Staatschützer werden aktiv

Umweltschützer, Experten und linksgrüne Politiker kritisieren den Umgang der Behörden und der Pharma mit den Chemiemülldeponien in Muttenz. Das genügt schon, um den Argwohn der Staatsgewalt zu wecken.

Müllfässer in der Muttenzer Deponie Feldreben im Jahr 1955. (Bild: AIG)

Umweltschützer, Experten und linksgrüne Politiker kritisieren den Umgang der Behörden und der Pharma mit den Chemiemülldeponien in Muttenz. Das genügt schon, um den Argwohn der Staatsgewalt zu wecken.

Auf eine lange Auseinandersetzung mit der Pharma und den Baselbieter Behörden – darauf richtet sich eine Allianz von Umweltschützern, Fachleuten und linksgrünen Politikern ein. Streitpunkt: die Muttenzer Chemiemülldeponien, die für viele Millionen Franken überwacht und saniert werden müssen.

Die Umweltschützer-Allianz wirft der Firmen-Staats-Allianz vor, bei den Deponie-Untersuchungen Tausende Giftstoffe zu ignorieren, um die Kosten für die Massnahmen tief zu halten. «So wird die Gesundheit von über 200 000 Menschen gefährdet, die das Trinkwasser der Hardwasser AG aus der Nähe der Deponien trinken», sagt Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer (SP, BL).

Mit Vorstössen und notfalls einem Prozess wollen die Umweltschützer die Behörden zum Umdenken zwingen. Man muss sich nun wohl auf einiges gefasst machen. Schon der erste Aufritt der Umweltschützer im netten «Rhypark», direkt am Rhein und in Sichtweite zu Novartis, sorgte kürzlich für erhebliche Aufregung.

Das Pharmaunternehmen befürchtete offenbar Tumulte und alarmierte die Polizei, die – ohne unnötig lange zu überlegen – zwei Zivilfahnder losschickte. Ihr Auftrag: Novartis-Mitarbeiter vor Übergriffen zu schützen.

Im «Rhypark» an­gekommen, staunten die beiden Polizisten nicht schlecht, als sie auf dem Podium weder keifende Chaoten noch eingeschüchterte Novartis-Vertreter zu sehen bekamen – sondern einen ehrenwerten Uniprofessor und eine Reihe ebenso unverdächtiger Volksvertreter. Als diese merkten, dass sie unter Beobachtung stehen, reagierten sie mit fast noch grösserem Erstaunen.

Etwas Gutes könnte ihr Ausflug dennoch haben: Im «Rhypark» war Interessantes zum Thema Chemiemüll zu erfahren. Vielleicht haben die Argumente die Vertreter der Staatsgewalt ja so überzeugt, dass sie sich in Zukunft nicht mehr um die Kritiker kümmern, sondern um das eigentliche Problem in den Muttenzer Gruben, noch bevor die Auseinandersetzung erst richtig losgeht. 

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Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 02.03.12

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