«Undifferenziert und ausländerfeindlich»: Regierungsrat Wessels rügt BaZ-Kommentar

In einem E-Mail an alle Mitarbeiter verurteilt das Bau- und Verkehrsdepartement einen BaZ-Kommentar mit scharfen Worten. Der Leiter der Lokalredaktion hatte moniert, dass eine «deutsche Staatsbürgerin» im Bauinspektorat «eingebürgerte» Wirte belehre.

Regierungsrat Hans-Peter Wessels mahnt BaZ-Chefredaktor Markus Somm, «die Regeln des Anstands, der Fairness und der Verhältnismässigkeit» einzuhalten.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

In einem E-Mail an alle Mitarbeiter verurteilt das Bau- und Verkehrsdepartement einen BaZ-Kommentar mit scharfen Worten. Der Leiter der Lokalredaktion hatte moniert, dass eine «deutsche Staatsbürgerin» im Bauinspektorat «eingebürgerte» Wirte belehre.

Hans-Peter Wessels, Vorsteher des Basler Bau- und Verkehrsdepartements (BVD), und die «Basler Zeitung» pflegen kein freundschaftliches Verhältnis. Ein Kommentar, der am 27. April erschien, hat diese Beziehung weiter getrübt. «Dass man mich angreift, mag noch durchgehen, aber ich kann nicht dulden, wenn meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter völlig undifferenziert angeschossen werden», sagt er.

Wessels bezieht sich auf einen Kommentar des Leiters der Lokalredaktion. Dieser holte ausgehend vom Fall des mutmasslichen Polizeispitzels mit türkischem Pass zum Rundumschlag gegen die Berücksichtigung von Ausländern als Staatsangestellte aus:

«Bei Polizisten muss der rote Pass wieder zu einer indiskutablen Anstellungsbedingung werden. Aber auch auf der Verwaltung im Allgemeinen hat ein streng ausgelegter Inländervorrang Anwendung zu finden.»

Dabei bezog der BaZ-Kommentator auch eine Mitarbeiterin des BVD in seine Ausführungen mit ein:

«Die Frage, ob ein Baugesuch im Einklang mit dem Wohnraumfördergesetz steht, wird in Basel-Stadt ebenfalls von einer deutschen Staatsbürgerin beurteilt. Diese belehrte etwa die (eingebürgerte) Wirtefamilie D’Amelio, dass sie sich die Umnutzung ihrer Eigentumswohnung in eine Bed-and-Breakfast-Unterkunft abschminken könne.»

E-Mail an die Mitarbeiter

In einem E-Mail an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verwehrt sich die Departementsleitung in deutlichen Worten gegen diese Anwürfe. «Unser Vorsteher und die gesamte Departementsleitung verurteilen das Vorgehen der ‹Basler Zeitung› aufs Schärfste», heisst es in der Mitteilung, die der TagesWoche vorliegt. Weiter heisst es: «Sie verwahren sich in aller Deutlichkeit gegen derart undifferenzierte und ausländerfeindliche Äusserungen.»

Aus der Mitteilung geht überdies hervor, dass sich Wessels in einem Brief an BaZ-Chefredaktor Markus Somm gewandt hat mit der Aufforderung «die Regeln des Anstands, der Fairness und der Verhältnismässigkeit künftig wieder einzuhalten».

Angegriffene Mitarbeiterin ist Schweizerin

Eine Antwort hat Wessels noch nicht erhalten. «Wir haben den Brief eben erst abgeschickt», sagt er auf Anfrage. Auf die Frage, wie viele seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keinen Schweizer Pass besitzen, konnte und wollte Wessels nicht antworten. «Wir beurteilen unsere Leute nach ihrer Qualifikation und Leistung und nicht aufgrund ihrer Nationalität oder ihrem Geschlecht.»

Schliesslich kommt im Gespräch mit der TagesWoche die Nationalitätenfrage doch noch kurz zur Sprache: Der Kommentar ist nicht nur inhaltlich fragwürdig, sondern auch mangelhaft recherchiert. «Die angeschossene Mitarbeiterin ist nämlich Schweizer Staatsbürgerin», sagt Wessels.

Konversation

  1. @ Dänny: Ich habe Ihre Antwort erst jetzt gelesen. Falls Sie diesen Post von mir auch noch entdecken sollten, würde ich mich über eine Antwort freuen. Warum, nennen Sie die SDA „Schweizer Deppen Agentur“? Ich persönlich finde SDA Beiträge auch keine tiefgehenden journalistischen Glanzleistungen. Aber zumindest fand ich sie bis jetzt immer als erstaunlich neutrale Artikel. Einfach nur objektive Schilderung von Tatsachen, ohne tendenziöse Wertung, je nach politische Gesinnung des Reporters.
    Sehen Sie das anders? Ernst gemeinte Frage aus reiner Neugier.

