Der Basler Pop-Preis 2016 geht an Klaus Johann Grobe

Die Jury hat entschieden: Klaus Johann Grobe erhält den mit 15’000 Franken dotierten Basler Pop-Preis. Kein Solomusiker, sondern eine Band, die international erfolgreicher ist, als man lokal vermuten könnte. Die Könige der Herzen sind die Lombego Surfers und Black Tiger, die den Publikum- respektive Anerkennungsspreis bekommen haben.

Nimmt den Pop-Preis 2016 stellvertretend für die Band entgegen: Stephan Brunner, Bassist von Klaus Johann Grobe.

(Bild: Benno Hunziker)

Die Jury hat entschieden: Klaus Johann Grobe erhält den mit 15’000 Franken dotierten Basler Pop-Preis. Kein Solomusiker, sondern eine Band, die international erfolgreicher ist, als man lokal vermuten könnte. Die Könige der Herzen sind die Lombego Surfers und Black Tiger, die den Publikum- respektive Anerkennungsspreis bekommen haben.

Und beim achten Mal ging der Basler Pop-Preis erstmals an eine Band, die auf den ersten Blick gar keine ist: Klaus Johann Grobe. Könnte ein Schlagersänger mit Schmäh sein. Ein hipper Berliner DJ. Ist aber eine ZürcherSlashBaslerIndie-Elektroband, die sich im Kern aus zwei Musikern zusammensetzt: Sevi Landolt (Gesang, Orgel) und Daniel Bachmann (Gesang, Schlagzeug).

Ergänzt werden sie live durch den Basler Bassisten Stephan Brunner, den man u.a. durch seine Tätigkeit für Bands wie The Jimmy Miller Incident oder Static Frames kennt.

Losgelöst von einer einzelnen Szene

Stephan Brunner war es denn auch, der Klaus Johann Grobe, die Band mit dem eigensinnigen Namen, bei der Verleihung des 8. Basler Pop-Preises repräsentierte. Die anderen Mitglieder eröffneten am selben Abend ihre Herbsttour in der Nähe von Mannheim. Brunner, junger Vater, bleibt zunächst zu Hause, er teilt sich den Part am Bass mit einem zweiten Musiker. Nächste Woche löst er diesen am Vier-Saiter ab, zieht durch Deutschland und die Benelux-Staaten, dies nach Konzerten in den USA oder England.

Dieses Jobsharing mit einem zweiten Bassisten ist nur ein Indiz dafür, dass wir im Jahr 2016 in der Schweiz die Begrifflichkeit einer Band neu definieren müssen. Denn Klaus Johann Grobe steht auch für eine Formation, die sich nicht mehr einfach einer Szene, einer Stadt zuordnen lässt. Für Sessionmusiker sind die Distanzen in Europa – Stichwort Easyjetset – kürzer geworden. Die Gewinner des Pop-Preises sind «eine Spagatband», wie es der Bassist nennt. Zwei von vier Musikern leben in Basel. Die anderen in Zürich. Geprobt wird in beiden Städten.

«Spagat der Liebe» heisst denn auch passenderweise das aktuelle Album von Klaus Johann Grobe, das weit über die Sprachgrenze hinaus aufhorchen lässt. Und das auch musikalisch reizvoll spreizt, reichern sie ihren zeitgemässen Elektrosound doch mit deutschsprachigen Texten und einer charmanten Dosis Vintageorgel an. Dabei beweisen sie ihr Flair für lässigen Pop und tanzbare Rhythmen.  

Als Klaus Johann Grobe, also Brunners Bandkollegen, die News aus Basel erfahren, meinen sie zunächst einmal, sie würden veräppelt. So unverhofft kommt dieser Preissegen für sie. Verständlich: Wer seine Booking Agentur in Deutschland, sein Management in England und seine Plattenfirma in den USA hat und dermassen losgelöst von seiner Heimat agiert, rechnet gar nicht damit, hierzulande genügend Wurzeln geschlagen zu haben, um wahrgenommen zu werden. Zumindest nicht, wenn man bescheiden ist.    

Teure Tourneen, tolle Aussichten 

Brauchen können sie das Geld, wie Stephan Brunner bei einem Bier danach erzählt, seien die internationalen Tourneen doch am Ende kaum kostendeckend. England etwa: ganz besonders hartes Pflaster. Immerhin bekommen sie dort mittlerweile was zu essen vor den Konzerten. Aber das Benzingeld und die Übernachtungen sind noch immer keine Selbstverständlichkeit. Und für ihre USA-Tour vor einigen Monaten haben sie allein für die Visa und Transporte ein Heidengeld ausgegeben. Die 15’000 Franken werden sie also in ihre nächsten Konzertreisen investieren. Und können ihr Glück gar noch nicht wirklich fassen.

Leer ausgegangen, aber nur finanziell, sind die restlichen vier Formationen: Anna Rossinelli etwa, die in den USA ein ausdruckstarkes und abwechslungsreiches Album aufgenommen haben und dafür endlich mit einer Nomination belohnt worden sind. Aber die Prominentesten im Feld haben es bei den Jurys dieses Preises erfahrungsgemäss besonders schwer, davon konnten schon die Lovebugs oder Brandhärd ein Liedchen singen.

Viele Connections führen in die USA 

In den USA haben sich auch Bleu Roi für ihr aktuelles Album inspirieren lassen, als Formation noch jung, als Albumdebütanten faszinierend reif, sind sie ein Versprechen für die Zukunft und hören sich so international und schwer verortbar an wie die Ambientmetal-Formation Schammasch, die in diesem Jahr die starke Basler Metal-Nische vertreten hat.

