Wem gehört die Klybeckstrasse? Eine bunte Karte der Hausbesitzer

Die Vielfalt der Klybeckstrasse spiegelt sich in den Eigentumsverhältnissen. Hier geben nicht Investoren den Ton an, sondern Einzelpersonen, Erbgemeinschaften, die öffentliche Hand und Genossenschaften. Ein Überblick.

Hier fängt die Klybeckstrasse an und durchquert das ganze untere Kleinbasel.

(Bild: Basile Bornand)

Die Vielfalt der Klybeckstrasse spiegelt sich in den Eigentumsverhältnissen. Hier geben nicht Investoren den Ton an, sondern Einzelpersonen, Erbgemeinschaften, die öffentliche Hand und Genossenschaften. Ein Überblick.

Durch einen Klick auf die farbigen Flächen (Parzellen) erfahren Sie mehr über die Eigentumsverhältnisse. Über die obere Leiste können Sie filtern, um zu sehen, ob die Eigentümer die Parzelle selbst nutzen und ob mehrere Eigentümer eine Parzelle besitzen. Hier geht es zu den Rohdaten. Viel Spass beim Erkunden der Visualisierung.

Im Sommer haben wir die Eigentumsverhältnisse an der Freien Strasse – und damit an einer Geschäftsstrasse – genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Basels Einkaufsmeile ist in der Hand von Investoren.

Wie sieht es aber an der Klybeckstrasse aus? Wird die bunteste und belebteste Strasse der Stadt ebenfalls von Investoren regiert? Die Klybeckstrasse hat in den letzten Jahren einen grossen Wandel erlebt – liegen die Gründe dafür vielleicht in den Eigentumsverhältnissen?

Gleich der erste Blick ins Grundbuch offenbart einen grossen Unterschied zur Freien Strasse. An der Klybeckstrasse sind die privaten Eigentümer in der Überzahl, sie verteilen sich vor allem auf die zahlreichen kleinen Parzellen, wo sich meist kleinere Mehrfamilienhäuser befinden. Klassische Immobilien-Investoren hingegen finden sich hauptsächlich auf den wenigen grösseren Parzellen auf der Rheinseite. Ebenfalls auffällig ist, dass es sehr viele Parzellen gibt, auf denen sich mehrere Eigentümer tummeln. Auf einer der Parzellen versammeln sich gar 22 verschiedene Besitzer.

Andreas Zappalà, FDP-Grossrat und Geschäftsführer des hiesigen Hauseigentümerverbandes, hat eine mögliche Erklärung: «Viele dieser Häuser gehören oder gehörten älteren Menschen. Wenn nach deren Tod das Eigentum an die Erben übergeht, entstehen häufig Erbgemeinschaften.» Eine Immobilie, die zuvor einer Person gehört hat, habe dann plötzlich drei oder mehr Eigentümer. So teilen sich ganze 165 Eigentümer die insgesamt 112 Parzellen an der Klybeckstrasse.

Weitere Gründe für die Kleinteiligkeit des Immobilienbesitzes kennt der Quartierbewohner und pensionierte Architekt Ruedi Bachmann. Als in den 1970er-Jahren dank Landflucht und Überalterung die ersten Investoren im Quartier aktiv wurden und alte Liegenschaften zugunsten ihrer Wohnbunker niederrissen, habe dies im Quartier für Aufruhr gesorgt. «Wir begannen uns für die sanfte Sanierung alter Häuser starkzumachen, wollten Genossenschaften gründen, Häuser aufkaufen und so die Eigenheiten des Quartiers erhalten», erinnert sich Bachmann. Dank günstiger Hypotheken sei es den Quartierbewohnern gelungen, die ganz grosse Investorenoffensive abzuwenden, sagt Bachmann.

Wenig Wohneigentum, viele Mieter und ein Genossenschaftsnest

Allerdings zeigt eine Auswertung der Grundbuchdaten, dass kaum ein Hausbesitzer seine Liegenschaft selber bewohnt. Man kann sagen: Wohneigentum ist an der Klybeckstrasse rar gesät. Umgekehrt bedeutet das, dass fast alle, die dort wohnen, ihre Wohnung gemietet haben.

