Eine neue Generation kommt auf den Lufthund

Wenn das Kult-Clown-Dou «Lufthunde» dreissig Jahre alte Clownerien zeigt, muss schon mehr dahinterstecken, als nur der Wunsch zu einem Wiedersehen mit dem Publikum von damals. Tatsächlich, auch die heutige Generation lacht mit. Die Kinder quietschen sogar. Ein hauch von Zirkus und Beckett zieht noch heute Samstag durchs Roxy Birsfelden.

Sind den grossen Clown-Göttern noch immer sehr nah: Marcel Joller-Kunz und Ueli Bichsel. (Bild: zVg)

Wenn das Kult-Clown-Dou «Lufthunde» dreissig Jahre alte Clownerien zeigt, muss schon mehr dahinterstecken, als nur der Wunsch zu einem Wiedersehen mit dem Publikum von damals. Tatsächlich, auch die heutige Generation lacht mit. Die Kinder quietschen sogar. Ein hauch von Zirkus und Beckett zieht noch heute Samstag durchs Roxy Birsfelden.

Es ist ein Gefühl wie bei einem Klassentreffen. Vor dreissig Jahren haben wir sie ins Herz geschlossen. Den scheuen Knill und den übersichtlichen Knoll. Die beiden Unsinnstifter waren das Zentrum jener circensischen Gaukler-Show, die als Zirkus «Federlos» durch die Lande und über die Kontinente zog. Etwas ängstlich nähern wir uns ihnen, wie unseren alten, besten Freunden aus der Jugendzeit. Nur diesmal sind die besten Freunde Witze. Ihnen gegenüberzutreten ist fast so diffizil, wie einer alten Liebe. Worüber haben wir damals bloss so gelacht?

Herzhaft lachen

Der Spediteur liefert einen Kühlschrank. Der hat überhaupt keine Ecken, zumindest nur runde Ecken, die er nun abliefern will. Doch dazu braucht er eine Unterschrift. Da sich aber im Publikum niemand als Besteller der fünfhundert Liter Kälte zuständig fühlt, beharrt der Mann, und führt uns den Schrank schliesslich vor. Was als Konzerthaus beginnt, verwandelt sich in ein Restaurant, dessen schäbiger, kleiner Gérant für Essen und Trinken sorgen will. Die Auswahl ist reich und klingt üppig. Sogar die Sprache ist lautreich. Wenn wir sie nur verständen! «Aylööö» gibt es in fast allen Macharten. Klar dass da der Spediteur nicht verzichten will, und abkriegt, was ihm zusteht, und uns fast jeden Spass verschafft.

Wenn die Lufthunde ihre anarchistische Zauberkühlkiste öffnen, machen sie eine absurde Welt auf. Mal mit leiser, feiner Komik, mal mit absurdem Nonsens, mal mit grober Gauklerei und mal mit einfachem Wortwitz geraten sie in die Wirrungen der Wirklichkeit. Noch trauriger sind sie geworden, wie Fellinis in die Jahre gekommenen Clowns. Und noch gerissener lassen sie uns herzhafter lachen. Ueli Bichsel und Marcel Joller beweisen auch nach langer Pause, dass sie immer noch ganz nahe bei den Grossen Clown-Göttern sitzen. Basel machen sie jetzt, nach Jahrzehnten, wieder zu ihrem Stammpublikum.

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