Wie die Gewinner Klaus Johann Grobe sind Schammasch bei einem US-amerikanischen Plattenlabel aufgehoben, also nicht von diesem Städtchen, was ihre Marktpräsenz angeht. Und wer vermutet, dass diese beiden Formationen denn auch bei der Jury den Sieg unter sich ausmachten, liegt richtig. Am Ende schwang Klaus Johann Grobe obenaus, «die mit ihrer Musik fest in der Subkultur verankert und doch breit zugänglich sind», wie Jurorin Verena von Horsten sagte. «Wir glauben fest an ihre internationale Karriere.» 

Eine solche können die Lombego Surfers seit 30 Jahren vorweisen. Auch, weil sie ein Stück Amerika nach Basel importiert haben: in Form von Anthony Thomas, dem bescheidenen Frontmann dieser fast schon legendären Garagenrockband. Er stammt aus der Demokratenhochburg Boston – und konnte sich angesichts des Wahlresultats seines Heimatlandes trösten: mit dem Publikumspreis. «Nach dem heutigen Tag ist das für mich sehr erfreulich», sagte er in seinem charmanten Basenglisch.




Publikumslieblinge: die Lombego Surfers um Sänger Anthony Thomas (in der roten Jacke). (Bild: Benno Hunziker)

Denn nach einem offenbar umkämpften Kopf-an-Kopf-Rennen beim Online-Voting der «bzBasel» gewannen am Ende die Lombego Surfers die symbolische Trophäe, untermalt von lautstarkem Beifall der versammelten Musikszene. Der Applaus liess keine Zweifel offen: Die Lombegos sind die Könige der Herzen. 

Rapper Black Tiger erhält den Anerkennungspreis

Allerdings teilen sie sich an diesem Abend diesen Thron mit dem Gewinner des Anerkennungspreises. Diese Ehrung für einen langjährigen verdienten Musiker hat der RFV zum dritten Mal verliehen. Und nach den Singer-Songwritern Roli Frei und Pink Pedrazzi kommt mit Black Tiger erstmals ein Vertreter der Basler Hip-Hop-Familie zur Ehre dieses Lifetime Achievement Awards.



Anerkennungspreis für sein langjähriges Schaffen: Black Tiger.

Anerkennungspreis für sein langjähriges Schaffen: Black Tiger. (Bild: Benno Hunziker)

Fantastisch! Und völlig verdient. Hat Black Tiger nach seinen Pioniertaten vor 25 Jahren doch nicht einfach nur für sich Musik gemacht, sondern wie kein anderer Rapper die Fans und Szene zusammengeführt und mit all seinen Projekten wichtige Integrationsarbeit geleistet. Höchste Zeit, dass man ihn für diesen unermüdlichen Effort endlich auch von offizieller Seite mit einem Preis bedacht hat.

Dass eine Fachjury aus Journalisten ihn ausgewählt hat, machte Urs Baur, wie Black Tiger bürgerlich heisst, sichtbar verlegen. «Ich rede sonst ja sehr viel, jetzt aber bin ich sprachlos», sagte er und dankte aufrichtig. 

Reel Music bekommt 12’000 Franken «Business Support» 

Damit nicht genug: Der vierte Preis an diesem kurzweiligen Abend ging schliesslich an ein KMU, das sich um jene Aufgabe kümmert, mit denen sich viele Musiker nur ungern herumschlagen: dem Verkauf der eigenen Kunst. «Business Support» heisst der Preis, und man mag sich allmählich fragen: Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Einer hat noch nicht – und war in den Augen einer Fachjury der Mann der Stunde: David Burger mit seiner Reel Music GmbH (die wir unlängst ausführlich vorgestellt haben). Auch diese Auszeichnung zweifelsfrei verdient.

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Die Jury des Pop-Preises setzte sich 2016 aus folgenden Leuten zusammen:

Frank Fischer, Veranstalter, Basel.
Christoph Aebersold, Radio Virus, Basel.
François Moreillon, Eventmanager, Lausanne.
Oliver Miescher, Pro Helvetia, Aarau.
Verena von Horsten, Musikerin, Zürich.

Konversation

  1. Brainticket: Spannender Input! Allerdings weiss ich nicht, ob der Anerkennungspreis richtig wäre, da dieser Preis für kontinuierliches Schaffen seit mind. 25 Jahren gedacht ist. Meines Wissens hat sich Joel v. D. aber aus der Musik zurückgezogen und lebt seit langer Zeit auf einem anderen Kontinent, wirkt also nicht mehr in diese Stadt, in diese Szene hinein.
    Hier übrigens meine Hommage an Braintickets «Cottwonwoodhill». War einer der ersten Texte für die Rubrik Kultwerk, die wir mit der TagesWoche lanciert haben: http://www.tageswoche.ch/de/2011_47/kultur/115929/Kultwerk-5-Cottonwoodhill.htm

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    1. Er hat auch während des Aufenthaltes in Mexico noch eine Wohnung in der Nähe der Uni gehabt. Sein Auskommen waren wohl mehrheitlich Film-Musiken. Laut amazon war er scheinbar doch noch recht aktiv, auch unter dem Namen Brainticket.
      Aber eben, aus den Augen aus dem Sinn.

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  2. yep, übrigens sind brainticket die absolut einzigen welche in der hardcore fanscene pinkfloyd ’s
    als psychedelic band akzeptiert sind.

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  3. Wie wärs nächstesmal mit einem Anerkennungspreis für Joel und Brainticket ? Immerhin 45 Jahre.
    Da heissts dann wohl bei den „Experten“ nur „werwaswo“…

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