Zwei Stadtführer richten spezielle Augen-Blicke auf Basel

Zwei neue Stadtführer laden zu besonderen Spaziergängen ein: Einer richtet sein Augenmerk auf unscheinbare, aber charmante Kleinigkeiten, der zweite konzentriert sich wissenschaftlich vertieft auf bedeutende Baudenkmäler der Altstadt.

Dohlendeckel beim Restaurant Klingental.

(Bild: Silvia Buol)

Zwei neue Stadtführer laden zu besonderen Spaziergängen ein: Einer richtet sein Augenmerk auf unscheinbare, aber charmante Kleinigkeiten, der zweite konzentriert sich wissenschaftlich vertieft auf bedeutende Baudenkmäler der Altstadt.

Die Basler Altstadt hat prächtige Seiten mit ihren Gassen und Plätzen, die zumindest teilweise noch von intakten Ensembles mit Baudenkmälern aus dem Mittelalter bis zum Barock gesäumt werden. 

Wer durch sie hindurch schlendert, trifft auf repräsentative Anwesen und einfache Wohnhäuser, die Teil einer lange zurückliegenden Stadtgeschichte sind. Und man kann kleine, auf den ersten Blick unscheinbare Details entdecken, die ganz eigene Geschichten zu erzählen wissen, wenn man sich darauf einlässt.

Zwei Bücher, die in den letzten Wochen erschienen sind, können auf diesen Stadtspaziergängen Hilfe leisten – auf ganz unterschiedliche Art, wie schon aus den Titeln und dem Umfang der Werke herauszulesen ist:

  • Das eine trägt den nicht sonderlich prickelnden Titel «Die Altstadt von Grossbasel II. Profanbauten». Es handelt sich um Band VIII, den die Reihe «Die Kunstdenkmäler der Schweiz» der Baugeschichte Basels widmet. Es ist mit rund 500 Seiten ziemlich dick und nur bedingt dazu geeignet, um als Handbuch auf einem Altstadt-Spaziergang zu dienen.
  • Das andere verspricht im Titel, Leserinnen und Leser auf sieben Spaziergängen durch Basel den «Reiz des Nebensächlichen» entdecken zu lassen. Das ausgesprochen hübsch aufgemachte, rot ummantelte Büchlein ist handlich und leicht genug, dass man es ohne Probleme auf den Spaziergang mitnehmen kann. 

Dass hier diese beiden doch ziemlich unterschiedlichen Werke in einem Guss vorgestellt werden, hat aber durchaus seinen Grund: Sie ergänzen sich bestens. Beides sind Werke, die einem die Altstadt Basels näherbringen können. Ungleich fundierter oder flirrender, als dies zum Beispiel ein gängiger Reiseführer oder sonst ein durchschnittlicher Basiliensia-Schinken tun kann.

So kann man sich im Kunstdenkmäler-Band zum Beispiel in die Geschichte der schönen und prächtigen alten Bauten am Heuberg einlesen. Zum Beispiel in diejenige des grossbürgerlichen Anwesens Spiesshofs, der als eine der wenigen Renaissance-Bauten und als eines der Hauptwerke dieser Bauepoche in der Schweiz und am Oberrhein eine besondere Stellung einnimmt. 

Das Reizvolle daran ist, dass der reich und vor allem ausgesprochen schön bebilderte Text auch einen Blick hinter die Fassade erlaubt.

Wer irgendwann genug bekommen hat von dieser bedeutungsschwangeren Pracht, kann sich vom kleinen roten Büchlein nur wenige Meter weiter den Heuberg aufwärts zu einer skurrilen Nebensächlichkeit führen lassen: zu einem Kleinst-Gebirge, das aus der Gartenmauer eines weiteren repräsentativen Baus herauszuwachsen scheint.

Solche Gegensätzlichkeiten oder Entsprechungen lassen sich viele finden. Natürlich kann es der kleine Spazierführer, der vom Kunsthistoriker Simon Baur und der Künstlerin Silvia Buol (das Gespann tritt als «Die nomadisierenden Veranstalter» auf) herausgegeben wurde, schon rein zahlenmässig nicht mit dem grossen Kunstdenkmäler-Band von Martin Möhle aufnehmen.

Dieser geht mehreren Hundert Bauten, Brunnen, Gassen und Plätzen auf den Grund. Doch der kleine Spazierführer regt dazu an, den Blick vom Augenfälligen zum Unscheinbaren schweifen zu lassen und sich dann auch mal ohne Anleitung dem «Reiz des Nebensächlichen» hinzugeben.
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