Starke Schule Baselland holt Psychosekten-Mitgründer an Bord

Die Vereinigung Starke Schule Baselland weitet ihren Feldzug gegen den Lehrplan 21 auf Basel aus. Für den neuen Kampfplatz hat sie sich mit einem Mitgründer der ehemaligen Psychosekte VPM verstärkt.

Die Vereinigung Starke Schule Baselland weitet ihren Feldzug gegen den Lehrplan 21 auf Basel aus. Für den neuen Kampfplatz hat sie sich mit einem Mitgründer der ehemaligen Psychosekte VPM verstärkt.

» Starke Schule und René Roca gehen bereits wieder getrennte Wege: Nach der Berichterstattung der TagesWoche hat das Komitee die Zusammenarbeit beendet

Die Vereinigung Starke Schule Baselland nennt sich neu Starke Schule beider Basel. Sie will damit eine ideologische Lücke im Stadtkanton schliessen. «Das Fehlen eines Vereins in Basel-Stadt, welcher den Lehrpersonen eine Plattform bietet, liegt unter anderem an einer Angstkultur, die in Basel-Stadt unter den Lehrpersonen existiert», ist auf der neuen Website von Starke Schule beider Basel zu lesen.

Im Organigramm steht im neuen Kästchen «Basel-Stadt» lediglich ein Name: René Roca. Roca ist Historiker und Geschichtslehrer am Gymnasium am Münsterplatz. Wohnhaft und politisch aktiv ist er aber im Kanton Aargau – als parteiloser Vizeammann der Gemeinde Oberrohrdorf und als Mitglied des erweiterten Komitees der Initiative gegen den Lehrplan 21, das am vergangenen Abstimmungswochenende eine empfindliche Schlappe hinnehmen musste.

Mitgründer der Psychosekte VPM

Roca engagiert sich überdies in seinem «Forschungsinstitut direkte Demokratie». Auf der Website dieses Instituts outet er sich als Gründungsmitglied des Vereins zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis (VPM). Das lässt aufhorchen. Denn der VPM war von 1986 bis 2002 als Psychosekte mit rechtsbürgerlichen, religiös-konservativen Positionen gefürchtet.

Zu den Kampfplätzen des VPM gehörte neben der liberalen Drogenpolitik unter anderem das Gespenst einer «linken Unterwanderung des Erziehungswesens», wie der renommierte Sektenspezialist Georg Schmid in einem Aufsatz auf relinfo.ch schreibt.

Sektiererische Lehrplan-Gegner

Dieses Engagement hat Roca kürzlich erst im Abstimmungskampf um die Lehrplan-21-Initiative im Kanton Aargau eine scharfe Rüge eingebracht. In einem Leserbrief in der «Aargauer Zeitung» schrieb Elisabeth Abassi, Präsidentin des Aargauischen Lehrerverbands: «Wer sich für die heutigen Kinder keine Sektenschule, sondern eine gute, zeitgemässe Schule wünscht, muss unbedingt mithelfen, die unsägliche VPM-Initiative zu versenken.»

Roca ist nicht der einzige ehemalige VPM-Aktivist, der sich als Gegner der aktuellen Schulreformen hervortut. Im Kanton Zürich entdeckte der «Tages-Anzeiger» im Initiativkomitee gegen die Einführung des Lehrplans 21 mehrere ehemalige VPM-Anhänger – «jener Sekte, die sich in den 90er-Jahren speziell im Kanton ­Zürich erheblich und mit teils illegalen Methoden in die Politik einmischte», wie die Zeitung im August 2015 schrieb.

Im Kanton Thurgau wurde das «St. Galler Tagblatt» entsprechend fündig – namentlich in der Person der Co-Präsidentin des Initiativ-Komitees «für eine gute Thurgauer Volksschule». Sie gab gegenüber der Zeitung zu, einst Mitglied des VPM gewesen zu sein.

Roca sieht sich als Gegner autoritärer Machtstrukturen

Roca selber scheint dieses Kapitel in seiner Lebensgeschichte nicht als Makel zu empfinden. Auf seine Vergangenheit als VPM-Gründungsmitglied angesprochen, weicht er aber aus: «Sektiererische und autoritäre Machtstrukturen lehne ich heute wie damals ab», gibt er schriftlich zur Antwort.

Auch sonst äussert sich Roca auf die Anfragen der TagesWoche moderat. Auf seine politische Ausrichtung als parteiloser Vizeammann angesprochen, verortet er sich selber als «Mitte-links». Er, der sich als Historiker immer wieder in Kolumnen in der NZZ zu Wort meldet, aber auch mal einen Artikel in der rechtsnationalen «Schweizerzeit» oder des öftern in der ehemaligen VPM-Postille «Zeit-Fragen platziert.

Sektenvorwurf an Lehrplan-Befürworter

Ganz anders sieht es aus, wenn er sich zum Lehrplan 21 äussert. Roca wirft vielmehr den Lehrplan-Befürwortern sektiererisches Verhalten vor. In einem Leserbrief in der NZZ unterstellte er der Erziehungsdirektoren-Konferenz, in Diskussionen über den ungeliebten Lehrplan 21 mit «an Psychotechniken erinnernden Methoden» einzugreifen.

Damit liegt Roca ganz auf der Linie der Baselbieter Stammcrew der Starken Schule beider Basel. Sie attestierte dem ehemaligen Basler Bildungsdirektor und Präsidenten der Eidgenössischen Erziehungsdirektorenkonferenz, Christoph Eymann, unter der Basler Lehrerschaft eine «Angstkultur» zu verbreiten. Und die Freiwillige Schulsynode Basel-Stadt wird despektierlich als «Handlangerin der reformfreudigen Regierung» bezeichnet.

Konversation

  1. Ist eigentlich noch niemandem aufgefallen, dass 21 genau die Hälfte von 42 ist? Noch deutlicher kann der Hinweis auf eine Verschwörung ja kaum sein!

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    1. Naja, die Lehrplangegner wollen anscheinend mit ihrer Verweigerungstaktik die Einführung verzögern, so dass es schlussendlich ein Lehrplan 23 (!) wird. Illuminati ick hör dir trapsen… 😉

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    2. Schon erschreckend, wie gut dieser Lehrplan 21 funktioniert, sogar bei mir, der nie damit in Kontakt gekommen ist. Leider habe ich in der Schule nie gelernt, was es mit „42“ auf sich hat. So habe ich mir eben die Kompetenz angeeignet, im Internet zu recherchieren. Und hej presto, kann auch ich über Ihre Aussage schmunzeln.

      Oder wie schon unser damaliger Realschuhllehrer sagte: „Ihr müsst nicht alles wissen, Ihr müsst nur wissen, wo nachschauen!“

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