Anna Aaron gewinnt Basler Pop-Preis

Beim dritten Anlauf hats geklappt: Die Singer-Songwriterin Anna Aaron wird 2011 mit dem Basler Pop-Preis ausgezeichnet. Eine nachvollziehbare Wahl.

Glückliche Gewinner: Anna Aaron (Pop-Preis) und Raymond Tschui (Business Support) wurden für ihr Schaffen ausgezeichnet. (Bild: Angelika Schori)

Beim dritten Anlauf hats geklappt: Die Singer-Songwriterin Anna Aaron wird 2011 mit dem Basler Pop-Preis ausgezeichnet. Eine Wahl, die durchaus nachvollziehbar ist. Den Business Support erhielt der Liestaler Labelbetreiber Raymond Tschui (N-Gage Productions).

Die Basler Pop- und Rockszene gibt sich jährlich zweimal in corpore die Ehre: Im Frühling am Clubfestival BScene, im Herbst beim Basler Pop-Preis. Der Rahmen allein ist von grosser Bedeutung, wie sich bei der dritten Verleihung in der Basler Kaserne zeigte: Wann schon begegnet man so unterschiedlichen Musikern wie Rapper Black Tiger, den Lovebugs oder Singer-Songwriter Roli Frei im selben Raum, in dem sich auch Politiker verschiedener Couleur (die grüne Mirjam Ballmer oder der freisinnige Daniel Stolz) unterhalten? Und wann umarmt ein altgedienter Bluesrocker wie Cla Nett spätnachts freundschaftlich einen Elektro-Punker wie Spif Hohler von Das Pferd?

Der Rockförderverein, der als Subventionsempfänger den Pop-Preis (15 000 Franken) im Jahresturnus vergibt, hat mit diesem Anlass eine Plattform geschaffen, die dem Selbstbewusstsein der hiesigen Szene – Musikern, Produzenten, Studiobetreibern, Managern und Veranstaltern – gut tut. Und dabei offenbar festgestellt, dass der Pop-Preis all die anderen Förderinstrumente überstrahlt. Anders lässt es sich nicht erklären, warum die Nominierten vor der Ehrung in Kurzfilmen befragt werden, inwiefern sie bereits von der Popförderung profitieren konnten. Die Antwort: einige.

Vom Rohdiamant zum dunklen Edelstein

Einige der Nominierten konnten schon von Fördergeldern für Tourneen oder CD-Produktionen profitieren (wie auch so manche im Publikum). Diese langjährige Aufbauarbeit schlage sich in der Qualität der Musik aus der Region Basel nieder, lobte mit Philipp Schnyder von Wartensee (M4Music) ein auswärtiges Jurymitglied. Er wand der Basler Musikförderung ein Kränzchen, schmeichelte (und meinte es aber auch ernsthaft so), dass diese Förderung Früchte trage. Man kann das so verstehen: Offenbar tauchen wieder Basler Musikerinnen und Musiker wieder vermehrt auf dem Radar nationaler Veranstalter auf.

Gegenwärtig trifft dies vor allem auf die Sängerin und Songwriterin Anna Aaron zu, die bereits zum dritten Mal nominiert worden ist. Man kann sich vorstellen, dass dies in der Jury Anlass zu Diskussionen gegeben hat: Kann man es sich leisten, die talentierte, im wörtlichen Sinn eigenartige Sängerin erneut leer ausgehen zu lassen? 

Während sie bei ihrer ersten Nomination vor zwei Jahren noch als Newcomerin galt, als talentierter Rohdiamant, so ist Anna Aaron heute ein dunkler Edelstein, mit Ecken und Kanten. Auch verfügt sie nicht mehr nur über Talent, sondern auch über das professionelle Geschäftsumfeld, das für den Pop-Preis verlangt wird: Sie ist unter den Fittichen von Two Gentlemen (Lausanne), die schon Sophie Hunger zu internationalem Renommée verholfen hat. Ihr erstes veritables Album «Dogs In Spirit» landete in diesem Spätsommer kurz in den Schweizer Charts und stiess medial auch auf der anderen Seite des Juras auf Resonanz.

Künstlerische Eigenständigkeit

«Wenn nicht jetzt, wann dann?», dürfte sich die fünfköpfige Jury daher gefragt haben. Nach drei Nominationen schien die Zeit reif, Anna Aaron auszuzeichnen. Nicht nur, weil sie in den Vorjahren leer ausging. Zur Erinnerung: 2009 gewannen Navel. 2010 waren The bianca Story an der Reihe – jene Band, die mittlerweile in Deutschland unter Vertrag ist und mit einem starken Live-Set den Abend abrundete.

Heuer war Anna Aaron den vier anderen Nominierten eine Nasenlänge voraus war: Jury-Vorsitzender Schnyder von Wartensee hob ihre künstlerische Eigenständigkeit hervor, ebenso die konzentrierte und konsequente Arbeit und die internationale Perspektive. Von den anderen vier Nominierten – Das Pferd, Sheila She Loves You, Blush und James Gruntz –  dürfte am ehesten letzterer eine Sprengwirkung in der Jury entfacht haben. Es dauerte eine Stunde, ehe sich das Quintett – komplettiert durch Philippe Cornu (Gurten Festival), Christof Huber (Open Air St. Gallen), Marius Kaeser (Pro Helvetia) und David Bauer («TagesWoche», «78s.ch») – mittels Mehrheitsentscheid auf Anna Aaron verständigte.

Damit waren Jury und Publikum erstmals derselben Meinung, wie die Auswertung eines Internet-Votings auf bazonline ergab.

Der dritte Preis, der im Rossstall der Kaserne vergeben wurde, dient als «Business Support». Damit sollen die begleitenden Strukturen, die eine Karriere ermöglichen, gestärkt werden. Juror Cla Nett honorierte den Liestaler Labelbetreiber Raymond Tschui (N-Gage Productions). Während Aaron sagte, sie habe nicht mit der Auszeichnung gerechnet, gab Tschui erfrischend direkt zu erkennen, dass es an der Zeit sei, ihm eine Unterstützung zukommen zu lassen – für eine Arbeit, die sich nur dank grosser Leidenschaft auszahle und die ihm dennoch kein Feriengeld einbringe (für dieses geht er jeweils einige Tage pro Jahr in der Pharmaindustrie jobben). Und, wird er das Geld (12 000 Franken) in neue CD-Produktionen stecken? «Nein, in neue Zähne», erklärte Tschui freimütig. Und machte klar: Man muss sich gut durchbeissen, will man in der Region Basel von einem Job in der Musikbranche leben können.

Konversation

  1. Diese Sängerin und Musikerin hat diesen Preis verdient und hoffentlich erst am Anfang einer grossen Karriere. Wer sie wie ich kürzlich in der Kaserne in Basel gehört und gesehen hat, ist, wie wohl auch diese Jury, vom grossen Potenzial dieser Künstlerin überzeugt.

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