Vogel Gryff im Zeichen des Leu

Der Vogel Gryff 2014 steht im Zeichen des Leu bzw. der Ehrengesellschaft zum Rebhaus. Deshalb tanzen die drei Ehrenzeichen dieses Jahr bereits sehr früh durchs Kleinbasel.

Streckt zuweilen nicht nur dem Grossbasel sein Hintern entgegen: der Vogel Gryff beim ersten Tanz (Bild: Dominique Spirgi)

Der Vogel Gryff 2014 steht im Zeichen des Leu bzw. der Ehrengesellschaft zum Rebhaus. Deshalb tanzen die drei Ehrenzeichen dieses Jahr bereits sehr früh durchs Kleinbasel.

Danz Vogel-Gryff,
danz fir uns uff dr Brugg,
doch nur bis in d’Mitti
und denn wider zrugg.

(Anonyme Zeilen von www.vogel-gryff.ch)

Es ist ja jetzt der Moment der Geständnisse in Basel. Also greife auch ich zu einem. Es war vor Jahren am Vogel Gryff, als mir als Schulbub die grosse Ehre zuteil wurde, am Abendumzug eines der Stäggeladärnli tragen zu dürfen. Die Sache hatte aber einen grossen Haken: Damals war ich noch Grossbasler. Der Gesellschaftsbruder, der den Deal für mich eingefädelt hatte, wies mich denn auch eindringlich darauf hin, dass ich meine Herkunft unter allen Umständen zu verheimlichen habe. Eingeschüchtert sprach ich danach den ganzen Abend lang gar nicht mehr. Die anderen Stäggeladärnli-Buben erfuhren so nicht, dass ihr seltsam stummer Kollege von der falschen Seite des Rheins stammte.

Seit Jahrhunderten ist der Vogel Gryff der höchste Feiertag im Kleinbasel. Und auf das Kleinbaslerische wird höchsten Wert gelegt. Die drei Ehrenzeichen Vogel Gryff, Leu und Wild Maa, achten tunlichst darauf, dem Grossbasel, das ihnen mit dem Lällekönig die Zunge zeigt, stets den Rücken zuzukehren. Besonders, wenn sie sich am Mittag bis zum Käppelijoch mitten auf die Mittleren Brücke wagen. Und wer Mitglied in einer der drei Ehrengesellschaften zum Greifen, Rebhaus oder Hären werden möchte, muss als Grundvoraussetzung nicht nur Mann, Basler Bürger und «wohlbeleumundet» sein, sondern auch Wohnsitz im Kleinbasel haben oder aber über ein «bedeutsames Grundeigentum im Stadtteil» verfügen.

Trotz allem ein Volksfest für alle

Das klingt alles sehr exklusiv und abschottend. Trotz allem ist der Kleinbasler Vogel Gryff auch ein Volksfest für alle. Wenn sich die 450 Gesellschaftsbrüder kurz nach Mittag für mehrere Stunden ins Kongresszentrum der Messe Basel zum Gryffemähli zurückziehen, bleiben die drei Ehrenzeichen und die sie begleitenden Tambouren, Fahnenträger und die vier Ueli auf der Gasse. Rund 50 Mal absolvieren die drei Figurenträger in ihren nicht gerade leichten Masken und Kostümen die traditionellen Tänze (hier die Trommelbegleitung zum Nachlesen und -hören), die übrigens nicht niedergeschrieben sein sollen, sondern jeweils von Mann zu Mann weitergegeben werden.

An diesen Tanzstationen, zumindest an den allermeisten, sind Frauen, Kinder und die Bevölkerung des Grossbasels als Publikum willkommen. Und auch, wenn das mit der Männerclique Olympia erweiterte Spiel ab 19 Uhr zum Abendumzug aufbricht (das ist eben der mit den Stäggeladärnli-Buebe). Speziell willkommen sind die Kinder beiderlei Geschlechts übrigens am Morgen, bevor der Wild Maa um 10.30 Uhr beim Wild Maa-Horst im Solitüde-Park das Floss besteigt. Dann werden an die anwesenden Kinder Hefeschnecken verteilt.

«Eher konservativ eingestellt»

In ihrem Selbstbeschrieb deklarieren sich die drei Ehrengesellschaften als traditionsverbunden und deshalb «gegenüber Veränderungen von lieb gewonnenen Werten eher konservativ eingestellt». Dafür spricht natürlich, dass man bis heute keine Frauen als Mitglieder aufnimmt. Bis heute zumindest. Denn in den gesellschaftspolitischen Grundsätzen der Ehrengesellschaften ist der interessante Satz zu lesen: «Wir sind aus traditionellen Gründen eine Männergesellschaft solange die Mehrheit der Gesellschaftsbrüder dies so wünscht.» Wer weiss also, was die (wohl nicht allzu nahe) Zukunft bringen wird.

