Der Siloturm auf dem Gundeldinger Feld ist fertig

Das ehemalige Kohlesilo auf dem Gundeldinger Feld wird demnächst bezugsfertig sein. Wir haben schon mal einen Blick auf die Baustelle geworfen.

Der Siloturm auf dem Gundeldinger Feld ist demnächst bezugsfertig. Hinter der neuen Fassade verbergen sich einige bemerkenswerte Details.

(Bild: Daniela Gschweng)

Lange war der Siloturm der ehemaligen Maschinenfabrik Sulzer auf dem Gundeldinger Feld eingerüstet. Nun ist er so gut wie fertig umgebaut. Bei der Planung hat sich die Kantensprung AG einiges einfallen lassen.

Auf dem Gundeldinger Feld vollzieht sich derzeit ein Wandel nach dem anderen. Gerade zog das «Werk 8» als Nachfolger des «eo ipso» in die ehemalige Sulzer Maschinenhalle ein. Kurz zuvor eröffnete Launchlabs einen Coworking Space in einem anderen Teil der Halle. Nun wird mit dem Siloturm das letzte Gebäude auf dem Areal fertiggestellt.

Von aussen sichtbar war von den Umbaumassnehmen bisher nur das Baugerüst und einige parkierte Handwerkerfahrzeuge im Hof. Im Inneren des Turms wurde jedoch einiges umgestaltet. Die ursprünglich drei Kammern des Kohlesilos wurden verbunden, die Fassade wurde erneuert, das Gebäude bekam eine Aussentreppe.

«Wir haben aus den Wänden rausgeschnitten, was wir baulich gerade noch konnten», sagt Barbara Buser, Verwaltungsratspräsidentin der Kantensprung AG, auf einem kleinen Rundgang. Im zweiten und dritten Stock sind jeweils vier kleine Räume entstanden, im obersten Stockwerk ein Loft mit grossen Fensterfronten.

Auf den entstandenen Zuschnitt ist die Architektin stolz. «Bei uns ist fast nichts so wie sonst», sagt Buser. Was ihr sichtlich Spass macht. «Wir sind der Bauherr, da können wir uns vieles erlauben, was sonst nicht geht.»

Rost statt Lack

In den neuen Räumen wird noch kräftig gebohrt und geschraubt. Auf den Innenböden liegen zum Schutz des Parkettbodens noch Papierplanen, auf der Aussentreppe herrscht Hochbetrieb. Im zweiten Stock kümmert sich die Architektin Rosemarie Schwarz gerade um die Inneneinrichtung.

«Seit gestern ist sie rostig», sagt Schwarz erfreut und meint nicht die Kücheneinheit, sondern die Aussentreppe. In der Nacht zuvor hat es geregnet, die Treppenverkleidung hat nun den derzeit angesagten Farbton rostorange. Das ist Teil des Gestaltungskonzepts und wird so bleiben. «Die Treppe werden wir wohl noch ölen müssen», fügt Barbara Buser pragmatisch hinzu. «Sonst schleppt man bei nassem Wetter rostiges Wasser nach innen.»

Nachhaltig geplant und gebaut

Wo möglich, wurde im neuen Siloturm nachhaltig geplant und gebaut. Es finden sich wiederverwertete Materialien. So ist ein Teil der sanitären Anlagen gebraucht und stammt von der Bauteilbörse. Für die Aufzugsverkleidung wurden Metallplatten aus dem Walzwerk Münchenstein verwendet. Die Aufzugskabine, die demnächst fertig sein wird, soll mit farbigem Plexiglas verkleidet werden.

Sehenswertestes und bisher farbigstes Detail ist die mit Platten verkleidete Aussenfassade des Betonbaus. Hinter der Verkleidung verbirgt sich Hightech. Was aussieht wie eine hübsche Wandverschalung, sind farbige Solarpanels. Vom Hof aus kann man das nicht sehen. Auf dem Balkon im zweiten Stock kann man die Waben erkennen, wenn man sehr nah davor steht.

Den Strom macht die Fassade

Die Panels sind Teil eines Projekts, das zusammen mit der Fachhochschule Nordwestschweiz entwickelt wurde. In den nächsten Monaten soll gemessen werden, welche Panelfarbe den meisten Strom liefert. Die gewonnene Energie wird für den Siloturm selbst verwendet, Überschüsse werden auf dem Gelände verteilt. Geplant ist schon eine Art Speichereinheit aus gebrauchten Batterien.

Gestalten konnten die Mieter ihre Räume selbst. Im zweiten Stock treffen wir Helge Holz, einen Osteopathen, der aus einem anderen Gebäude auf dem Gelände in den Silobau ziehen wird. Holz hat sich für Lehmputz entschieden, der neben dem wohnlichen Effekt auch noch als akustische Dämmung wirkt und viel Lärm schluckt.

Anders macht das der Verein EcoSolidar, der in den dritten Stock einziehen wird. Dort wurde die Betonwand farbig gestrichen. Im künftigen Sitzungszimmer im obersten Stockwerk wurden die Wände absichtlich roh gelassen. Entstanden ist ein Raum zwischen Halle, Hütte und Loft. «Das ist für mich Kunst», sagt Barbara Buser. «So was kann man nicht bauen. Das ist schon da.»

Ob man rohen Beton mag oder nicht – aus einem Grund sollte man den Aufstieg in den vierten Stock auf jeden Fall machen: dem Blick. Die Aussicht über Basel und das Gundeldinger Quartier ist ausgezeichnet. Wenn demnächst der Aufzug fertig ist, müssen Schaulustige auch nicht mehr so viele Stufen nach oben steigen. Die offizielle Eröffnung des Siloturms ist für den Mai geplant.

Konversation

  1. Man muss es neidlos zugeben, die Leute um die Kantensprung AG und ihrem Vorzeigeprojekt auf dem Gundeldingerfeld, sind immer wieder gut für Überraschungen und innovative Projekte. Sie treiben das Gundeldingerfeld vorwärts und ruhen sich definitiv nicht auf den Lorbeeren aus. Das ist bewundernswert. Chapeau!

    Es wäre von der Stadt und dem Präsidialdepartement natürlich dumm gewesen an dieses Know-how, an diese Erfahrungen und die dahinterliegenden Netzwerke anzudocken. Vielleicht wäre mit der Kantensprung AG und Barbara Buser & Team das Freiraumprojekt an der Uferstrasse bereits konkreter und kein Verwaltungspapiertiger. Devise: Don’t change the winning team!

    Aber das ist natürlich Spekulation.

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    1. @meury

      man muss es so krass formulieren: die sind viel zu gut – die bringen zuviel zustande!
      toll, dass es ein gundeldingerfeld gibt – es könnten felder sein.

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    2. @meury

      vielleicht fühlt sich ja d. spirgi (jetzt) so frei, dem boosen verdacht mal ganz sachlich nachzuspüren, «s hoch 2» und all diesen seltsamen dingen …
      womöglich ist’s ja gar keine dialogresistenz – und handelt sich vielmehr um ein simples wissendefizit …
      es gibt schinz feine nuancen zwischen präsidial und imperial – auch zwischen promotion und protektion … der allgemeine gwunder ist nicht zu unterschätzen

      wär’ vielleicht ganz (zwischen)nützlich!

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