Der neue X-Men-Film: Zurück auf Start

Eine Zeitreise macht dem Mutanten Wolverine in «X-Men: Days of Future Past» das Leben schwer. Und führt uns Kinogänger auf dem Weg zum möglichen Happy-End in die Verwirrung. Morgen startet der Film in den Schweizer Kinos.

Alt trifft auf neu, oder : Der junge Charles Xavier trifft auf sein altes Ich. (Bild: ©Marvel/20th Century Fox)

Eine Zeitreise macht dem Mutanten Wolverine in «X-Men: Days of Future Past» das Leben schwer. Und führt uns Kinogänger auf dem Weg zum möglichen Happy-End in die Verwirrung.

Am Ende von «X-Men: Days of Future Past» bleibt man sitzen. Ratlos. Nicht, weil der Film schlecht war. Oder man ihn nicht verstanden hat. Nein, die Ratlosigkeit kommt daher, dass diese zwei Kinostunden, die man soeben hinter sich gebracht hat, unzählige andere Filmstunden zunichte machen. Und man fragt sich unweigerlich, ob das nun der letzte X-Men-Film gewesen ist.

Comicverlage setzen auf verschiedene Tricks, um die Geschichten ihrer beliebtesten Helden immer wieder neu zu erfinden. Beispielsweise erfinden sie Paralleluniversen, in denen der Gute auch mal böse sein kann. Filmstudios haben in der Umsetzung auf die grosse Leinwand dann die Möglichkeit, unterschiedliche Stränge mit unterschiedlichen Schauspielern zu besetzen. Dummerweise aber altern Schauspieler – und auch wenn sie eine Rolle gut und gerne spielen, irgendwann ist naturgegeben Schluss damit.

Auch die X-Men sind gealtert, das sieht man im aktuellen Film. Mutanten-Oberhaupt und Professor Charles Xavier (der zuletzt gestorben ist und offenbar auf mirakulöse Weise wieder auferstanden, gespielt von Patrick Stewart) trägt plötzlich einen grauen Stoppelbart. Und auch sein Gegenpol Magneto (Ian McKellen) strahlt nicht in alter Frische. Wolverine (Hugh Jackman), der eigentlich nicht altert, hat Falten bekommen. Und auch Storm (Halle Berry) wirkt irgendwie angegraut statt silbern.

Was nun? Gehen die X-Men bald in Ruhestand? Ein Blick in die Zukunft des Filmstudios zeigt, dass noch weitere Verfilmungen auf dem Programm stehen: Ein weiterer X-Men-Film soll 2016 starten, und auch ein neuer Wolverine-Film ist für 2017 geplant. Hat sich also was mit Friede, Freude, Eierkuchen und das wars nun. Dabei wäre es gerade jetzt so passend.

Achtung: Spoiler!

Denn am Ende von «X-Men: Days of Future Past» steht irgendwie alles auf Null. Zwei Stunden zuvor wurde Wolverine ins Jahr 1973 zurückgeschickt, um einen fatalen Fehler einer Mutantin auszubügeln. Zeitreisen haben aber bekanntlich so ihre Tücken. Aus Literatur und anderen Filmen wissen wir, dass die Gegenwart sich zwingend verändert, wenn man die Vergangenheit nicht in Ruhe lässt. Jede noch so kleine Handlung kann dabei die grössten Veränderungen zur Folge haben. Wenn auch daneben die Theorie existiert, dass die Geschichte sich nicht verändern lässt – dass vorgegeben ist, was geschehen muss und es darum auch geschieht, egal wie sehr man es zu verhindern sucht.

Wolverine wird auf seiner Zeitreise mit all dem konfrontiert. Ihm und seinen Mit-Mutanten beim Kampf gegen die Zeit zuzusehen, ist unterhaltsam, die Special Effects sind grossartig – wie immer. Und natürlich gelingt, was gelingen soll, so ist das in diesen Filmen.

Am Schluss wacht Wolverine in seiner Gegenwart wieder auf. In einer Gegenwart, die nicht mehr dieselbe ist, die er verlassen hat: Es ist viel passiert zwischen 1973 und dem Jetzt. Allerdings nicht das, was Wolverine und auch wir aus den bisherigen X-Men-Filmen kennen. All das wurde ausradiert.

In der neuen Gegenwart, so scheint es, ist alles in Ordnung, das Kämpfen hat ein Ende gefunden. Was dazwischen geschah, können wir nur vermuten.

Happy End für die X-Men also? Der Titel des nächsten Films – «X-Men: Apokalypse» – lässt anderes vermuten…

_
«X-Men: Days of Future Past» läuft ab dem 22. Mai in den Schweizer Kinos. Zum Kino-Programm der TagesWoche.

Nächster Artikel