Der diesjährige Vogel Gryff steht übrigens im Zeichen der Ehrengesellschaft zum Rebhaus mit ihrem Wappentier Leu (die drei Gesellschaften wechseln sich in der Federführung über den Feiertag jeweils ab). Es handelt sich mit der erstmaligen urkundlichen Erwähnung im Jahr 1304 um die älteste der drei. Vielleicht liegt es daran, dass der Vogel Gryff im Zeichen des Leu so früh im Jahr, nämlich bereits am 13. Januar, stattfindet.

» Die ganze Marschroute zum Ausdrucken (PDF)

Zeit Ort
09:50 Abfahrt mit Polizei-Oldtimer-Mannschaftswagen zum Wild Maa-Horst
10:30 Start zur Talfahrt des Wilde Maa (Zeit abhängig von der Wasserführung des Rheins)
11:00 Landung des Flosses beim Kleinen Klingental
11:05 Tanz vor Vorsitzender Meister zum Rebhaus Peter Stalder vor dem Kleinen Klingental
11:15 Tanz vor Hären-Vorgesetzter Fritz Jenny Oberer Rheinweg 57
11:20 Tanz vor Hären-Meister René Thoma vor dem Haus «zum Roten Schneck», Oberer Rheinweg 69
11:25 Tanz vor Greifen-Vorgesetzter Balz Herter vor dem Restaurant Fischerstube, Rheingasse 45
11:30 Tanz vor Greifen-Meister Raymond Schmid vor dem Hotel Krafft, Rheingasse 12
11:35 Tanz vor Pächter-Ehepaar Urs & Elisabeth Füeg auf der Café Spitz-Terrasse
Einkehr zum Imbiss 
11:55 Abmarsch vor Hotel Merian zum Tanz auf der Mittleren Brücke
12:00 Tänze vor 3E-Spielchef Andreas Lehr auf der Mittleren Brücke beim Käppelijoch
12:10 Tanz vor Hären-Schreiber Urs Weiss Rheingasse 48
12:15 Tanz vor Rebhaus-Vorgesetzter Hans Schnider Utengasse 58
12:20 Tanz vor Rebhaus-Vorgesetzter Hans Imbach vor dem Restaurant zum Rebhaus
12:25 Tanz vor Hären-Vorgesetzter René Wegmüller vor der Theodorskirche
12:30 Einzug ins Bürgerliche Waisenhaus (nicht öffentlich) und Tanz vor Waisenvater Uli Hammler
Einkehr zur Suppe
13:10 Tanz im Bürgerlichen Waisenhaus und Abmarsch
13:20 Tanz vor 3E-Horstverwalter Roland Frank im Hof Lindenberg 12
13:30 Tanz vor Greifen-Statthalter Stefan Ospel vor dem Tramhaus Claraplatz (Eingang Rätz-Stadt)
13:40 Tanz vor Greifen-Schreiber Michael Fischer vor dem AGB-Keller, Hammerstrasse 71
13:45 Tanz vor 3E-Verwalter Beat Angliker vor dem Kongresszentrum Basel, Messeplatz 21
14:45 Auftritt der Spieltambouren auf der Bühne am Gryffe-Mähli
14:50 Ueli-Kollekte am Gryffe-Mähli
15:00 Einzug der drei Ehrenzeichen und Tänze am Gryffe-Mähli im Festsaal San Francisco
15:25 Tanz vor Rebhaus Statthalter Dr. Claude Beranek vor dem Kongresszentrum Basel, Messeplatz 21
15:35 Tanz vor Greifen-Vorgesetzter Stefan Bruderer vor dem Claraposten, Clarastrasse 38
15:40 Tanz vor zwei Überraschungsgästen auf der Claramatte
Tänze speziell für Kinder
15:50 Tanz vor Alexander Aebi vor dem Alt Näscht Clique-Keller, Sperrstrasse 42
Einkehr zur 1. Station
16:15 Reverenz und Abmarsch Richtung Hammerstrasse
16:25 Tanz vor Hären-Statthalter Benjamin Zeuggin vor dem Restaurant Wilder Mann, Ötlingerstrasse 165
16:30 Tanz vor Greifen-Vorgesetzter Dieter Graber vor der Matthäuskirche
Einkehr zur 2. Station
17:00 Reverenz und Abmarsch via Müllheimerstrasse, Haltingerstrasse, Klybeckstrasse
17:10 Tanz vor Rebhaus-Vorgesetzter André Stohler vor dem Restaurant Klybeck Casino, Klybeckstrasse 34
17:15 Tanz vor Alt-Greifen-Meister Walter F. Studer vor dem Restaurant Parterre, Klybeckstrasse 1B
Einkehr zur 3. Station
17:40 Reverenz und Abmarsch Richtung Claraplatz
17:50 Tanz vor Rebhaus-Vorgesetzter Stephan Rosch vor der Clarakirche
17:55 Tanz vor Hären-Vorgesetzter Rolf Jeger im Hof Altersheim zum Lamm
18:00 Tanz vor Alt-Vorgesetzter Dr. Christoph Stutz vor dem Hotel Merian
Heimkehr ins Stammhaus
18:55 Tanz vor Buebegeneral Roland Häuselmann und seinen Stäggeladärne-Buebe vor dem Hotel Merian
19:00 Abmarsch mit der Fasnachtsgesellschaft Olympia via Untere Rheingasse > Sägergässlein > Ochsengasse > Utengasse
19:10 Tanz vor dem Restaurant Schafeck
19:15 Abmarsch via Utengasse > Schafgässlein > Rheinbasse
19:25 Tanz im Restaurant Fischerstube
19:50 Abmarsch via Rheingasse > Lindenberg > Utengasse > Schafgässlein
20:00 Tanz im Restaurant Volkshaus
20:25 Abmarsch via Claraplatz > Clarastrasse > Riehenring
20:40 Tänze im Restaurant und Saal Altes Warteck
21:15 Tanz vor dem Restaurant Ueli-Stube
21:20 Abmarsch via Riehenring > Drahtzugstrasse > Hammerstrasse
21:30 Tanz im Restaurant zum Hahn (nur Spiel)
21:35 Tanz im Restaurant Rheinfelderhof
22:00 Abmarsch via Hammerstrasse > Clarastrasse > Claraplatz > Rebgasse
22:15 Tänze im Restaurant und Saal zum Rebhaus
22:45 Tanz vor dem Restaurant Rebhaus
22:50 Abmarsch zum Schlussgang via Lindenberg > Rheingasse
23:00 Heimkehr ins Stammhaus und Schlusstänze im Restaurant Café Spitz und Merian-Saal
Schlussambiente

