Alte Schweinerocker, saftige Chicks und junge Häschen

Mötley Crüe und Slash spielten am Donnerstag in der St. Jakobshalle in Basel. Doch während die Glamrocker aus den 80ern den Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart schaffen, bleibt Slash auf der Matte liegen.

Ein gut gereifter Tropfen weiss jede Party in Schwung zu bringen (Bild: zVg)

Mötley Crüe und Slash spielten am Donnerstag in der St. Jakobshalle in Basel. Doch während die Glamrocker aus den 80ern den Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart schaffen, bleibt Slash auf der Matte liegen.

Rund 4000 Fans sind zur St. Jakobshalle gepilgert, um den Helden vergangener Tage zu huldigen. Vorwiegend solche, die die glorreichste Epoche der Bands noch miterlebt haben. Doch auch junges Gemüse ist anwesend. Während die alten Pellkartoffeln sich vorwiegend in Jeansjacken mit darüberhängenden, fettigen Haaren kleiden, sind es kurioserweise die jungen Cherrytomaten, die mit viel Schmuck und Haarputz aus dem Gemüsebeet hervorstechen.

Immer die gleiche Leier

Einer, der sich überhaupt nicht verändert hat, ist Slash himself. Seit 30 Jahren trägt der Ex-Guns’n’Roses Gitarrist die gleiche Uniform; bestehend aus schwarzem Zylinder, Sonnenbrille, Minipli-Frisur, abgeschnittenem Shirt und Lederhosen. Auch bekannt ist der Soli-Gewichse-Gitarrero für sein freizügiges Mitklimpern in jeglichen Bands und auf allen möglichen Platten der letzten 20 Jahre. Für die aktuelle Tour hat er sich «The Conspirators» und den Sänger von «Alter Bridge», Myles Kennedy, als Spielwiese geholt. Darauf duddelt er nach Herzenslust und lässt seine LesPaul jaulen und singen. Irgendwie wirkt das alles schal und fahl. Da nützt auch der Griff in die Trickkiste und das Runterleiern der darin enthaltenen Guns’n’Roses Hits nichts.

Mötley Crüe hingegen, wissen wie man eine gute Show macht. Ein Riesenrad mit Scheinwerfern dominiert das Bühnenbild. In dessen Mitte Trommler Tommy Lee, der auf sein Schlagzeug eindrischt, als wäre es Pamela Anderson. Nikki Sixx Bass glitzert und funkelt, als hätte er die letzten 30 Jahre Tiefschlaf gehalten und sich den Sternenstaub noch nicht aus den Augen gewischt. Sänger Vince Neil ist top in Form, rennt von einem Bühnenrand zum anderen, während sich sein Falsett an die Decke des Stadions schraubt, um von dort wie Nadelpfeile ins Publikum zu schiessen. Einzig Gitarrist Mick Mars scheint nicht so recht Lust auf Mucke zu haben. Zwar spielt er souverän, doch hält sich stets im Hintergrund, tief gebeugt und das Gesicht verdeckt von einem Zylinder, den Slash und er sich gut kameradschaftlich teilen.

Was natürlich bei keiner Mötley Crüe-Show fehlen darf, sind Chicks. Zwar hat die Band nur zwei für die Bühne engagiert, doch dafür können diese nicht nur saftig tanzen, sondern auch sexy singen.

Mit Tommy Lee auf dem Riesenrad

Zur Halbzeit gibt es die altbewährte «Mein-Schlagzeug-macht-mobil»-Einlage mit dem Todespiloten Tommy Lee. Dieses Mal dreht seine Batterie Runden im Riesenrad. Routiniert hämmert Tommy dazu den Beat. Danach darf ein Co-Pilot aus dem Publikum mit auf die Berg-und-Tal-Fahrt.

Im späteren Verlauf des Abends bittet Bassist Nikki Sixx einige Fans auf die Bühne. Der vorwiegend weibliche Haufen stellt sich brav auf Tommy Lees Schlagzeugpodest und singt und shaked beim nächsten Song mit, was die Kehlen und Hüften hergeben. Doch trotz präsentierter Erotik, ein paar Mädels sind im BH auf die Bühne gekommen, wirken sie unverständlicherweise wie die Mädchenkantorei Dornach beim Dorffest. Vielleicht liegt es daran, dass die meisten der Häschen noch unter 20 sind.

Mötley Crüe inszenieren eine gelungene Party. Es wird Kunstblut gespuckt, die Fäuste werden in die Höhe gestreckt, Filmprojektionen gezeigt, und das Publikum zum Händeklatschen und Mitgrölen animiert. Die Rüpelrocker sehen zwar nicht mehr genauso aus wie in den 80ern, Haarspray und Nietenleder werden nur noch dezent eingesetzt, doch die Feiern-Attitüde haben sie sich bewahrt.
Und das ist gut so, alles andere wäre entweder lächerlich gewesen, oder man hätte es ihnen nicht abgekauft.

Konversation

  1. Ein so bescheuerte und klischee hafte Konzertkritik habe ich echt lange nicht mehr gelesen. Klar: Hardrock Fans sind älteren Jahrgangs, haben fettige Haare, stinken und sind durchwegs ungeblidet. Was für ein Schrott! Vielleicht hätte der Kritiker auch mal seine Ohren einschalten müssen, um zu hören, dass der Sound von Mötley Crue unterirdisch mies war und der von Slash genau das Gegenteil. Besser das nächste mal den „Grand Prix der Volksmusik“ kommentieren. Da kommt eh alles ab Konserve und die Leute sind gebadet und gebildet 🙂

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  2. einmal kurz googeln ergibt, dass Mick Mars an einer schweren Knochenkrankheit leidet und sich deswegen auf der Bühne kaum bewegen kann…

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