So bescheiden

Der grosse Hans Rudolf Gysin verabschiedet sich offenbar ganz bescheiden von seiner Wirtschaftskammer. Das jedenfalls sagen seine Mitarbeiter. Zeit für ein Interview haben sie dennoch nicht – wegen der Vorbereitungen aufs Fest?

Nur ein kleines Präsent für Hans-Rudolf Gysin. (Bild: Michael Würtemberg)

Der grosse Hans Rudolf Gysin verabschiedet sich offenbar ganz bescheiden von seiner Wirtschaftskammer. Das jedenfalls sagen seine Mitarbeiter. Zeit für ein Interview haben sie dennoch nicht – wegen der Vorbereitungen aufs Fest?

Bei der Lektüre unserer letzten Printausgabe hatten die Vertreter der Baselbieter Wirtschaftskammer für einmal kein Vergnügen an der TagesWoche.

Vizedirektor Markus Meier ärgerte sich über unsere Titelgeschichte, mit der alle Baselbieter Unternehmen «in die Pfanne gehauen» würden, wie er schrieb.

Gar noch mehr echauffierte man sich bei der Wirtschaftskammer über unseren Kommentar «Ein Wandel – jetzt oder nie!». Nicht etwa, weil darin die Verbandelung zwischen Wirtschaftsverband und Regierung kritisiert wurde, nein, das schmeichelt den Verbandsoberen ja fast noch.

Wirklich sauer gemacht hat die Herren der Hinweis auf ihren Tag der Wirtschaft vom 11. September, an dem Direktor Hans Rudolf Gysin verabschiedet werden soll. Wir schrieben von einer «Gysin-Show», die er, der Abtretende, für sich inszeniere mit einer ganzen Reihe von Promis in der Nebenrolle. Falsch, gab man uns zu verstehen. Ganz falsch, fälscher als falsch. Gysins Schaffen werde eher so nebenbei gewürdigt. Im Zentrum stünden die Gäste. Und vor allem: Die Abschiedsfeier organisiere nicht Gysin, sondern die neue Crew um seinen Nachfolger Christoph Buser.

Nun, Meiers Vorwurf können wir leicht entkräften: Wir haben selbstverständlich nichts gegen die Baselbieter Unternehmen – höchstens etwas gegen das bisherige Versagen der Wirtschaftsförderung.

Schwieriger ist die zweite Angelegenheit. Dahinter steckt ein Missverständnis. Wir gingen davon aus, dass der König des Baselbiets sich selbst eine standesgemässe Feier organisiere. Das ist aber offensichtlich nicht so. Den Beweis dafür hat Gysins Nachfolger Buser gleich selbst erbracht. Das kurzfristige anberaumte Interview blies er bald wieder ab. Offensichtlich ist er – und eben nicht Gysin – derart mit der Organisation des 11. September beschäftigt, dass die Zeit für ein Gespräch mit der TagesWoche nicht reicht. Auch ein bescheidenes Fest braucht etwas Vorberei­tung.

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Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 24.08.12

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