Im spannendsten Teil der Klybeckstrasse, zwischen Kaserne und Dreirosenbrücke sind die privaten Eigentümer tonangebend, entsprechend vielfältig fallen die Erdgeschossnutzungen aus. Dies wiederum schlägt sich auf den Immobilienmarkt nieder, wie Zappalà sagt: «Die Klybeckstrasse ist eine sehr interessante Lage, kulturelle Vielfalt, reges Leben. Wer dort verkauft, erzielt gute Preise.» Dabei sei die Kleinteiligkeit keineswegs ein Hindernis. «Kleine Parzellen lassen sich dichter bebauen, damit steigt der Ertrag pro Quadratmeter.»

Interessant ist auch die Entwicklung im nördlichsten Teil der Klybeckstrasse, wo sich ein Genossenschaftscluster gebildet hat. Die Wohngenossenschaft Klybeck konnte ihre Häuserzeile 2004 von der Novartis kaufen und dadurch den günstigen Wohnraum in den ehemaligen Arbeiterwohnungen erhalten. Gleich in der Nachbarschaft wird bald das Areal der BASF frei.

Noch ist unklar, was dort geschehen soll. Viele Menschen im Quartier hoffen aber darauf, dass dort weitere Genossenschaften Wohnraum bauen dürfen. Inzwischen sind auch weiter unten an der Klybeckstrasse neue Genossenschaften entstanden, so etwa an der Hausnummer 101, wo vor Kurzem die Genossenschaft Mietshäuser Syndikat die Liegenschaft kaufen und damit der Spekulation entziehen konnte.

_
Nun wissen wir also, wem die Klybeckstrasse gehört. Und wir wissen auch, dass dort Wohneigentum die ganz grosse Ausnahme ist. Damit hat unsere Recherche aber erst angefangen, wir wollen noch mehr über die wichtigste und belebteste Strasse im Kleinbasel erfahren. Für den nächsten Schritt sind wir auf Ihre Mithilfe angewiesen. Wir wollen nämlich herausfinden, wie teuer oder günstig es sich an der Klybeckstrasse lebt. Es wäre toll, wenn Sie uns dabei unterstützen und an unserer Umfrage teilnehmen würden.

Vielen Dank im Voraus.

Konversation

  1. Diese Mietpreisumfrage stimmt mich recht skeptisch. Zum einen dürfte sie hochgradig unrepräsentativ sein. Wer liest denn in der Klybeckstrasse alles TaWo? Zum andern ist es vielleicht nicht ganz unwahrscheinlich, dass gerade jene, die sie lesen (d.h. die TaWo-Leser_innen) und an ihr teilnehmen, eher die teureren Wohnungen in der Klybeckstrasse bewohnen. Könnte dann eine Offenlegung nicht dazu führen, dass Eigentümer, die Mietpreise unterm erhobenen – und eben vielleicht eher höher ausfallenden – Schnitt verlangen, geneigt sind, ein wenig anzuziehen…?

    PS: selbst als Bewohner der Klybeckstrasse weiss ich, dass sogar im selben Stock der Mietzins ganz erheblich variiert. Bitte grösste Vorsicht vor vorschnellen Schlüssen und verräumlichten Darstellungen…!

    Danke Empfehlen (0 )
    1. Vielen Dank für Ihre kritischen Anmerkungen. Wir sind uns der möglicherweise stark eingeschränkten Aussagekraft der Umfrageergebnisse bewusst. Deshalb fragen wir nach der Adresse, so können wir zumindest abschätzen, wie sich die Antworten auf die Strasse verteilen.
      Ihr Argument gegen eine Offenlegung teile ich jedoch nicht. Damit können Sie letzlich jedem Versuch, Transparenz zu schaffen, den Wind aus den Segeln nehmen. Nicht nur dürften die Vermieter sehr genau wissen, in welchem Bereich sich die Mietzinsen in der direkten Umgebung bewegen, es könnte auch genau das Gegenteil des von ihnen skizzierten Szenarios eintreten. Etwa wenn Mieter sehen, dass sie übermässig viel bezahlen müssen, und ihren Vermieter damit konfrontieren können.

      Danke Empfehlen (0 )

Nächster Artikel