Stammgäste kämpfen für «Fümoar-Ali»

An der «Fümoar»-GV beschloss die Mehrheit der anwesenden Wirte, die Scala Bar wegen lascher Kontrollen aus dem Raucherverein auszuschliessen. Jetzt wehren sich die Stammgäste mit einer Unterschriftensammlung.

Aliekber Gültekin sieht sich als Opfer – und lässt seine Gäste trotz Ausschluss aus dem Verein Fümoar weiterrauchen. (Bild: Nils Fisch)

An der «Fümoar»-GV beschloss die Mehrheit der anwesenden Wirte, die Scala Bar wegen lascher Kontrollen aus dem Raucherverein auszuschliessen. Jetzt wehren sich die Stammgäste mit einer Unterschriftensammlung.

Für ihn ist es doppelt schlimm: Das Baudepartement verbot ihm, seine Gäste im Aussenbereich der Scala Bar rauchen zu lassen, da es sich um eine Halle und nicht um eine Passage handle. Und jetzt das: Kollegen des Beizers Aliekber «Ali» Gültekin (49) haben an der Generalversammlung des Vereins Fümoar beschlossen, die Scala Bar aus dem Verein auszuschliessen.

Ein anonymer «Detektiv», der im Auftrag des Vereins Kontrollen durchführt, hatte festgestellt, dass sich Gültekin nicht an die Vereinsregel hält: In der Scala Bar würden nicht immer sämtliche Gäste nach deren Mitgliederausweis gefragt, heisst es in den Kontrollprotokollen. Es folgten Mahnungen durch den Vorstand – das letzte Wort aber hatten die Wirte.

Gäste rauchen weiter

Das ist über einen Monat her. Eigentlich sollte das «Fümoar»-Schild nach Ablauf der Einsprachefrist nun nicht mehr am Eingang hängen. Doch Gültekin lässt seine Gäste weiterrauchen. Nicht aus Ignoranz, aus Überzeugung. Ihm sei Unrecht getan worden, sagt er.

Dieser Meinung sind auch seine Gäste: Knapp 100 Leute haben ihren Namen schon auf die Unterschriftenbögen mit dem Titel «Stammgäste protestieren gegen Fümoar-Ausschluss» geschrieben. Gast Rolf Buchschacher hat die Aktion initiert: «Wir werden dem Verein einen Brief schreiben und ihm die Unterschriften schicken.»

Anonyme Abstimmung

Als Beizer mit Leib und Seele sei er seit 32 Jahren bemüht, seinen Arbeitsplatz zu einem gemütlichen Treffpunkt zu machen, sagt Gültekin. Und seit 32 Jahren würde an all diesen Orten geraucht. Gültekin war 15 Jahre Kellner in der Rio Bar. 1996 übernahm er die Scala Bar. Als in Basel das Rauchverbot für Beizen in Kraft trat und seine Gäste nicht mal mehr draussen rauchen durften, trat er «Fümoar» bei.

«Ich rauche nicht, viele meiner Gäste schon», sagt er. Die meisten seien Stammgäste – deshalb würde er sie nicht täglich nach dem «Fümoar»-Ausweis fragen. Was ihn ausserdem stört: Es war die erste GV, an der schriftlich abgestimmt wurde. Gültekin glaubt, die dreissig anwesenden Wirtekollegen hätten anders entschieden, wäre wie früher abgestimmt worden: «Die Abstimmungen erfolgen durch einfaches Handmehr», steht in den Statuten.

Was war passiert? «Viele Wirte haben sich bei mir beklagt, sie könnten nicht frei stimmen, wenn die Kollegen zusehen würden», sagt «Fümoar»-Sekretär Thierry Julliard. Die GV-Teilnehmer seien aufgefordert worden, sich zu melden, sollten sie gegen die Änderung der Abstimmungs-Methode sein. «Aber niemand hob die Hand.»

2000 verkaufte Karten

Rolf Buchschacher, der Gültekin in rechtlichen Dingen hilft, ist der Ansicht, man könne die Statuten nicht auf diese Art ändern. Ausserdem gäbe es keinen Beweis, dass der «Detektiv» überhaupt in der Scala Bar gewesen sei. Darum habe er Ali abgeraten, Einsprache gegen den Beschluss zu erheben. Dieser ist seiner Meinung nach ungültig. Anwalt Julliard widerspricht: «Spätestens nach Ablauf der Frist ist der Beschluss gültig.» Was den «Detektiv» betrifft: «Würde sich dieser zu erkennen geben, könnte er jede Bar nur ein Mal kontrollieren.»

Julliard zeigt Verständnis für den Unmut der Scala-Bar-Gäste. Was er erst von der TagesWoche erfuhr: Gültekin besitzt einen Ordner mit über 2000 Adressen von Gästen, die bei ihm «Fümoar»-Karten bezogen. «Das hätte er geltend machen müssen!», sagt Julliard. Dann hätten die Wirte möglicherweise beschlossen, ihm eine Chance zu geben.

Nun warte er auf den Brief und die Unterschriften. «Das werden wir im Vorstand prüfen.»

Konversation

  1. deine meinung ist das 90% der restaurants in basel fümoarbeizen sind da muss ich dich belehren die stadt Basel hat über 800 restaurants und clubs davon sind gerade mal 172 fümoarbetriebe also keine 90%

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  2. Ich finde, Sie greifen viel zu weit. Es geht doch nicht um die Ausgrenzung von ein paar Nikotinjunkies. Es geht um den Schutz der Nicht-Süchtigen, um das Recht auf atembare Luft in öffentlichen Lokalen (ja, auch eine Beiz ist öffentlich, die Clublösung ist Beschiss) und um den Respekt vor demokratischen Entscheiden.

