Villa Rosenau nach Brand weitgehend zerstört

Sie wurde geliebt und sie wurde gehasst, die Villa Rosenau. Und nun ist sie durch ein Feuer schwer beschädigt worden. Die Polizei schliesst einen politischen Hintergrund nicht aus. Inzwischen sind die ersten Bewohner bereits wieder eingezogen.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Sie wurde geliebt und sie wurde gehasst, die Villa Rosenau. Und nun ist sie durch ein Feuer schwer beschädigt worden. Die Polizei schliesst einen politischen Hintergrund nicht aus. Entsprechend gross war das Aufgebot am Brandort.

Es ist ein strenges Wochenende für die Basler Feuerwehrleute. Am Samstag: Grossbrand in einem Wohnhaus am Kembserweg. Dann heute, Sonntagmorgen: Brand in der Villa Rosenau.

Villa Rosenau!

Genau, das besetzte Haus bei der Flughafen- und Neudorfstrasse, für die einen ein Skandal, für die anderen der letzte Hort der Freiheit in dem nach und nach durchgentrifizierten Basel (mehr dazu im Kasten unten).

Fast logisch also, dass die Sicherheitkräfte eine politisch motivierte Racheaktion für möglich hielten, als am Sonntagmorgen, 7 Uhr, die Brandmeldung von der Flughafenstrasse einging. Polizeikommandant Gerhard Lips und Sicherheitsdirektor Baschi Dürr wurden umgehend informiert. Und für beide war klar, dass sie sich auch persönlich ein Bild vom Brand machen sollten. So legte der neue Sicherheitsdirektor am dritten Tag an seiner neuen Arbeitsstätte bereits die zweite Sonderschicht ein (nach dem verpassten freien Freitagmorgen).

Feuerwehr und Bezirksfeuerwehr, Sanität und mehrere Polizeipatrouillen, das war es, was Dürr und Lips bei ihrem Sondereinzsatz zu sehen bekamen neben den zwölf Rosenaubewohnern, die sich selbst aus dem brennenden Haus retten konnten. Eine Person wurde dabei leicht verletzt. (Die Medienmitteilung der Staatsanwaltschaft ist auf der Rückseite dieses Artikels zu finden.)

Besetzer räumen die Villa

Nach den ersten Abklärungen kann eine Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden. Für wahrscheinlicher halten die Ermittler aber offenbar eine andere Brandursache. Irgendeine Ungeschicklichkeit. Oder ein technisches Problem. «In den kalten Monaten kann es wegen irgendwelchen Problemen mit den Heizungen schon mal zu einer Häufung von Brandfällen kommen, so wie wir sie über diesses Wochenende registrieren mussten», sagt René Gsell, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft, nach dem Brand am Kembserweg und in der Villa Rosenau. Die Ermittlungen laufen allerdings weiter.

Feststeht dagegen, dass die Villa bis auf weiteres nicht mehr bewohnt werden kann, weil die linke Hälfte Seite ausgebrannt ist. Und vielleicht wird auch gar nie mehr irgendjemand ins Haus einziehen können. «Wegen der Statik», wie es bei der Staatanwaltschaft heisst. Am Sonntagmittag räumten die Besetzer jedenfalls schon mal das Handwerkszeug, die Drehbank, die Maschinen aus dem Kraftraum und sonst noch so das eine oder andere aus der Villa. Darum herum waren Polizisten und Feuerwehrleute mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

Drei Bewohner bereits wieder eingezogen

Ganz so schnell wollen die Besetzer die Villa Rosenau aber offenbar nicht aufgeben. Am Montag berichtete das SRF-Regionaljournal, dass drei Bewohner bereits wieder in die beschädigte Villa eingezogen seien. Dies, obwohl die kriminaltechnischen Abklärungen zur Brandursache noch nicht geklärt und der Zutritt zur Villa deswegen noch gesperrt ist. Gegenüber den Regionaljournal sagten die Besetzer: «Wir bleiben hier und bauen die Villa wieder auf.»

Derzeit kursiert aber auch ein Spendenaufruf des Vereins OFF für die nun obdachlosen Bewohner der Villa Rosenau. Darin steht, dass die Bewohner  «längerfristig auf der Suche nach einem neuen Wohnraum» seien, «der zulässt, dass sich das Kollektiv von 7-10 Leuten nicht trennen muss.» 

Ist sie nun ein Übel oder ein letzter Hort der Freiheit? Die Betrachtungsweise der Villa Rosenau hängt ganz offensichtlich stark von der eigenen politischen Haltung ab: Für die rechte Basler Zeitung ist das Haus «ein rechtsfreier Raum», von dem Gewalt und Krawall ausgeht, für die linke Wochenzeitung (WoZ) eine «Bastion der Lebendigen», in der Kultur, Kreativität und Freigeist daheim sind. Interessant zu lesen sind beide Darstellungen. Aber auch richtig? Zumindest nach Aussage der Staatsanwaltschaft gibt es das in Basel nicht, einen rechtsfreien Raum.

Konversation

  1. Nach der StaGä kam das Union, nach dem Union das NT-Areal. Die Villa Rosenau kannte ich nicht mehr. Trotzdem schade um jeden alternativen Raum, der verschwindet. Irgendwo gibt es sicher wieder einen neuen Platz. Nur Mut, wo etwas zerstört wird, wachst andernorts etwas Neues. Wie die Phoenix aus der Asche.

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  2. Trotz der Tragik der Ereignisse, wieso reden alle vom Ende? DIe Villa gibts schon so lange, es ging drunter und drüber, viel geschah in und um sie herum und trotzdem steht sie noch! Wortwörtlich! Ich denke nicht, dass dieser Ort so schnell aufgegeben wird….

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  3. Dabei ist das so notwendig in unserer normierten und konformen Welt.
    Es gibt Menschen die sich da nicht einfügen können oder wollen.
    Vielleicht ist es auch ein selbstgewählter Lebensentwurf, wo normale Mieten nicht drin liegen.
    Dabei sind es gerade die Menschen, die sich etwas ausserhalb bewegen, die der Stadt einen farbigen Tupfer geben.

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  4. Den 3. Februar 2013 werde ich wohl leider lange nicht vergessen können, denn es ist schon sehr schade das genau heute das Schiff schloss (club), doch dass jetzt auch noch die Villa starb, hinterlässt ein riesiges Loch. Einer der schönsten Basler Orte, verbrannt. Sie hinterlässt eine grosse Leere.
    Immerhin wusste die Tageswoche adequat darüber zu berichten und nicht bloss zu titulieren, das „Baschi“ heute morgen überzeit leisten musste. Nun können Sie sich beweisen, Herr Dürr!

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