 

Ausstellung im Restaurant zum Rebhaus
Die Ehrengesellschaft zum Rebhaus organisiert in ihrem Vorsitz-Jahr eine Ausstellung über die Drei Ehrengesellschaften Kleinbasels. Die Ausstellung findet vom 18. Januar 2014 bis 25. Januar 2014 im ersten Stock des Restaurants Rebhaus statt, dem letzten noch existierenden Gesellschaftshaus. Der Eintritt ist gratis und auf Wunsch werden Führungen angeboten.

Konversation

  1. … für där schöni Artikel. Ich als Wiiler Nochber ha de Vogel Gryff auch schu sytt Johrzehnde liebgwunne- uns Buech vom Rolf Jeck „Diryff Dyff Dyff- de Vogel Gryff“ erschiene am änd vu de achtziger johre im Basler-Zyttigs-Verlag -un mir aafang dä Nünziger wun ich z Basel gschafft ha, vu ne me liebe Patient gschänggt, stoht noch hütt in mim Buecherregal- gärn un oft noochegläse !
    Was mich aber jetze wirklich wundernimmt, isch de dritti Zeile vu dem Iigangsgedicht, wu Sie zidiiere dien… „doch nur – bis in d´Mitti“…
    -müessti das aigedlig nyt Korrägderwys… „aber numm(e) – bis in Mitti“
    heisse ?Was würde wohl Schproochwächter wie de Carl Miville un anderi dezue saage ? Pardon- ych mein jo numme- ich loss mi aber au gärn korrigiere ! Desjohr wu de Wild Maa amme Määndig s Dännli schwingt, chan ich laider nyt däbi syy- s isch schaad drumm- aber die beide letschti Joohr wars jo amme Samschdig- un arg scheen! Übrigens- Euri neui Sympadischi Mitarbeitere, wu us Bärlin uf Basel chu isch und vu Beruef Kunschthischtorikeri- DIÄ müen Ihr vu de Redaggtion unbedingt aaneschigge- es isch ä gueti Gläägeheit für so jemande (Glai)-Basler Aigeheide nööcher Kennezlere… Sie wär Iibrigens nitt die ärschdi Preussi wu über dä alti Volggsbruuch schtuune würd… wu vor einige Joohre die „Grande Dame“ vu de „ZEIT“- Marion Gräfin Dönnhoff, gschtorbe isch- do hett Ihre dieselbi ä Noochruef gwidmet mit ämmä huufe Bilder uus Ihrer Zytt… un do drunter war e wunderbari Uffnahm uss de Drissiger Johr (ich glaub anne 37 ?) wu de Jungi Schtudenti Dönnhoff wu Ihrem Profässer, der wu wäge de Nazis vu Frankfurt an d Uni Basel gangen (gflohe !) isch, gfolgt isch, dertemols uusenem Fänschter vum alte Unigebäude am Rhyschprung uusegluegt un vu de Großbasler Sytte us zugluegt het, wie de Wild Maa de Rhy aabe faart… Irgendwu im Gruschd in miine viele Regale han ich bschtimmt des Bild uffbewahrt- well mich des e soo grührt het- ich has numme jetzt grad laider nitt zur Hand… aber syggs drum- ich wünsch allenen Glai und Großbasler ä scheene Vogel Gryff am nächschdi Määndig ! Solli zämme !

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