Drei Könige und ein Fragezeichen

Mal heissen sie die «Heiligen Drei Könige», mal die «Weisen aus dem Morgenland». Aber warum ist das eigentlich so?

Für alle, die sich nicht nur für den Kuchen interessieren: Die drei Könige waren nicht immer Könige – und mit grösster Wahrscheinlichkeit erst recht keine Magier.

Ihren ersten und zugleich einzigen biblischen Auftritt haben die drei Herren, die wir heute mit den Namen Caspar, Melchior und Balthasar kennen, im Matthäusevangelium. Der Evangelienverfasser bleibt in seinen Ausführungen allerdings recht vage. Weder nennt er ihre Namen noch ihre Zahl.

Die Ansicht, dass es drei Sterndeuter waren, denen der Stern den Weg nach Bethlehem wies, dürfte sich zwischen der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts und der Mitte des 5. Jahrhunderts eingebürgert haben. Dabei schloss man von der Zahl der im Matthäusevangelium genannten Geschenke – Gold, Weihrauch und Myrrhe – auf die Zahl der zur Huldigung angereisten Sterndeuter.

Aus Sterndeutern werden Könige

Zu Königen wurden die drei erst im Laufe der Zeit, nachdem das Christentum zur Staatsreligion wurde und sich das Verhältnis der Christen zur weltlichen Macht änderte. Der Evangelist Matthäus bezeichnet sie noch als Magoi. Unser Wort Magier geht auf diesen Begriff zurück; in der Antike verstand man unter Magoi meist Astrologen, die unter Umständen auch kultische Handlungen vornahmen.

Die Vermutung liegt nahe, dass die ersten Christen in den Magoi Priester anderer Kulte sahen, die dem Christuskind die Reverenz erwiesen. Die phrygische Mütze, die sie auf frühen Darstellungen tragen, weisen sie als Priester des Mithras-Kults aus.

Nachdem das Christentum die konkurrierenden Kulte aus dem Feld geschlagen hatte, verwandelten die Interpreten die Magoi in Könige und verpassten der Episode eine neue Botschaft – nun war es die weltliche Macht, die dem Christuskind und damit der Kirche huldigte.

Gold, Weihrauch und Myrrhe

Zu ihren Namen sind die zu Königen gewordenen Sterndeuter erst spät gekommen. Studien des Religions- und Kulturwissenschaftlers Hugo Kehrer haben ergeben, dass ihre Namen erstmals in einem Text des 12. Jahrhunderts genannt wurden. In der Folge mehrte sich auch das Wissen über die drei Herren.

So berichtet Johannes von Hildesheim in seiner im Jahr 1364 verfassten Schrift über die Heilgen Drei Könige, dass Melchior, «der dem Herrn Gold geschenkt hat», über das Königreich Nubien herrschte.

Balthasar, «der dem Herrn den Weihrauch geschenkt hat», herrschte über das Königreich Godolien. «Ihm war auch das alte Königreich Saba untertan.»

Caspar schliesslich, «der dem Herrn die Myrrhe geschenkt hat», herrschte über das Reich Tharsis. «Ihm gehört auch die berühmte Insel Egrisoulla. (…) Hier wächst die Myrrhe auf Gräsern, die wie verbrannte Ähren aussehen; wenn sie reif ist, ist sie so weich, dass sie an den Kleidern der vorübergehenden Menschen hängen bleibt. Deshalb zieht man Bänder und Seile durch die Gräser, die Myrrhe bleibt daran hängen und wird wie weiches Wachs abgezogen und zusammengepresst.»

Zauberer? Auf keinen Fall!

Nachdem den drei Sternguckern der Stern in der Geburtsnacht erschienen war, brachen sie aus ihren Heimatländern auf und reisten auf unterschiedlichen Wegen nach Bethlehem. Ihre Hinreise dauerte 13 Tage. Dies ist, nebenbei gesagt, auch der Grund dafür, dass der 6. Januar der Tag ist, an dem wir Dreikönigskuchen essen.

