crack

Ich möchte so eine Show in der Kneipe, wo der schwierige Gast ein Glas Whiskey ins Publikum schmeisst und der Moderator einen Penis-Helikopter performt, bevor eine Death-Metal-Band auf Kinderinstrumenten und MDMA ein Lied von Francine Jordi verhunzt.

Ich möchte eine Gastro-Sendung namens «Besoffen kochen» – der Titel ist selbsterklärend. Ich möchte, dass in der Diskothek auf DRS2 zwei junge Beatbastler drei Stunden über die Snare-Sounds von J Dilla sinieren. Ich möchte, dass Hazel Brugger, Gabriel Vetter und Renato Kaiser sämtliche News-Formate moderieren und sich ständig alle fragen «Dürfen die das?».

Ich möchte jeden Tag «Samstag Nacht» mit einer Lara Stoll auf Tollkirsche. Ich möchte Kindersendungen und Märchenstunden, bei denen Alfred Hoffman sich im Grab umdreht. Ich möchte «Giacobbo/Müller» auf Crack. (Entschuldigt all die Drogen-Eskapaden, aber ich bin überzeugt, dass es in der Schweiz weniger Drogensüchtige gäbe, wäre das TV- und Radioprogramm ein gröberer Trip.)

Ich will, dass Fai Baba eine Zwölf-Stunden-Performance auf DRS3 spielt. Ich will nie wieder eine Sendung moderieren müssen, in der eine Redakteurin, die privat Helene Fischer hört, sich zusammenfantasiert, wie sich Schweizer Rapper so in ihrem Studio verhalten. Ich will keinen einzelnen Jingle aus dem Hause Hitmill mehr hören.

Für Blocher wäre es cool, wenn die SRG weg wäre – kaufen kann er sie ja nicht.

Aber ich akzeptiere, dass es nicht so ist. Ich bin froh um die SRG. Auch wenn ich die gesamten oben reingeschmuggelten Substanzen in einer konisch verzwirbelten «Weltwoche» rauchen würde, möchte ich nicht ins gleiche Horn blasen wollen wie diese krankhaften #nobillag-Schreier. Denn die Alternative ist mit dem Bachelor auf der Love-Island einen ledigen Bauern suchen, auch wenn dir neoliberale Gschäftlimacher etwas anderes erzählen wollen.

Ich moderiere lieber mit Christa Rigozzi und Sven Epiney drei Stunden lang «Hopp de Bäse» auf dem Dorfplatz in Mettmenstetten, bevor ich mir auch nur noch einmal einen grenzdebilen Bauernlümmel anschaue, der ein Mèche-geplagtes Conny küsst.

Für den «Bachelor» verwende ich gar keine Wortkreationen. Ich beschränke mich auf pure Verachtung – nichts ist lustig daran, nur alles sehr traurig, mit einem selbstmörderisch hohen Fremdschäm-Faktor. 

Und ich meine damit nicht einmal die Protagonisten, sondern die verabscheuenswerten Redakteure, die diese armen Exhibitionisten den Lachern zum Frass vorwerfen. Abgeschaut in Deutschland, wo seit fast 20 Jahren grosse Produktionsfirmen geistig Minderbemittelte für 200 Euro Gage in Talk- und Realityshows zur Sau machen und dafür Millionen an Werbegeldern einnehmen.

https://tageswoche.ch/form/kommentar/wie-srf-gegner-mit-srf-reich-werden-wollen/

Aber nur zu, schafft die Billag ab. Hört auf Nathalie Rickli, der es ja so wichtig ist, dass die Bürger nicht Geld ausgeben müssen für einen unnötigen Service public. Oder geht es am Ende darum, dass sie selbst mit Goldbachmedia Gold macht? Goldbachmedia, die ihr Geld mit Werbeplatzierung auf privaten Medien macht. Private Medien sind die direkten Profiteure einer Attacke auf die SRG – so ein Zufall. Und da lese ich, Rickli verlasse Goldbachmedia per Ende Jahr, um sich im Bereich Kommunikation selbständig zu machen – noch so ein Zufall.

Oder hört auf No-Billag-Mitinitiant Olivier Kessler und seine Verschwörungs-Fantasien. Als er die neulich vor der Anti-Zensur-Koalition des Sektenführers Ivo Sasek präsentierte, hat das Publikum frenetisch geklatscht.

