Die «8-Bar» wehrt sich gegen ein Konzertverbot

Die «8-Bar» im Kleinbasel soll nur noch Musik bis zu 77 Dezibel spielen dürfen. Das Konzertlokal wehrt sich.

Striptease zu Playback war den Behörden genehm, Konzerte sind es nicht: Die Kleinbasler «8-Bar» wehrt sich jetzt dagegen. (Bild: Tobias Gees)

Die «8-Bar im Kleinbasel soll nur noch Musik bis zu 77 Dezibel spielen dürfen. Das Konzertlokal wehrt sich.

Lange war Ruhe. Zwei Jahre lang ging keine einzige Lärmklage beim zuständigen Amt für Umwelt und Energie (AUE) ein. Selbst während des Clubfestivals BScene 2012 blieb die «8-Bar» vor amtlichen Verwarnungen verschont. Niemand fühlte sich durch die Blues- und Rock-Konzerte gestört, die neuen und stets geschlossenen Fenster hatten ihren Zweck erfüllt. Entsprechend erstaunt war Geschäftsführerin Sirin Szabo, als sie vor gut einem Jahr brieflich aufgefordert wurde, ein Nutzungsänderungsgesuch beim AUE zu stellen.

Die Behörden hatten festgestellt, dass die Bar in der Rheingasse zwar über eine Bewilligung für ein Animationslokal mit Hintergrundmusik verfügt, es ihr aber nicht erlaubt ist, Livekonzerte durchzuführen. Bevor die «8-Bar» Anfang 2010 zu einem Kulturlokal umfunktioniert wurde, animierten dort Frauen männliche Gäste zu Musik.

«Mir war nicht bewusst, dass es ein so grosser Unterschied darstellt, ob nackte Frauen an der Stange tanzen oder Studenten in Jeans», sagt Sirin Szabo – weshalb sie von sich aus nicht auf die Idee gekommen sei, eine neue Bewilligung zu verlangen. Als die Aufforderung kam, reichte sie ein Gesuch ein, um die Bar künftig auch offiziell als Musiklokal nutzen zu dürfen.

Nicht lauter als 77 Dezibel

Zu ihrem Erstaunen wurde das Begehren wegen «Schutz der Nachbarn» abgelehnt. Bewilligt wurde nur «ein maximaler Innenraum-Schalldruckpegel von 77 Dezibel». Ein Husten ist lauter als die erlaubten 77 Dezibel, ein Gespräch zwischen zwei Erwachsenen ebenso: Beides bewegt sich im Rahmen von über 80 Dezibel.

Das bedeutet, dass in der «8-Bar» streng genommen nur noch sehr leise Musik aus einem kleinen Radio gespielt werden dürfte. Das widerspricht dem Konzept als Kulturlokal, weshalb Sirin Szabo Rekurs gegen den Entscheid eingelegt hat. Bis Ende dieses ­Monats muss sie eine Begründung nachliefern – und den Willen kundtun, wenn nötig bauliche Mass­nahmen wie den Einbau von Schallschutzfenstern und -wänden in Angriff zu nehmen. Sie sagt: «Zu ­einer Kulturstadt gehören nicht nur Ausstellungen, sondern auch Livekonzerte.»

Diese hatten allerdings auch nach der Eröffnung der «8-Bar» nie für Ärger gesorgt: Die drei Klagen aus der Nachbarschaft, mit der die «8-Bar» sonst ein sehr gutes Verhältnis pflegt, waren alle auf zu laute Musik ab CD oder sprechende und lachende «8-Bar»-Gäste auf der Strasse zurückzuführen.

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 15.03.13

Konversation

  1. Der Artikel bringt den Kernpunkt bereits auf den Punkt: Husten oder normale Konversation ist lauter als 77db. Ich empfehle Skeptikern mal ein entsprechendes Messgerät als App aufs iPhone oder sonstiges Gerät zu laden und den Test selber zu machen, dies ist die paar Fränkli Investition sicher wert.

    Schlimm ist die Mentalität der Behörden, kreativen, künstlerischen Ausdruck unter fragwürdigen Vorwänden zu verbieten währenddem gleichzeitig halb Basel unter Dauerstrassenbau leidet.

    Und es ist auch mal Zeit zu realisieren, dass Kulturverhinderung nicht primär durch einzelne ‚empörte‘ Bürger passiert, sondern eben wie hier ‚von Amtes wegen‘ ohne dass nur eine Person/Nachbar sich tatsächlich gestört gefühlt hätte.

    ‚Kulturstatt Basel?‘ Eher DDR-Strukturen und Toscana-Sozialismus meinte ich!

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  2. Das AUE zerstört zur zeit aktiv Kultur in dieser Stadt unter dem Vorwand zum „Schutz der Nachbarn“. Obwohl sich diese gar nicht gestört fühlen. In der Agora Bar hat sich die Situation sehr ähnlich abgespielt, ebenfalls kein Lärmproblem, aber bei dem wechsel des Wirtes wurde plötzlich die Konzertbewilligung nicht in das neue Papier reingenommen.
    So wies aussieht, werden Konzerte / DJ’s künftig nur noch in clubs spielen können, wenn man das AUE weiter walten lässt.
    Das wäre ein echtes Armutszeugniss für diese Stadt.
    Ich glaube nicht das sich die leute nur noch eintrittspflichtige Konzerte von Superstars mit Vorverkauf ansehen möchten, sondern sich villeicht spontan mal ein Jazzkonzert am Sonntag Abend, oder ein Rock N‘ Roll Konzert an einem Dienstag ansehen möchte.
    Genau das geht verloren wenn man die alten Griesgrähme vom AUE weiter walten lässt wie sie wollen.

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  3. Streng genommen ist diese Bar genau so illegal wie alle anderen Fümoar-Mitgliedslokale. Aber nur streng genommen, es geht ja um die persönliche Freiheit der Nikotinsüchtigen oder so ähnlich, und die steht sowieso über dem Gesetz….

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  4. Wer „mitten im Kuchen“ lebt, sollte meiner Meinung nach auf Lärmklagen verzichten, oder nicht dort leben.
    Bei dieser Posse aber kommt es mir eher vor, als ob dem Amt für Umwdlt und Energie lieber ein Animierlokal als einen Konzertlokal hätte.

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  5. Es gibt sicher Betriebe, bei denen die Behörden zu Recht eingreifen. Den beschriebenen Einzelfall kann ich aus der Distanz nicht beurteilen, er verstärkt bei mir aber den Eindruck, dass der Vollzug in Basel sehr restriktiv gehandhabt wird.

    Die Lärmschutzfachstelle versteht sich einseitig als Anwalt der Anwohner und nutzt vorhandene Spielräume zu wenig aus. Wer einmal in die Mühlen der Behörden gerät, muss sich auf aufwendige Abwehrschlachten mit technischen Gutachten, baulichen Massnahmen und Gerichtskosten gefasst machen.

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  6. Hat Frau Rutschmann ihren angestammten Arbeitsplatz in den Redaktionsräumlichkeiten der Tageswoche verlassen und in die 8-Bar verlegt? Die letzten Beiträge lassen Schlimmes vermuten….

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  7. Zuerst will man das Befahren mit Autos in der Rheingasse verbieten, damit die Strasse belebt werden kann und dann limitiert man die erlaubten Dezibel auf den Bereich eines vorbeifahrenden Autos (L60 bis 80 dB). Vielleicht sollte man die Sperrung der Mittleren Rheinbrücke jetzt an die Erlaubnis von Konzerten in der 8Bar knüpfen 🙂

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