Für ihre Heimreise brauchten sie deutlich länger, nämlich zwei Jahre. In unseren Augen mag das ein Detail sein, für Johannes von Hildesheim war es matchentscheidend. Doch hören wir Johannes von Hildesheim selbst:

«Denselben Weg, den sie von dem Sterne geführt in 13 Tagen gemacht hatten, legten sie jetzt mit Hilfe von Führern und Dolmetschern mühsam in zwei Jahren zurück. So unterscheidet sich göttliches und menschliches Tun. (…) Die Heiden, durch deren Länder sie gereist waren, die Juden, die verstreut unter den Heiden wohnten, sie alle wussten nicht genug von dieser schnellen Fahrt nach Bethlehem zu erzählen. Die Heiden, die von der Geburt des Herrn nichts wussten, nannten die drei Könige wegen dieses unbegreiflichen Wunders Magier, das taten die Juden aus Hass gleichfalls. (…) Solch irrige Meinung fand man häufig. Es ist jedoch kein Zweifel, dass sie herrliche und mächtige Könige waren und aus grossen Reichen kamen. (…) Wären auf dem Hinweg Zauberkräfte in ihnen mächtig gewesen, sie hätten ihnen auf dem Rückweg wohl auch nicht gefehlt.»

Aufatmen im Kölner Dom, wo die Gebeine der Heiligen Drei Könige seit 1164 als Reliquien gehütet wurden. Wer wollte nach einer derart stringenten Beweisführung noch etwas gegen deren Verehrung einwenden …

Quellen
Hugo Kehrer: Die «Heiligen Drei Könige» in der Legende und in der deutschen bildenden Kunst bis Albrecht Dürer, (Diss.), Strassburg 1904.
Johannes von Hildesheim: Die Legende von den Heiligen Drei Königen. Übertragen von Elisabeth Christern, Köln 1960.

Konversation

  1. Auch wenn sich die Geschichten nicht wirklich so zugetragen haben … eine innere Wahrheit kann durchaus gefunden werden. Zum Beispiel Demut. Die drei Weisen zeigen, dass sie sich dem Neugeborenen nicht aufspielen. Könnte in den Zeiten, in denen sich der Mensch als das Allerhöchste inszenieren möchte, doch gut tun. Demut der Schöpfung gegenüber im Zeitalter der Genmanipulationen und Atommüllhaufen.

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  2. Wie die wohl nach Köln kamen?
    Vielleicht ähnlich wie heute die Asylanten?
    Auf jeden Fall werden sie da verehrt.
    Die Verehrung von Asylanten dürfte aber wohl noch etwas Zeit brauchen.

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    1. Gemäss einer Vita des Mailänder Bischofs Eustorgius (343 bis 349) aus dem 12. Jahrhundert sollen die Gebeine Anfang des 4. Jahrhunderts von Byzanz nach Mailand gekommen sein, wozu es jedoch keine älteren Quellen gibt. Nach der Eroberung Mailands durch Friedrich Barbarossa im Jahr 1162 machte sie dieser seinem Berater, dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel, zum Geschenk. Ein Blick in den Wikipedia-Artikel über den Dreikönigsschrein hätte Ihnen das gezeigt. Man kann über diese Gebeine vieles sagen – zum Asylanten-Bashing eignen sie sich nicht.

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    2. Ich glaube, Herr Cesna wollte keine Geflüchteten bashen. Er wollte bloss seine Unkenntnis der Geschichte des Mittelalters zur Schau stellen.

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  3. Die Bibel – ein Buch mit gesammelten Erzählungen, die erst über x Ohren und Generationen weiter getragen wurden. Jedes Mal kam noch etwas dazu, eine Interpretation, etwas Übertreibung, Nebensächlichkeiten vergessen. Zusammen mit den 10 Geboten in einer rechtlosen Zeit ohne Polzei und Richter. Als Instrument um die Gesellschaft und Massen etwas kontrollieren zu können. Obwohl sich Beides bis heute gehalten hat und viele fest an diese Sagen und Geschichten glauben, hat es sich nicht wirklich bewährt. Viel Leid und Tod brachte es mit sich. Da ist die Frage nach drei vermeintlich Gelehrten oder Königern/ Bettlern nicht wirklich relevant.

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    1. Vergessen Sie aber nicht, dass erst der moderne Atheismus, sei es in Gestalt des Kommunismus, des Nationalsozialismus oder des Maoismus, die Tötung von Menschen einer nie dagewesenen Perfektion zugeführt hat.

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    2. Herr Marsson, das hat aber nichts mit dem Wesen des Kults zu tun, sondern mit den Möglichkeiten der jeweiligen Zeit, zu der ein Kult gerade im Zenit seiner Blutrünstigkeit steht.

      Man stelle sich die Kreuzritter oder Inquisitoren mit den Möglichkeiten des 20. Jh. vor.

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