Oder hört auf die SVP. Wobei die sich ja hüten wird, das SRF abzuschaffen. Wen sollte sie sonst der linken Hetze bezichtigen, wenn mal wieder kritisch über eine ihrer populistischen Initiativen berichtet wird. Gut, für Blocher wäre es schon cool, wenn die SRG weg wäre – kaufen kann er sie ja nicht.

6000 arbeitslose SRG-Mitarbeiter

Fun Fact: Dieselben Menschen, die Schweizer Waffenexporte mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen legitimieren, nehmen jetzt 6000 potenziell arbeitslose SRG-Mitarbeiter in Kauf. Denn nicht nur Epineys und Rigozzis Jobs sind gefährdet, sondern auch das Einkommen von zig kleinen, feinen Radiostationen und Medienschaffenden.

Im Ernst, Leute: Schickt diese Nonsense-Initiative ins Dschungelcamp. Ein Auto, dessen Blinker hinten links nicht mehr funktioniert und bei dem die Gurten klemmen, bringt man zum Mechaniker. Man fährt es nicht mit 180 gegen eine Wand, während man drinsitzt.

Also setzen wir alle oben zusammengesponnenen Formate um, und ihr dürft noch weitere Schnapsideen einsenden. Entweder in die Kommentarspalte oder an: schönwärs@umlauteinemailadressengibtesnicht.ch.

Danke.

Konversation

  1. Viele Vorlagen, über die wir Stimmbürger zu entscheiden haben sind etwas unausgegoren, aber diese No Billage-Inititative dürfte so in etwa der grösste Schmarren sein, über den wir Schweizer je abzustimmen hatten.

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    1. nein, ich glaube da gabs in den letzten 10 Jahren ähnlich schlimme Vorlagen.
      Gefährlich ist, dass wenns ums eigene Kässeli geht, schnell Leute gefunden werde, die das auch noch unterstützen – nur um danach indirekt später noch mehr zu bezahlen.

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  2. Ich kritisere die SRF oft, finde vieles nicht gut; ich hasse es den Billag-Beitrag zu zahlen, schaue schon lange nicht mehr TV. Und trotzdem werde ich die Initiative ablehnen. Ich bin nicht bereit das Fernsehen ganz den Privaten zu überlassen, und ich halte den „service public“ für richtig und wichtig. TV und Radio in vier Sprachen gibt’s nicht gratis. Auf welche Sendungen ich verzichten könnte, das lasse ich mal weg.

    Dass die Tageswoche – welche vor kurzem noch quasi zu Spenden aufgerufen hat – dieses wichtige Thema ausgerechnet Knackeboul überlässt, das finde ich gelinde gesagt speziell. Knäcks Texte wirken auf mich oft, als ob ein Affe auf Fliegenpilz in die Tasten gehauen hätte. (sorry, Knäck, den konnte ich mir nicht verkneifen. Aber Journalismus geht anders …)

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    1. N.Z@Sie sind doch sehr totalitär. Freiheit ist:“wenn ich tue was Sie für richtig halten“. Dankeschön

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  3. Der Text ist mir zu negativ. Vielmehr sollte darüber gesprochen werden, warum es die SRG und damit die aktuelle Billag-Gebühr überhaupt gibt, was ihre Aufgaben sind, welche Auflagen sie erfüllen muss und was die Bedingungen sind, die die vielen privaten Radio- und TV-Stationen erfüllen müssen, um ebenfalls Billag-Unterstützung zu bekommen.

    Das 6000 Leute und viele Hundert in den besagten privaten Radio- und TV-Stationen den Job verlieren ist wohl klar – das ist das Ziel dieser Initiative. Den Initiaten geht es vermutlich nicht darum 400 Franken im Jahr zu sparen. Breitbart und Fox-News aus den USA lassen grüssen. Die SRG unterstützt aber mit ihrem Verhalten indirekt diese Initiative.

    Wenn die SRG sich darauf konzentrieren würde, weshalb sie gegründet wurde, dann werden vermutlich 3 deutschsprachige Fernsehstationen nicht nötig sein, sondern weniger. Und damit die Gebühren auch nochmal deutlich sinken. Ausserdem müsste die SRG und viele Andere endlich mal Klartext darüber sprechen, warum es die SRG gibt, welche Bedingungen sie erfüllen muss und warum die Alternative, alles ausschliesslich privatwirtschaftlich regeln zu wollen, vermutlich nicht funktionieren wird.

