Tödliche Verwechslung am Säuretank

T. F. war für die Sicherheit beim Prattler Chemieproduzenten Cabb verantwortlich. Nach dem Tod eines Angestellten steht der Kadermann vor Gericht. Die Anklageschrift deutet an, wie katastrophal die Sicherheitskultur auf dem Werkgelände war.

Tödlicher Unfall in Bau 170: Bei Cabb Pratteln starb ein Mitarbeiter, dafür steht nun ein hochrangiger Angestellter vor Gericht.

Von T. F. gibt es Bilder aus besseren Zeiten, mal schüttelt er Politikern die Hände, mal steht er vor grossem Publikum und spricht über Innovationen und Investitionen. Jetzt steht T. F. vor Gericht.

Die Baselbieter Staatsanwaltschaft wirft dem Kadermann des Prattler Chemieproduzenten Cabb fahrlässige Tötung vor. Er soll die Verantwortung für den Tod eines Arbeiters im Jahr 2014 übernehmen. Zusätzlich vor Gericht steht der Cabb-Arbeiter A.H. Das geht aus der Anklageschrift hervor, welche der TagesWoche vorliegt. Die Verhandlung ist noch nicht terminiert.

Verhandelt werden die Todesumstände von K.P. Der Chemikant wurde am 3. Juli 2014 auf dem Werkareal der Cabb schwer verletzt, zwei Monate später starb er auf der Intensivstation des Universitätsspitals Lausanne an multiplem Organversagen.

Container hielt Druck nicht stand

Der Unfall, der zu seinem Tod führte, wird von den Anklägern präzise nachgezeichnet. Am Nachmittag des 3. Juli befüllte der Angeklagte H. mehrere Container mit einer chemischen Lösung, wobei ihm K.P. zur Hand ging. Bei den ersten fünf IBC-Containern verläuft die Abfüllung problemlos. Dann kommt es zur Katastrophe: «Unmittelbar nach Beginn der Befüllung des sechsten Containers um ca. 14.40 Uhr erhöhte sich der Druck im IBC-Container, worauf sich dieser an der Oberseite zu wölben begann.»

Nach wenigen Sekunden hielt der Container dem Druck nicht mehr stand. H. konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen, P. schaffte das nicht. Er wurde vom austretenden toxischen Nebel erfasst, wobei Atemwege und Lunge so schwer verätzt wurden, dass er zwei Monate später einen qualvollen Tod starb.

Den Ermittlern gelang es, genau zu erruieren, warum der sechste Container explodierte. Demnach wurde irrtümlicherweise ein isolierender Behälter verwendet, der elektrische Spannung nicht ableiten kann. Beim Befüllen kam es zu einer elektrostatischen Entladung, wobei sich hochgiftige Restchemikalien entzündeten, die nach einer vorherigen Abfüllung im Tank verblieben waren.

Grosser Kostendruck

A.H. wirft die Staatsanwaltschaft nun vor, nicht geprüft zu haben, ob der Container ableitfähig ist oder nicht. Der beschuldigte Abteilungsleiter T. F. soll verantwortlich sein, dass die Arbeiter überhaupt einen ungeeigneten Container verwendet haben. So wurden auf dem Firmengelände zwei Typen von IBC-Container genutzt, ältere ohne und neuere mit Erdungskabel. Die Container waren nicht auf den ersten Blick unterscheidbar, sie wurden auch nicht an verschiedenen Orten gelagert. T. F. soll seine Sorgfaltspflicht verletzt haben.

Die Anklageschrift liest sich so, als ob es nur eine Frage der Zeit war, bis es zu Katastrophe kommt. Ob dafür bloss T. F. verantwortlich ist, wird vielleicht der Prozess zeigen. Das Unternehmen steht unter grossem Kostendruck, alte Container zu verwenden wirkte sich vermutlich günstig aufs Budget aus.

Immer wieder Unfälle

Auch kommt es seit Jahren bei Cabb regelmässig zu Fehlern und Unfällen. Nach einer Pannenserie und zunehmendem politischem Druck musste deshalb 2016 der damalige Standortleiter die Firma verlassen. Der deutsche Mutterkonzern wollte einen Neuanfang kommunizieren.

Seither ist es tatsächlich ruhiger geworden an der Düngestrasse 81 in Schweizerhalle. Ob die Zahl der Unfälle tatsächlich zurückgegangen ist, bleibt unklar. Wie die «bz basel» berichtete, ging Cabb dazu über, nur noch selektiv über Vorfälle zu kommunizieren.

Die Polizei Basel-Landschaft hat diese Praxis übernommen. So wurden mindestens zwei Vorfälle in den letzten Monaten verschwiegen. Man habe die Firma schützen wollen, sagt die Polizei. Ob den gefährdeten Mitarbeitern damit geholfen ist, kann bezweifelt werden.

Konversation

  1. Schöne globalisierte Welt.
    Jetzt dürfen Schweizer Mitarbeiter persönlich dafür büssen, dass internationale Unternehmen die Zitrone hier auspressen. So werden permanent Schweizerische Standards unterlaufen damit die zu hohen Beteiligungen gewinnbringend nach Guernsy zurückfliessen können. Dort findet sich garantiert niemanden, den man hier vor Gericht ziehen kann. Der Sicherheitsbeauftragte der Firma CABB ist garantiert machtlos gegenüber den Eigentümern, hier Geld und Manpower für die Sicherheit locker zu machen.
    In Bern findet man ja diese Liberalisierung grossartig. Weil extrem Bürgerlich. Wann gibt es endlich ein Umdenken? Wann schützen Schweizer Politiker endlich Schweizer Einwohner? Nur fremde Richter wollen sie nicht!

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