Ein Mann für alle Abfälle

«Recycling Lily» – ein unaufhaltsamer Müllmann jagt eine verstockte Frau und die Auszeichnung für die sauberste Stadt der Schweiz

Don’t mess with the Müllmann: Bruno Cathomas sieht alles. (Bild: Ascot Elite)

Die Schweiz ist berühmt für die Pünktlichkeit der Abfallsäcke. Zustände wie in «Recycling Lily» hat es selbst hier noch nicht gegeben: Ein unaufhaltsamer Müllmann jagt neben einer verstockter Frau die Auszeichnung für die sauberste Stadt der Schweiz

Hansjörg Stähli ist städtischer Inspektor. Er ist der Mann für heikle Abfälle: Unentwegt verfolgt er Unentsorgtes. Hansjörgs Vater ist schon lange tot, und seine Mutter trinkt. Sie fordert seine ganze Aufmerksamkeit. Fast. Hansjörg ist nämlich ein bisschen verliebt.

Lily Frei ist Kellnerin und lebt allein mit ihrer Tochter. Sie fordert ihre ganze Aufmerksamkeit. Fast. Denn Lily ist kaufsüchtig. Wer viel kauft, hat auch viel wegzuwerfen. Doch Lily umsorgt, was andere entsorgen: Lily ist ein Messie. Ihre Wohnung ist eine Abfallhalde.

Lily sagt Hansjörg sofort, sie seien nicht kompatibel. Dass Hansjörg sie trotzdem begehrt, versteht sich. Wir sind schliesslich in einer schrillen Komödie: Bruno Cathomas spielt einen von Unternehmungslust sprühenden Herrn Schüüch. Johanna Bantzer ist die verstockte Frau Lily.

Einer grossen Sache auf der Spur

Cathomas sucht in jeder Einstellung Worte, findet Pointen, rauscht durch Wortsinn und Unsinn, klein, fein und hintersinnig. Johanna Bantzer wehrt ihn als Lily ab, lässt ihn auflaufen, duckt und windet sich: Das kann ja nur schiefgehen. 

Dabei ist der Müllinspektor einer grossen Sache auf der Spur: Die Preisverleihung für die sauberste Stadt der Schweiz steht bevor. Ein Abfallfall muss endlich geklärt werden: Wer müllt da alles voll? Hansjörg ahnt nicht, wer die schöne Müllerin ist…

Darran Bragg hinter der Kamera und Pierre Monnard auf dem Regiestuhl haben dem Land hinter den sieben Abfallbergen einen skurillen Look verpasst. Das ist voller verträumter Komik, Bilderwitz, Farbenbosheit und – Müll. Die Schauspieler bringen es umso schmerzlicher an den Tag: Was Cathomas, Jecklin, Freiburghaus, Pantzer und Co. da auf die Leinwand spielen, wie Regisseur Pierre Monnard Darran Bragg hinter der Kamera sie ins Bild setzen, das ist schlicht zu gut für einen Plot, der nicht mehr ist als – Abfall vor der Trennung.

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«Recycling Lily» läuft im kult.kino camera.

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