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  2. er sollte zurücktreten dann können keine mitarbeiterInnen von ihm mehr angeschossen (auch dies ein unwort bzgl. mitarbeitern) werden.

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  3. @ Hr. Hawtin

    Bis auf ein Interview mit dem Departements-Chef bestand die gesamte „Berichterstattung“ der TaWo zum Spionage-Polizisten aus Agenturmeldungen. Die lohnt es sich meist nicht zu kommentieren, da sie ja nicht von der TaWo stammen, sondern von der Schweizer Deppen Agentur, die wiederum, meist unhinterfragt, das weitergibt, was irgendwelche Pressestellen von sich geben.

    Das obengenannte Interview hingegen erntete aber sehr wohl einige Lesermeinungen.

    Für den Polizisten gilt übrigens weiterhin die Unschuldsvermutung, da ihm, im Gegensatz zu Herrn Keller, zumindest öffentlich, noch kein Fehlverhalten nachgewiesen wurde!

    Es lohnt sich also auch hier, bei den Fakten zu bleiben.

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  4. Wo steckt in diesem Artikel eine journalistische Leistung? Als die Tawo vor einigen Jahren gestartet war, hoffte die ganze Region auf mutigen Journalismus. Davon ist leider nichts mehr übrig geblieben. Die Tawo ist zur Hofberichterstatterin vor allem des BVD mutiert und zu dem, was sie damals nicht sein wollte, eine „Anti-BAZ“.

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  5. @Hawtin und den anderen, die die Anzahl Kommentare zu Artikeln so hoch ansehen. Erstens hat Quantität nicht viel mit Qualität zu tun und Zweitens wissen Sie wahrscheinlich nicht, dass die Baz ihre Online-Platform im sogenannten Newsnetz gemeinsam mit Tagi, Berner Zeitung, etc. betreibt und somit der Kommentarstrom von all diesen Kanälen reinkommt.

    Glauben Sie’s nicht? Vergleichen Sie mal

    http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/maulwurf-erfunden-um-ausgaben-zu-rechtfertigen/story/29273882

    http://bazonline.ch/schweiz/standard/maulwurf-erfunden-um-ausgaben-zu-rechtfertigen/story/29273882

    @Pfister: Legen Sie sich diese Fahne endlich zu

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    1. Herr Berner,

      Ihr Einwand ist korrekt – viele nationale und internationale Berichte sind auf der gemeinsamen Plattform der genannten Zeitungen und haben entsprechend höhere Leserzahlen.
      Man müsste das Echo der regionalen Berichterstattung beachten. Aber auch da schneidet die BaZ besser ab als die TaWo.

      Bezüglich „Qualität vor Quantität“: „Natürlich“ ist die TaWo nach Meinung der TaWo-Platzhirsche die beste Zeitung der Region. Darin sind sie den BaZ-Lesern sicher ähnlich.
      Nur drückt sich das nicht in den Zahlen aus.
      Brönnimann kann ich noch so viele TaWo-Siegesmeldungen verbreiten wie er will: Ich kenne einige Leute, die mal für die TaWo offen waren, sie aber aufgegeben haben. Sie interessiert einfach nicht.
      Die TaWo war ursprünglich für die nicht-SVP-wählende medieninteressierte Öffentlichkeit gedacht gewesen. Damit hätte man also vom FDPler bis zum Basta-Wähler viele ansprechen können.
      Die TaWo hat sich aber damit begnügt, ein grün-alternatives Blättchen zu werden, der so berechenbar wie die BaZ ist. De facto eine linke Karikatur der BaZ.
      Deshalb habe ich als Nicht-Linker die WoZ abonniert und spende auch freiwillig für die WoZ – weil sich die Journis dort auch bemühen, die nicht-linke Bevölkerung zu verstehen (die Berichterstattung und die Interviews zum Brexit, zum Front National oder zu den US-Wahlen waren erstklassig, weil erklärend).
      „Wir sind gut, die anderen sich dumm oder verkommen.“ reicht mir nicht als journalistische Leistung.
      Darum finanziere ich lieber die Zürcher als die Basler. Man muss sich halt anstrengen.
      Es ist auch peinlich, dass in einem Medium einer der wichtigsten Wirtschaftsmetropolen der Schweiz kein ökonomisch gebildeter Journalist zu finden ist.
      Oder ein rechter Querdenker.
      Schöne „Weltoffenheit“ – wenn sie sich auf das Bestätigen des eigenen Weltbilds beschränkt.

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    2. @Tanner

      Ich teile Ihre Abneigung gegen die TW nicht, ich kann mit Ihrem Etikett „grün-alternativ“ nicht viel anfangen und noch weniger mit „Argumenten“ à la „Ich kenne einige Leute“.

      Was Sie wohl unter „ökonomisch gebildet“ verstehen. Wohl nicht jemand, der sich in Marx und Systemtheorie auskennt. Wo haben Sie diese Qualifikation abgekupfert?

      Danke für Ihre Spende

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