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    1. Es bestand nie eine Notwendigkeit, dass die SRG sich im Internet breitmacht. Die klassischen Übertragungswege via Funk und Kabel haben völlig ausgereicht.

      Sich jedoch im Netz breitmachen, um dann im Nachgang durchzusetzen, dass nun auch all diejenigen, die einen Internetanschluss nutzen, gebührenpflichtig sind, lässt die SRG jegliche Sympathie verlieren.

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    2. Also ich schaue TV und höre Radio beinahe ausschliesslich über Internet. Ob das auf dem Handy oder auf einem anderen Gerät ist – jedenfalls immer übers Internet. Deshalb finde ich es auch richtig, dass ich trotz fehlendem TV Anschluss Zuhause diese Gebühr bezahlen muss. Ausserdem bin ich Knackeboul’s Meinung, dass die Annahme der Initiative, trotz einem Grossteil an Schrott bei der SRG, eine Armutszeugnis für die Schweiz bedeuten würde.

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  4. Ojeminee… selten so entäuscht über die Idee, auf dem „NO Billag“ -Initiativ-Weg die Programme der SRG/SRF abzuschaffen. Empört über die Argumente. Es sei ein Staatsfernsehen das vorschreibe. Blödsinn, natürlich, und die Initianten wissen das auch. Ich kenne kein Land in Europa das kein Staatsradio/Fernsehen oder Sender mit staatlichem Auftrag betreibt. Es gehört zu einem demokratischen Land einfach dazu. Da die Gebüren in Zukunft über ein anderes Büro erhoben wird, das nicht mehr Billag heisst, ist die Initiative sowieso ein Witz. Wir brauchen eine SRG SRF… und wie die Sender alle heissen. Keine Diskussion. Die einzige Kritik an der SRG in diesem Fall: Warum wurden der SVP so viele Plattformen geboten, um ihre Ideen und „Gedankengut“, wie sie es nennen würden, in der ganzen Schweiz, zu versenden. Unter dem Gebot der Mehrheitsfähigkeit wurde gegen Ende der 90er Jahre, der amtlich bewilligte Störsender DRS 3 zurückgestutzt und mit „Eppiney‘s“ ersetzt. Dänu Boemle, Markus Wicker, Franziska Oliver und wie sie alle hiessen, verschwanden schleichen aus der Radiolandschaft. Eine Entwicklung richtung Selbstboykott. Wir müssen alle Anständig sein, sonst hat man uns nicht mehr lieb, so schimmerte es dann durch den Aether. Jetzt müssen wir den Müll auflesen und den Scherbenhaufen zusammenwischen. Die Mehrheitsfähigkeit darf nicht die Legimitierung sein, um eine staatlich beauftragten Sender zu betreiben. Dass muss diskutiert weden, wenn die SRG/SRF diese Abstimmungskroteske überlebt. Ich hoffe sehr, dass wir dann noch einen Grund dazu haben.

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  5. Möge der verfassungsrechtliche Pfusch (Einführung einer de-facto-Steuer getarnt als „Haushaltsabgabe“) dem Politikbetrieb um die Ohren fliegen!

    Möge es auch den Medienschaffenden um die Ohren fliegen, die ihre angebliche Aufgabe als „Vierte Gewalt“ anno 2015 so sträflich vernachlässigt haben.

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  6. Schweizer Firmen, die im Export tätigt sind, werden nicht über Zwangsgebühren finanziert sondern über die verkauften Produkte.
    Die SRG finanziert sich zu 25% aus Werbegeldern. Von den 6000 Mitarbeitern – was machen die eigentlich alle? – läge sicher ein Job bei einer SRG-light drin.
    Einmal mehr: alle Artikel des Autors drehen sich schlussendlich immer um die SVP und Blocher. Gähn.

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  7. Sie nennen sich alle selbst übrigens «s’Gonny», nicht Conny.

    Und «s’Gonny» hat lieber 450 Schdutz mehr im gefakten Gucci-Portemonee, als sich einmal mit ihrem eigenen Fingernagel (damit kommen die sogar auf die Welt) zu beschäftigen.

    Deshalb, Meister: Zu spät. Sie zahlen lieber im Abo für Werbung. Nur dort ist Dubai schöner, als wenn man da selbsrt am Strand liegt.

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