«Ich find hüüle extrem befreiend»

Das Junge Theater Basel zelebriert in «Sadspace» die Traurigkeit. Mit beeindruckender Kraft, aber ohne allzu viel Nachhall.

Das Junge Theater Basel zelebriert die Traurigkeit.

Man kommt sich sehr nahe im «Sadspace». Die Zuschauertribüne bleibt leer, das Junge Theater Basel drängt das Publikum an die Ränder der Bühne, die so zur Arena wird. Auch die Spielerinnen und Spieler nehmen hin und wieder Platz auf den zweireihigen Podesten, die den engen Raum begrenzen.

Man ist also mitten drin im Raum, wo in Party-Manier die Traurigkeit zelebriert wird, wo Gefühle nach aussen dringen, die so omnipräsent sind, in der Spassgesellschaft sonst aber oft keinen Platz haben dürften.

Traurige Musik macht traurig

Sieben Jugendliche sprechen, schreien, sinnieren auf einer kleinen Drehscheibe in der Mitte des Raums über ihre ureigene Traurigkeit. Darüber, dass traurige Musik traurig macht, eingesperrte Tiere im Zolli, ein leerer Handy-Akku, wenn man verlassen wird (oder jemanden verlässt), Amerika, Selbstmord, Leistungsdruck. Ja immer wieder Leistungsdruck, was auch vom Publikum bestätigt wird, dem das Mikro vor die Nase gehalten wird.

Angetrieben wird die Gruppe, die eigentlich gar keine ist – Traurigkeit kann ganz schön einsam machen – von einer Art Mistress of Ceremonies (Lou Haltinner) – und das im elektronisch verfremdeten Singsang.

Kraftvoll aufspielendes Ensemble

Das alles kommt, wenn von Hausregisseur Sebastian Nübling auch schön und schmissig verpackt, ziemlich didaktisch daher: Gebrauchs-Performance für Jugendliche mit der Botschaft: Traurigkeit gehört nun mal zum Leben, sie kann auch verbinden, du bist nicht alleine damit.

Zugute halten muss man dem knapp fünfviertelstündigen Abend, dass hier ein junges Ensemble am Werk ist, das einmal mehr vollkommen vergessen lässt, dass es sich um Laien handelt. Es strömt so viel Kraft aus, legt sich mit so viel Authentizität ins Zeug, dass man letztlich doch ins Geschehen reingezogen wird.

An den Spielerinnen und Spielern liegt es also sicher nicht, dass ein durchzogener Eindruck bleibt. Für den Abend spricht ebenfalls, dass die Zeremonie der Traurigkeit zuweilen ironisch gebrochen wird. Etwas mehr inhaltliche Stringenz, vielleicht auch mal ein bisschen szenische Interaktion, man hätte einmal mehr mit Begeisterung auf ein Projekt dieser immer wieder beeindruckenden Bühne zurückgeblickt.

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