    Das Gesetz verlangt, dass die bedauernswerten Leute, die von ihrer Sucht zu rauchen genötigt werden, diese entweder draussen oder in einem abgetrennten, unbedienten Fumoir zu befriedigen haben. Wir schicken die Leute ja nicht in ein Gassenzimmer!

    Ist die Zigarette ausgedrückt, dürfen die Raucher gerne wieder an der allgemeinen Gastronomie teilhaben. Kurz gesagt: das Ganze dreht sich darum, dass die RaucherInnen ihren Hintern und ihre wahrscheinlich schlecht durchbluteten Beine ein paar Meter bewegen müssen, bevor sie anfangen zu qualmen. Mehr ist es nicht.

    An Ali, den ich auch persönlich kenne noch ein Tipp: Du kannst an die Türe deines Lokals schreiben was Du willst…Fümoar, nur für Raucher, rauchen auch drinnen erlaubt, wir stinken gerne etc. etc. Es spielt gar keine Rolle, gegen das Gesetz ist es so oder so. Aus einem Club wie Fümoar kann man rechtlich gar nicht ausgeschlossen werden, weil ja der ganze Verein illegal ist. Dabei ist es wurscht, ob ein Bundesgerichts- oder sogar EGMR-Urteil vorliegt. Wenn eine juristische Instanz so entschieden hat, gilt diese Urteil, und zwar so lange, bis eine höhere Instanz allenfalls anders entscheidet. Das weiss auch Herr Juillard, schliesslich hat er mal auf Kosten der Steuerzahler Jura studiert.

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  3. In ihrem Profil steht: „Es macht mich sauer, wenn Menschen ungerecht behandelt werden!“
    Es fragt sich eben auch, ob durch die Abstimmung, Raucher nicht auch ungerecht behandelt werden. Natürlich ist es ein Mehrheitsentscheid. Allerdings muss man sich schon fragen, ob es richtig ist, dass man die Minderheit, damit an den Rand stellt und in der Folge marginalisiert.
    Eine Demokratie ist ja auch dazu da, dass Menschen nicht ausgegrenzt werden, sondern eingebunden.
    Eine Option wäre, statt auszugrenzen, eine Lösung zu suchen, dass auch Raucher ihren Platz in unserer Gesellschaft haben.
    In einer Diktatur müssen doch alle gleich sein. In einer Demokratie sollte es so sein, dass man nach Lösungen sucht.
    Das gilt nicht nur für das Raucherproblem. Es ist die Tendenz da, dass immer mehr alles mit Ausgrenzung gelöst wird.

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  4. Schonungslos gegenüber allem „Illegalen“. Rigoros bei der Durchsetzung des Volkswillens. Hart gegenüber „linken Chaoten“ und der Kuscheljustiz.

    Aber wenn es darum geht, dass der Volkswille das Rauchen in der eigenen Quartierbeiz verbietet, geht man schonungslos in die Illegalität und lacht sich über die Spiesser tot, die die Abstimmung gewonnen haben.

    Heuchler nannte man in der Bibel Pharisäer. Aber es ist ja kein Wunder: Die SVP hat ein „P“ im Logo.

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  5. …der Brieftaschen von SVP-Wählern (oder auch Wählerinnen) kenne ich mich nicht aus, werter Herr Schäublin. Zudem sind mir keine diesbezüglichen statistischen Erhebungen bekannt, die einen vertieften Einblick in solche Brieftaschen gewährten.

    Davon abgesehen stellen Sie eine interessante Hypothese auf, die Sie uns aber im Detail leider vorenthalten. Brennend interessieren würde sie mich zwar, diese Hypothese, die da zwischen Ihren Worten hervorlugt, aber leider bewegen wir uns da weit weg vom Thema.

    Ich darf Ihnen mit abschliessenden Worten versichern, dass ich weder für die SVP noch für den Fümoar Verein irgendwelche Sympathien hege.

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  6. interessant Fümoar
    ist ein rechtsfreierraum..
    der Berner reithalle zuzuordnen
    oder den wagenleuten, hausbesetzern
    etc.
    leute die hier unterschreiben sollten für
    ihre unterstützung für illegale tätigkeiten
    zur rechenschaft gezogen werden.

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  7. B. Esser-Wysser hat natürlich nicht Unrecht. «les absents ont toujours tort». Nur – wo liegt das Problem? Das Basler Stimmvolk hat nie über den Verein Fümoar abgestimmt. 212 Stimmberechtigte aus Riehen haben gegen die Initiative des Wirteverband Basel-Stadt gestimmt. Der Verein Fümoar war nie Thema. Ob dieser Verein nun legal (oder illegal) ist, entscheidet das Bundesgericht in Lausanne. Bis dahin kassiert die Steuerverwaltung des Kantons Basel-Stadt weiterhin Steuern von diesem Verein und die Eidg. Finanzverwaltung, Abteilung Mehrwertsteuer, kassiert weiterhin die Mehrwertsteuer der verkauften Ausweise. So zumindest, wurde dies den Anwesenden an der GV 2013 des Vereins Fümoar mitgeteilt.

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  8. …Herr Schäublin, schrieben Sie 1.98%. Das ist mir nicht entgangen. Ich habe lediglich Ihre Betrachtungsweise auf mein Beispiel übertragen und dort sprächen Sie dann eben von 2 Promille. Also aufgepasst, ich bin nicht so ignorant und mache aus Ihren 1.98% einfach 2 Promille. Vielleicht fehlt in meiner obigen Ausführung ein präzisierendes Wort dazu.

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