Wyss‘ Archiv: Frau Sacher und Fräulein Stehlin

Der Mäzenin Maja Sacher, geborene Stehlin, verdankt Basel viele Kunstwerke und ein ganzes Museum – genauso wie ihrer Enkelin Maja Oeri.

Maja Sacher mit der Skulptur, die sie als Maja Stehlin schuf, und vor einem Chagall-Bild in ihrem Privathaus auf dem Schönenberg bei Frenkendorf. (Bild: Kurt Wyss)

Der Mäzenin Maja Sacher, geborene Stehlin, verdankt Basel viele Kunstwerke und ein ganzes Museum – genauso wie ihrer Enkelin Maja Oeri.

Um gleich jeden Zweifel zu beseitigen: Fräulein Stehlin und Frau Sacher sind die gleiche Person. Es liegen lediglich ein paar Jahre dazwischen. Der Vorname bleibt Maja. In jungen Jahren hatte sie sich unter dem alten Namen als Bildhauerin ausgebildet, unter anderem bei Antoine Bourdelle in Paris, wo sie mit ihrem Mann bis 1930 lebte.

Aus dieser Zeit dürfte die Skulptur stammen, die eine Mutter mit ihrem Kind zeigt und sehr präsent ist, als sich die nun über ein halbes Jahrhundert ältere Maja, inzwischen Frau ­Sacher geworden, 1976 in ihrer Villa auf dem Schönenberg bei Frenkendorf von Kurt Wyss fotografieren liess. Über den beiden, der Skulptur und ihrer Schöpferin, hängt ein Chagall.

Die Veröffentlichung dieses Bildes verzögerte sich. Die Bewohner des Schönenbergs hatten allen Grund, vorsichtig und diskret zu sein. Damals gab es offenbar Pläne, Majas zweiten Ehemann, den Dirigenten Dr. Paul ­Sacher, zu entführen. Die österreichische ­Autobahnpolizei hatte im Auto eines italienischen Kellners entsprechende Dokumente gefunden. Das Bild war aber offenbar zu gut, als dass man es ewig in der Schublade hätte behalten wollen. Wenig später erschien es in einem zu Ehren von Maja Sacher publizierten Buch.

Maja Sacher finanzierte nicht nur Kunstwerke, sie setzte sich auch mit Kunst auseinander.

Maja Sacher ist als grosszügige, kenntnisreiche und innovative Mäzenin im Bereich der bildenden Kunst bekannt. Dass sie als Fräulein Stehlin selber künstlerisch tätig war, ist weniger bekannt. Und man fragt sich, was geworden wäre, wenn sie ihre Kreativität nicht auf Kunstförderung verlegt hätte. 1921 heiratete sie Emanuel Hoffmann, der einen Teil seiner Mittel aus dem Pharmakonzern Hoffmann-La Roche zur Förderung moderner Kunst einsetzte.

Nach dem frühen Tod ihres Ehemannes gründete sie 1933 die bekannte Emanuel Hoffmann-Stiftung, der das Kunstmuseum Basel zahlreiche erstklassige Bilder der Moderne verdankt. Später ermöglichte sie die Gründung des Museums für Gegenwartskunst.

Ihr Geist lebt in der Enkelin weiter, ebenfalls einer Maja, aber mit Namen Oeri. Ihr verdankt Basel ebenfalls vieles, unter anderem das Schaulager in Münchenstein, den Laurenzbau mit dem Kunsthistorischen Seminar und den künftigen Erweiterungsbau des Kunstmuseums. Für die Enkelin wie für die Grossmutter gilt: Das Kunstengagement beschränkt sich nicht auf die Finanzierung, sondern ist mit ernster inhaltlicher Auseinandersetzung verbunden. Nach dem ehemaligen Fräulein ist, was bisher wenigen Frauen zuteil wurde, in Basel ein Platz benannt.

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 21.06.13

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