Agenda oder Familienplaner gefällig? Wir hätten da einen griffigen Vorschlag

Das neue Jahr beginnt, und die Grossverteiler bieten lieblos gestaltete Agenden an. Zu langweilig? Bei den Designerinnen vom Label «Edition Nord» findet man schmucke Alternativen.

Hallo, du schönes 2017. 

(Bild: Nils Fisch)

Das neue Jahr beginnt, und die Grossverteiler bieten lieblos gestaltete Agenden an. Zu langweilig? Bei den Designerinnen vom Label «Edition Nord» findet man schmucke Alternativen.

Wen es in diesen Tagen in die Geschäfte verschlägt, den erwartet das Grauen: Agenden und Familienplaner, verunstaltet mit Babydelfinen und hirnlosen Lebensweisheiten, quälen den guten Geschmack.

Eine schöne Alternative bieten fünf Basler Designerinnen. Eva Rekade, Julia Jenny, Sarah Graf, Isabelle Christ Wacker (alle 36) und Ayla Walther-Borrmann (35) stellen seit 2011 Agenden her, jetzt haben sie dafür das Label «Edition Nord» gegründet. Und bieten erstmals fürs Jahr 2017 auch einen Familienplaner an.

Kunst zum Reinschreiben

Im Jahr 2013 zierte noch ein mit Bleistift gezeichneter Säntis das Cover, 2015 waren es Linoldrucke der Appenzeller Fauna. Die Agenda 2017 kommt nun klein und fein daher: Auf den weissen Umschlag hat Illustratorin Rekade mit Aquarellfarben Zimmerpflanzen gemalt.



Die Agenda 2017 ist Innen wie Aussen gekonnt gestaltet. 

Die Agenda 2017 ist Innen wie Aussen gekonnt gestaltet.  (Bild: Nils Fisch)

Inwendig bestechen die Agenden durch eine klare Linie: Tage, Wochen und Monate sind übersichtlich angeordnet, ohne Schnickschnack. 

Ausserdem fühlt sich das Papier des Büchleins gut an, wenn man mit der Hand darüber fährt – glätter als Karton, aber rauher als Plastik.

Das ist so beabsichtigt, wie Designerin Graf sagt: «Die Agenda soll einen handgemachten Charakter haben.» 

Die Not machte erfinderisch

Die fünf Frauen trafen sich 2009 nach einer Ausstellung in Basel, kannten sich schon vom Studium, teilweise sogar vom Kindergarten, und beschlossen, ein eigenes «Lieberhaberprojekt» aufzuziehen, wie Graf es nennt.

Doch wieso ausgerechnet eine Agenda?

«Die Agenda ist ein tolles Produkt, und wir wollten etwas neues, eigenes machen», sagt Graf. 




Julia Jenny (links), Sarah Graf und ihre Kolleginnen setzen auf klare Linien und schöne Materialien. (Bild: Nils Fisch)

Doch wer braucht in Zeiten der absoluten Digitalisierung überhaupt noch einen Terminplaner aus Papier?

Diese Frage stellten sich auch die Gestalterinnen: Sie sind überzeugt, dass sich die Menschen gerade heute, da alles am Computer abläuft, wieder Produkte aus guten Materialien wünschen, die sie anfassen und spüren können.

Fertig synchronisieren

Kommt hinzu: Digital bedeutet nicht zwingend übersichtlich, auf dem Smartphone-Kalender kann man auch mal schnell den Überblick über den Monat verlieren.

Dagegen hilft der neue Familienplaner. Er erspart Vater, Mutter und Kind das mühsame Synchronisieren verschiedener Telefonagenden. Die Handschrift der Designerinnen ist auch auf dem Kalender auf einen Blick erkennbar: schönes Material, klare Linien, kein Firlefanz.



Schlicht und übersichtlich, ganz ohne Babydelfine: Der Familienplaner 2017. 

Schlicht und übersichtlich, ganz ohne Babydelfine: Der Familienplaner 2017.  (Bild: Nils Fisch)

Die Produkte sind «made in Switzerland». Edition Nord lässt sie bei Bekannten im Appenzell drucken – für einen Freundschaftspreis. Anders könnten sie sich das Projekt nicht leisten. «Eine Agenda für 70 Franken zu verkaufen, soll nicht der Sinn der Sache sein», so Graf. 

Die Agenda mit Sammlerwert

Die Auflage ist auf 250 Stück pro Produkt limitiert. Dabei geht es nicht in erster Linie ums Geldverdienen, mit den Agenden erwirtschaften die Gestalterinnen höchstens einen kleinen Zustupf zu den Auftragsarbeiten, die sie hauptsächlich erledigen.

Doch in den letzten Jahren haben die Agenden eine Stammkundschaft gewonnen. «Wir setzen deshalb auf ein klares und kontinuierliches Layout, um die gleiche Übersichtlichkeit garantieren zu können», sagt Jenny. 

Und doch denken die Frauen bereits weiter, digital. «Vielleicht könnte man die Agenda zukünftig mit einer App verbinden», überlegt Graf.

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«Edition Nord»: Agenda (38 Franken) und Familienplaner 2017 (32 Franken) gibt es online oder u.a. in Basel im Picaro, Ahoi Ahoi und Sevensisters zu kaufen.

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