Hinterhof mit Facelifting vor dem Endspurt

2012 geht es für den Hinterhof in die letzte Runde: Ende Jahr muss der Kulturort voraussichtlich seine Tore schliessen. Vorher investierte das Team nun nochmals einen fünfstelligen Betrag in einen aufwändigen Umbau: Dieses Wochenende feiert man das möglicherweise letzte «Season Opening».

Der Hinterhof erstrahlt in neuem Glanz (Bild: Dirk Wetzel)

2012 geht es für den Hinterhof in die letzte Runde: Ende Jahr muss der Kulturort voraussichtlich seine Tore schliessen. Vorher investierte das Team nun nochmals einen fünfstelligen Betrag in einen aufwändigen Umbau: Dieses Wochenende feiert man das möglicherweise letzte «Season Opening».

Gestern Freitagabend, kurz nach 23 Uhr: Während sich andernorts in der Basler Innenstadt die Menschenmassen einen Weg von Museum zu Museum bahnen, wird beim Safruits-Areal auf dem Dreispitz kurz durchgeatmet. «Fertig», seufzt Christian Gunzenhauser vom fünfköpfigen Leitungsteam des «Hinterhof» müde, aber glücklich: «Fix und fertig.»

Das Jahr 2012 begann für die jungen Verantwortlichen des Basler Kulturorts, wie das letzte Jahr geendet hatte: stressig. In nur zehn Tagen bauten sie ihren Club zusammen mit Angestellten und «vielen, vielen freiwilligen Helfern» bereits zum dritten Mal um. Die Bar beim Eingang wurde auf die Gegenseite versetzt. Die Bühne verkleinert, um den Dancefloor davor zu vergrössern. Eine weitere Wand auf Schulterhöhe trennt auf der Gegenseite nun die Hauptbar von der Tanzfläche, um die Besucherströme zu bündeln, «eine intimere, direktere Club- und Konzert-Atmosphäre zu schaffen.»

Doch die grösste Veränderung ist nicht im Clubraum, sondern im benachbarten Offspace zu sehen: Wo früher Garderobe, Lounge und Kunstort fliessend ineinander übergingen, sind nun drei neue, voneinander abgetrennte Räume entstanden: «Mit der klaren Trennung kommen sich Besucher, die in Ruhe Kunst betrachten wollen, und das Partypublikum nicht mehr in die Quere», betont Lukas Riesen, ebenfalls einer der fünf Macher des «Hinterhof».

Ab sofort habe man die Möglichkeit, die Lounge bei grösseren Events in einen zweiten Floor zu verwandeln, «wo ruhigere Loungesounds oder auch mal experimentelle, ungewöhnlichere Klänge zu hören sein werden». Der von Thomas Keller kuratierte Offspace selbst wird – ganz in weiss – Mitte Februar als Kunst- und Ausstellungsraum wiedereröffnet. Ausserdem wurde bereits Ende letzten Jahres der Aussenbereich, wo sich an Winterabenden oft Dutzende Raucher aufhalten, komplett überdacht. 

«Nochmals richtig Gas geben»

Die grössten Änderungen seien für die Gäste allerdings auf den ersten Blick gar nicht zu sehen. «Wir haben unzählige Kabel verlegt, das Soundsystem mit zusätzlichem Equipment massiv aufgewertet, die Akustik der Räume verbessert und die Bühne so umgebaut, dass man in Zukunft flexibel Elemente hinzufügen oder auch mal die Boxen mitten in den Raum stellen kann.»

Mit der «Investition im fünfstelligen Bereich» werde der Hinterhof nicht nur zum wohl flexibelsten Club der Stadt. Man habe sich auch selbst einen «Weihnachtswunsch» erfüllt: «Alles, was uns unterm Jahr bei den Arbeitsabläufen als verbesserungsfähig aufgefallen ist, vieles, was uns gestört hat oder von Gästen bemängelt wurde, haben wir jetzt nochmals entscheidend aufgewertet», betont Riesen:  «Wir geben jetzt nochmals richtig Gas. Die Infrastruktur des Clubs soll mit dem exklusiven Programm mithalten können.»

Das Januar-Programm kann sich wahrlich sehen lassen: Am 20. Januar sind mit Tama Sumo und Efdemin zwei Residents des Berliner Technotempels Berghain zu Gast, der immer wieder als bester Club der Welt bezeichnet wird. Nur ein Wochenende später ist Berlin bereits wieder mit dem legendären «Bar 25»-Label im Hinterhof vertreten. Ausserdem feiert das Kunstprojekt Glory Hazel am 27.01. hier die Premiere seines neuen «pornografischen Remix». Neu findet im Hinterhof ausserdem ein Mal im Monat ein Poetry Slam statt. Booker Philippe Hersberger, der noch im Brasilienurlaub weilt, habe ganze Arbeit geleistet, meint Riesen zufrieden.

Das Ende naht

Doch wieso setzt sich das Hinterhof-Team selber bereits wieder so stark unter Druck, statt sich mal auf den eigenen Lorbeeren auszuruhen? «Es passiert wie von selbst», lacht Lukas Riesen: «Wir fangen irgendwo an, etwas zu verbessern, und im Verlauf dieser Arbeit kommen jedes Mal immer mehr Ideen dazu. Dafür braucht es extrem viel Manpower: Ohne all unsere freiwilligen Helfer wäre ein solches Unterfangen völlig unmöglich. Dass wir diese Unterstützung haben, motiviert uns wiederum sehr.»

Bereits plant das Team den nächsten Umbau: Im Mai soll die Dachterrasse vor deren Eröffnung noch mal grundlegend erneuert werden. Dieses «Facelift» könnte allerdings das letzte sein: Denn Ende Jahr muss der Hinterhof voraussichtlich definitiv seine Tore schliessen. «Von offizieller Seite haben wir in der letzten Zeit keine Neuigkeiten», erklärt Riesen: Doch das Baugesuch für das Gassenzimmer sei bereits eingereicht. «Gerade deshalb wollen wir so viel wie möglich aus diesem Jahr herausholen», betont Riesen.

Zunächst heisst es aber, die Früchte der Arbeit auch noch ein wenig zu geniessen. Heute Samstag wird ab 22 Uhr der zweite Teil des «Season Opening» gefeiert: Zu Gast ist das Pariser Electronica-Duo Something à la Mode – samt Live-Violinisten. Bei der grossen Bar gibt es derweil die neue Ausstellung «Bollywood in Paris» von Künstler Martin Lukas Graf zu bewundern.

Hinterhof, Basel. Münchensteinerstrasse 81. Sa, 14.01, ab 22 Uhr. Season Opening, Part Two: Something à la Mode, Mario Robles & Diskomurder, FRQNCY, Visuals by Suffix. 

Quellen

www.hinterhof.ch

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