Unispital verkürzt Wartezeiten im Notfall mit amerikanischem Modell

Am Unispital Basel kommen Notfallpatienten schneller mit Pflegefachleuten und Fachärzten in Kontakt. Dahinter steckt das US-amerikanische Modell Team Triage.

(Bild: Alexander Preobrajenski)

Am Unispital Basel kommen Notfallpatienten schneller mit Pflegefachleuten und Fachärzten in Kontakt. Dahinter steckt das US-amerikanische Modell Team Triage.

Das Warten auf der Notaufnahme des Universitätsspitals Basel hat ein Ende: Wer zum Beispiel mit einer Lungenentzündung durch die Tür kommt, soll ab sofort innerhalb von 20 Minuten einen Erstkontakt mit einem Arzt haben. Möglich macht es ein neues Arbeitsmodell, dass das Spital im Juli eingeführt hat und nun vorgestellt wurde: Team Triage.

Das Modell sieht gemäss Roland Bingisser, Chefarzt der Notfallstation, vor, dass der Patient bei der Notfallanmeldung seine Beschwerden direkt einer kompetenten Pflegefachperson mitteilt. Diese vermittelt direkt einen Facharzt. «Der Arzt entscheidet anhand von Vorabklärungen, ob und wie der Patient weiter behandelt wird», sagt Bingisser.

Was ist neu?

  • Schnellere Diagnose: Ein erfahrenes Pflege- und Ärzteteam ist innert Minuten nach Spitaleintritt um eine erste Diagnose besorgt.
  • Gefährdete Patienten erhalten so schneller eine prioritäre Behandlung, während Ungefährdete schneller identifiziert werden.
  • Im Gegenzug wurde der administrative Aufwand nach hinten verlegt: So interessieren primär nicht mehr Wohnort und Konfession des Patienten, sondern dessen Gebrechen.
  • In Zahlen: Die durchschnittliche Wartezeit bis zum Arztbesuch wurde um rund 18 Minuten verringert. Bei ambulanten Patienten wurde die Durchlaufzeit von 3 auf 1,5 Stunden halbiert, bei stationären Patienten von 6,5 auf 4,8 Stunden.

Warum diese Neuerungen?

Mit der Team Triage reagiert das Unispital auf die steigende Anzahl an Notfallpatienten. Diese hänge einerseits «mit dem grossen Einzugsgebiet der Stadt, aber auch mit der Unkenntnis des gängigen Hausarzt-Modells zusammen», sagt Chefarzt Bingisser. Gerade Studierende oder Expats aus der Ferne würden sich bei Gebrechen statt zum Hausharzt häufig direkt zur Notfallstation begeben.

Als Vorbild für die Umsetzung der Team Triage diente das Modell der Rapid Medical Evaluation (RME): «Im Internet stiessen wir auf die Dokumentation einer US-amerikanischen Privatärztegruppe, die bereits über 100 Notfallstationen mit RME ausgestattet hat.» Gemeinsam mit einem externen Berater machte sich Bingisser sodann auf nach San Francisco, um sich das Modell vor Ort in der Praxis anzuschauen.

Belastungstest steht noch bevor

«Schon nach kurzer Zeit wusste ich: Die RME würde unter der Bezeichnung Team Triage auch nach Basel passen», sagt Bingisser. Mit der Übernahme des amerikanischen Modells hat das Unispital zumindest in der Schweiz Neuland betreten. In den ersten sieben Wochen nach Einführung hat sich die Team Triage bewährt. «Der grosse Belastungstest erfolgt aber erst im Winter, wenn erfahrungsgemäss mehr kranke Patienten die Notfallstation aufsuchen», relativiert Bingisser.

Dann wird sich zeigen, ob die Team Triage auch bei höherer Kadenz für kürzere Wartezeiten sorgt. Schliesslich muss bei entsprechender Effizienzsteigerung mit einem noch grösseren Patientenaufkommen gerechnet werden. Bingisser gibt sich zuversichtlich: «Gerade durch die Verstärkung der Front mit kompetenten Fachärzten und Pflegefachleuten werden viele Patienten schneller versorgt, was die Abläufe, aber letztlich auch das Personal entlastet.»

Konversation

  1. Das hört sich sehr gut an. Immer schön, mal über den Tellerrand zu schauen. Und der letzte Satz, dass das Personal entlastet wird, scheint dringend nötig zu sein. Von Bekannten auf der Notfallstation höre ich schlimme Geschichten was die Belastung des Personals angeht.
    In einer Notfallaufnahme in Australien war am Eingang ein grosses rotes Schild: Wartezeit mindestens 4 Stunden! Das hat schon gereicht um eben die Leute wieder nach Hause zu schicken, die denken, sie müssten Samstagnacht ihren Fusspilz behandeln lassen.

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  2. Ich bin sehr gespannt, ob mit der RME ein gutes Mittel gefunden wurde, um dem häufigen Overcrowding Herr zu werden. Hier hat man anscheinend begriffen, dass sich die Bevölkerung nicht erziehen lässt und auch noch in 10 Jahren mit jedem abgebrochenen Fingernagel den Notfall aufsucht. Auf jeden Fall werden sehr viele andere Spitäler in den nächsten Monaten mit Spannung nach Basel blicken. Denn dort herrschen ähnliche Zustände wie in Basel.

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