Trödel, Schoko-Hölle und Harry Potter – London für Minderjährige

Als wir jung waren, stand London für Pop, Pubs und Plattenläden. Heutzutage reisen wir mit Kindern dorthin, da muss ein anderes Programm her. 

Lass dieses Schleckzeug an mir vorübergehen! (Bild: Chris Ratcliffe/Bloomberg via Getty Images)

Wenn man schon wieder mal in London ist, dann möchte man etwas davon haben. Doch was dem Erwachsenen Freude macht, ist nicht zwingend nach dem Geschmack eines Kindes. Es muss also ein Programm her, das für Alt und Jung funktioniert. Darum starten wir mit einem Besuch auf dem Camden Market, in der Hoffnung so ein Markt funktioniere generationenübergreifend.

Auch heute noch sind in Camden Punks und Goths zu besichtigen, was ein Kind zumindest für einige Minuten fasziniert. Anhaltender ist der Reiz der ganzen Stände, die alles Mögliche und Unmögliche feilbieten.

Teenie gegen Rucksack-Händler

Kaum verändert haben sich seit unserer Jugend die Verkäufer, die anders als die Händler an der Basler Herbstmesse freundliche Verbindlichkeit ausstrahlen, wenn sie die gute alte «Der Rucksack kostet 40 Pfund, dir geb ich ihn für 35, Darling»-Masche abziehen.

Bei der 13-Jährigen, die unbedingt diesen pinken Rucksack haben muss, funktioniert das aber nicht. Die schaut in ihr Portemonnaie und sagt: «I only have 20.» Der Händler runzelt die Stirn und verweist auf den erwachsenen Begleiter, der doch sicher auch ein paar Pfund besteuern könne, doch der findet, er habe schon Flüge und Hotel bezahlt.

Es geht dann eine Weile hin und her, wobei die 13-Jährige so ausdauernd wie treuherzig ihre Kernbotschaft wiederholt: «I only have 20.» Am Ende lenkt der Händler zähneknirschend ein, der Handel wird für 20 Pfund abgewickelt und die 13-Jährige feiert ihren neuen Rucksack und ihre Verhandlungskunst.

Das ist zwar nur ein Modell von Hogwarts, aber trotzdem: Boah!

Alles Feilschen hilft dagegen nichts, wenn es um einen Trip nach Hogwarts geht. Die Tour «The Making of Harry Potter» durch das Warner Bros. Studio, eine knappe Stunde ausserhalb von London gelegen, ist kostspielig. Trotzdem kann man die Vorfreude im Tourbus nur als magisch beschreiben. So viele nerdige Erwachsene und Teenies auf einem Haufen – rührend.

Auf der vierstündigen (!) Führung durch zwei riesige Hallen kommen Fans auf ihre Kosten: Winkelgasse, Hagrids Hütte, der Verbotene Wald, Besenreiten und, selbstverständlich, Butterbier. Der Rundgang endet in einem Gift Shop, vor dessen Verlockungen (Bertie-Bott-Bohnen, Gryffindor-Schals, Dobby-Kuschelpuppen) kein Zauber schützt.

Himmel und Hölle im Zuckerladen

Am nächsten Tag will der Erwachsene dem Kind zwischen Picadilly Circus, Trafalgar Square und Leicester Square ein bisschen englische Geschichte vermitteln, doch dann steht man plötzlich vor einem Laden namens M&M’s World.

Es gibt kein Halten, die einzige Möglichkeit, das Kind nicht zu verlieren, ist, ihm zu folgen. Drinnen erwarten uns auf drei Stöcken M&M’s in allen Farben und Grössen. Das «Highlight» ist die grösste Schoko-Wand der Welt: In durchsichtigen Zylindern wartet überteuertes Zuckerzeug in allen Farbvarianten darauf, von aufgeregt zitternden Kinderhänden in Plastik-Cups abgefüllt zu werden. Die 13-Jährige wähnt sich im Himmel, der Erwachsene, der am Morgen noch «London Calling» anstimmte, summt leise verzweifelt «Straight To Hell».

Danach könnte der Grosse definitiv ein kleines Pint brauchen, doch daraus wird nichts, weil er eines jener strikten Pubs erwischt, wo die Frau hinter dem Zapfhahn erst wissen will, wie alt das Mädchen im Schlepptau sei und uns dann – «sorry» – die Tür weist.

Dieser Ausblick verschlägt sogar einem Zürcher die Sprache.

Wenn schon nicht in die samtene Dunkelheit eines Pubs, dann halt in luftige Höhe. Das mit 135 Metern höchste Riesenrad Europas steht nahe der Westminster Bridge und heisst London Eye. Die knapp halbstündige Fahrt kommt teurer als ein mehrstündiger Pub-Aufenthalt, dafür ist die Aussicht über die Stadt so beeindruckend, dass selbst ein Zürcher für einmal nicht sagen würde: «Ich habe es mir grösser vorgestellt.»

Camden Market: Platten, Pins, Klamotten und Kram. Täglich von zehn bis spät.  U-Bahnstation Camden Town, Chalk Farm oder Camden Road.

«The Making of Harry Potter»: Lange vorher und am besten bei einem Reiseunternehmer buchen, der einen mit dem Bus in die Pampa und wieder zurück fährt. Viel Zeit (und Geld!) mitnehmen.

M&M’s World: Der Zucker gewordenen Alptraum eines Erwachsene ist ein Himmel aus Schokolade für Kinder. 10 bis 24 Uhr, So 12 bis 18.30 Uhr.

London Eye: Viel Geld für viel Vogelperspektive. Täglich 11 bis 18 Uhr.

Konversation

  1. Es gäbe wohl bessere Ausflüge als das überteuerte M&M world. Kommt ein wenig auf die Saison an. Im Sommer ein Spaziergang entlang dem Serpentine (Hyde Park) bis Kensington Gardens. Picnic im Park. Je nach Alter der Kids gibt es im Kensington Gardens den grossen Diana Memorial Spielplatz und weiter vorne den Memorial Fountain (Badehose nicht vergessen). Zu jeder Jahreszeit in Kensington Natural History und/oder Science Musuem. Das V&A hat meistens eine auch für Jugendliche „coole“ Austellung. Oder aber ein Spaziergang der Southbank entlang zur Tate Modern. Von dort geht die Millenium Brigde nach St. Pauls oder der Borough Market liegt um die Ecke. Tip betreffend Camdem Market. London Waterbus ab Paddington benutzen. Ist allemal lustiger als die Northern Line.

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