Basel Sinfonietta untermalt Poe-Geschichte

Edgar A. Poes Gruselgeschichte «Der Untergang des Hauses Usher» wird als Oper und Film aufgeführt.

Die Basel Sinfonietta untermalt Texte von Edgar Allan Poe. (Bild: zVg)

Edgar A. Poes Gruselgeschichte «Der Untergang des Hauses Usher» wird als Oper und Film aufgeführt.

Er war der Meister der Schauer-Lyrik: Edgar Allan Poe (1809–1849). Nun rückt die Basel Sinfonietta den US-Amerikaner ins Zentrum eines aufwendigen Projekts und präsentiert ihn am Sonntag gleich im Triple-Pack.

Zu Beginn des Abends liest Schauspieler Thomas Douglas sozusagen als Warm-up aus ausgewählten Texten von Poe. Danach spielt die Sinfonietta Claude Debussys ­«La Chute de la Maison Usher». Über zwölf Jahre lang arbeitete der französische Komponist an diesem Einakter, dessen Text auf Poes Kurzgeschichte «The Fall of the House of Usher» basiert. Doch vermochte er die Oper nie fertigzustellen. Es liegen gerade mal die erste Szene, der Beginn von Rodericks grossem Monolog, und Entwürfe zur Musik des Endes vor. Zum Rest existieren nur Skizzen. Doch denen fehlt es wie­derum an Hinweisen zu Artikulation, ­Dynamik, Tempi, Notenschlüssel und Vorzeichen. Hinzu kommt, dass es keine Angaben zur Instrumentierung gibt.

Vernebelte Szenerie

2003 wurde die bruchstückhafte Oper vom britischen Musikwissenschaftler Robert Orledge rekonstruiert. Es liegt also auf der Hand, dass viele Bestandteile der auf­geführten Oper der Interpretation unterworfen sind, was Marco Franke von der ­Öffentlichkeitsarbeit der Basel Sinfonietta bestätigt. Zum Abschluss dieses Abends wird in Zusammenarbeit mit dem Stadtkino Basel die Stummfilmfassung «La Chute de la ­Maison Usher» von Jean Epstein aus dem Jahre 1928 gezeigt. Dazu gibt es Livemusik von der Basel Sinfonietta, komponiert von Varhan Orchestrovič Bauer und dirigiert von Mark Fitz-Gerald.

Epstein, der sich vor und während des Drehs intensiv mit den Schriften Poes auseinandersetzte, versuchte deren Ästhetik und Stimmung in sein Werk zu übertragen: eine vernebelte Szenerie, in schau­riges Licht getaucht; Räume, deren Ende nicht absehbar sind und in denen sich alles zu Miniaturen verkleinert. Überblendungen, die tranceähnliche Wahrnehmungszustände imitieren, zeichnen den Film ebenso aus wie Schnitte, die nicht sauber ineinander­greifen, merkwürdige Perspektiven, Zeit­lupeneffekte und Wechsel von Totalen und Nahaufnahmen. Die Musik dazu wurde von der Basel Sinfonietta eigens in Auftrag ­gegeben, da man, so Marco Franke, «mit den bisherigen musikalischen Unterlegungen nicht zufrieden war».

Zum Auftakt des E.A.Poe-Projects findet zwei Tage zuvor, am Freitag, 8. Juni, eine Lesung mit Thomas Douglas statt. Diese wird im Innenhof des Deutschen Seminars abgehalten. Im Unterschied zum Sonntag werden hier auch ­längere Texte vorgetragen, u.a. auch in der englischen Originalsprache, um Stimmung, Rhythmik und Intonation besser herüber­zubringen.

  • E.A.Poe-Project: Stadtcasino, Basel. Sonntag, 10. Juni. Einführung: 18.15 Uhr. Konzert: 19 Uhr. Programm: www.baselsinfonietta.ch
  • Als Ergänzung zu den Konzerten veranstaltet das Literaturhaus Basel eine Poe-Lesung auf Englisch und Deutsch mit Schauspieler Thomas Douglas: Innenhof des Deutschen Seminars, Nadelberg 4, Basel, Freitag, 8. Juni, 20 Uhr.

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 08.06.12

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