Vergiftetes Gemüse im Dreispitz-Familiengarten?

Nach der Auswertung von Bodenproben rät der Familiengärtner-Verein vom Gemüseanbau und -verzehr ab. Ob und wie stark bleibelastet das Erntegut aus den Gärten am Walkeweg ist, lässt sich jedoch nicht sagen: Die Behörden wollen dazu noch keine weiteren Angaben machen.

Vorerst keine Karotten und Salatköpfe mehr aus dem eigenen Beet: Die Böden der Gartenparzellen am Walkeweg könnten bleiverseucht sein.

Nach der Auswertung von Bodenproben rät der Familiengärtner-Verein vom Gemüseanbau und -verzehr ab. Ob und wie stark bleibelastet das Erntegut aus den Gärten am Walkeweg ist, lässt sich jedoch nicht sagen: Die Behörden wollen dazu noch keine weiteren Angaben machen.

Die Auswirkungen der Altlasten im Areal zwischen Wolfgottesacker und Walkeweg sind vielleicht doch stärker als angenommen. Der Familiengärtner-Verein (FGV) Dreispitz liess seinen Pächtern vergangene Woche einen Brief zukommen. Er rät ihnen, wegen hoher Bleiaufnahmeraten vom Gemüseanbau – und erst recht vom Verzehr – ab. Aufpassen müssten die Pächter unter anderem bei Karotten, Lauch, Rettich, Radieschen, Feld- und Kopfsalat, Mangold, Kresse und Spinat. Andere Gemüse- und Obstsorten seien «vor dem Verzehr gut zu waschen und zu schälen». 

Dabei beruft sich der Verein auf die Stadtgärtnerei. Diese stützt sich auf Resultate, die dem Amt für Umwelt und Energie (AUE) vorliegen. Diese stammen wiederum aus einer Studie vom Februar, die von Immobilien Basel-Stadt in Auftrag gegeben wurde. Zahlreiche Bodenproben legten offenbar diese Empfehlungen nahe. Die Stadtgärtnerei wird daher zusammen mit dem FGV Dreispitz am 29. Juni bei einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung über die Resultate der Bodenproben informieren.

Noch keine Zahlen zum Bleigehalt

Ob die Hobby-Gärtner nun über viele Jahre hinweg potenziell bleiverseuchtes Gemüse konsumiert haben, ist noch nicht bekannt: Vor dem Info-Anlass für die Pächter möchte die Stadtgärtnerei keine Details zu diesem Bericht und zum weiteren Vorgehen veröffentlichen. Genaue Zahlen zu den Bodenproben sind also nicht publik. Wie Brigitte Vogel, Sprecherin der Stadtgärtnerei, auf Anfrage der TagesWoche festhält, würden erst im Anschluss an die besagte Veranstaltung Details zur Untersuchung folgen.

«Hoffentlich wird dort reiner Wein eingeschenkt», sagt Rudolf Krieg, Präsident des FGV Dreispitz und seit über 20 Jahren Pächter auf dem Areal. Abgesehen von den Gemüsewarnungen, die ihm von der Stadtgärtnerei übermittelt wurden, sind auch ihm keine näheren Angaben zu den jüngsten Bodenproben bekannt. Die Geheimnistuerei der Behörden habe bei den Pächtern Erstaunen ausgelöst. Jetzt wolle man erst einmal abwarten. Besorgte Reaktionen von Hobby-Gärtnern habe Krieg nach dem Brief jedenfalls keine erhalten.

Bekanntlich hat der Oberboden in Teilen des Areals beim Walkeweg ein Altlasten-Problem. Bauschutt und Schlacke, welche unter anderem Teer und Öl enthält, ist auf dieser Parzelle schon seit Jahren nachgewiesen. Im März hat daher die Regierung grünes Licht für eine Altlastensanierung gegeben. Diese kommt den Kanton auf 20,2 Millionen Franken zu stehen.

Recherchen der TagesWoche ergaben zudem, dass die giftigen Abfälle wahrscheinlich auf die Explosion eines Petrollagers der SBB am 16. Juli 1935 zurückzuführen sind. Auch das AUE, welches für Altlasten zuständig ist, schliesst einen Zusammenhang mit diesem Brand nicht aus.

Konversation

  1. Viele Familiengärten verkommen eh zu monotonen Rasenwüsten und Dünger-Pestizit-Gebiete. Da darf bei gewissen Leuten kaum ein wildes Pflänzchen wachsen, zack wird’s mit Gift gedrängt. Natürlich gibt’s immer noch sehr positive Familiengartenbeispiele, doch leider nimmt der Trend zu, seine Familiengärten zu Kindespielplätze, monotone Liegewiesen etc. umzuwandeln. Hauptsache der Mega-Grill steht gut im Licht 😉

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  2. Wem nützt’s?
    Könnte es sein, dass man die Gärtner erschrecken will und in naher Zukunft das Areal für Wohnungsbau nutzen will? Wer überprüft die Tests?

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