Grosseinsatz der Polizei auf dem Messeplatz

Die Basler Polizei hat mit einem Grossaufgebot eine Erinnerungsaktion auf dem Messeplatz verhindert. Anlass war die letztjährige Räumung des Favela-Dorfs während der Art Basel. Abgeführt wurden über 30 Personen, darunter auch Unbeteiligte.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Die Basler Polizei hat mit einem Grossaufgebot eine Erinnerungsaktion auf dem Messeplatz verhindert. Anlass war die letztjährige Räumung des Favela-Dorfs während der Art Basel. Abgeführt wurden über 30 Personen, darunter auch Unbeteiligte.

Gegen 60 Polizisten, darunter Spezialkräfte, standen am Freitagabend ab 19 Uhr auf dem Basler Messeplatz bereit, um eine Erinnerungsaktion an die letztjährige Räumung des Favela-Dorfes während der Art Basel zu verhindern. Das Vorgehen der Polizei hatte damals heftige Kritik nachgezogen.

Doch auch die diesjährige Aktion dürfte Fragen nach sich ziehen. Die Polizei hatte gemäss Sprecher Andreas Knuchel, gestützt auf das Polizeigesetz, ein Veranstaltungsverbot auf dem Messeplatz verfügt. Der Boden zählt zur Allmend. Grund für das Verbot: Gefahrenabwendung.

Jagd auf Pappteller-Träger

Deswegen, so Knuchel, seien einzelne Personen einer Personenkontrolle zugeführt worden. Gemäss einem am späten Freitagabend veröffentlichten Communiqué (siehe Rückseite dieses Artikels) sind «ingesamt 34 Personen beim Eintreffen auf dem Messeplatz durch die anwesenden Polizistinnen und Polizisten angehalten worden». Alle kontrollierten Personen seien im Verlaufe des Abends wieder aus der Kontrolle entlassen worden.

Abgeführt wurde zunächst jeder, der einen kreisrunden Pappteller auf sich trug. Die weissen Scheiben waren offenbar Teil der Aktion. Genau lässt sich das aber nicht sagen, weil die Polizei jeden mitnahm, der auch nur in Berührung mit den Tellern kam, eine eigentliche Aktion fand nie statt.

Zur vorübergehenden Festnahme führte auch das Mitführen kleinerer runder Flyer, auf denen das «Favela-Memorial» angekündigt war. Abgeführt wurden auch Unbeteiligte, die zu energisch nachfragten, die sich über die Aktion hörbar enervierten, darunter Besucher der Kunstmesse – oder die aus irgendeinem anderen, von aussen schwierig nachvollziehbaren Grund die Aufmerksamkeit der Polizei weckten.

Unbehelligt blieben dagegen einige Tierschützer, die sich neben der Rosentalanlage aufgestellt hatten, um gegen den dort einquartierten Zirkus Knie zu demonstrieren. Diese Form politischer Meinungsäusserung liess die Basler Polizei gewähren, die Gefahren auf dem Messeplatz müssen ihr grösser erschienen sein: Kunststudenten mit weissen Papptellern.

Artikelgeschichte

20.6.2014, 23.30 Uhr: Dieser Artikel wurde mit einer Medienmitteilung der Basler Polizei ergänzt.

Konversation

  1. …wenn man das so liest, was sich die „ordnungshüter“ wieder einmal geleistet haben, schuuddereds einen ganz arg…totalietärer gehts fast nich mehr…vielleicht sollte man sich überlegen den messeplatz in platz des himmlischen friedens umzubennenen…an herrn dürrs stelle, würd ich mich in grund und boden schämen, mein päckchen packen und mich davon machen….

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  2. Die Aktion der Basler Polizei erinnert an den Umgang mit freier künstlerischer Meinugsäusserung in China.

    Wen schützt die Polzei an der art basel, den solventen Käufer/die Käuferin, der/die begeistert kritische Blicke auf den Zustand der Welt wirft oder den Bürger/die Bürgerin, vor dem Denken.

    Wenn dies eine angemessene Polizeiaktion gegenüber einer Performance ist, dann
    frage ich mich wohin unser Staat geht.

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  3. So jetzt müste man die Aktion im grossen Stiel wiederholen dan hätte die Messeleitung und die Polizei ein Problem. Die Frage ist nur ob genug Leute mitmachen werden?

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  4. Was lernt man daraus? Das nächste Mal Cupcakes oder ähnliches auf einem Pappteller an die Besucher/innen der Art zur Degustation abgeben und die Flier an der Art verbreiten mit dem Hinweis, man bekäme draussen gegen Abgabe dieses Bons ein Cupli, wenn man es hochhält und dreimal „REMEMBER 2013“ schreit….

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  5. Liebe Polizei, man kann sich auch selber desavouieren. Zum Verständnis: Desavouieren heisst laut Duden:
    „Bedeutungen:
    in der Öffentlichkeit bloßstellen
    Synonyme:
    blamieren, bloßstellen, kompromittieren, zum Gespött machen; (umgangssprachlich) vorführen“

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  6. Vorsichtige Vermutung: zu Hanspeter Gass‘ Zeiten wäre das nicht passiert, oder jedenfalls nicht so. Der hatte noch so was wie Anstand und Augenmass…

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