Das Junge Theater Basel stürmt die Klassenzimmer

Mit 45 Minuten Power-Theater zeigen drei Schauspielerinnen ein Klassenzimmerstück, das umhaut und dazu noch didaktisch einfährt.

«Überraschung»! Drei junge Frauen stürmen ins Klassenzimmer. (Bild: Junges Theater Basel)

Stell dir vor, du sitzt als Schüler im Klassenzimmer, der Lehrer beginnt, etwas über einen leidenden Werther zu erzählen und plötzlich stürmen drei junge Frauen den Raum. «Überraschung!», rufen sie dir entgegen, schalten das Licht aus und werfen mit einem Minibeamer Bilder aus dem Netz an die Wand. Und du bist tatsächlich überrascht, weil der Lehrer dich nicht darauf vorbereitet hat, dass diese Schulstunde so ganz anders ablaufen wird, als du dir das gewohnt bist.

Es ist eine überfallartige Heimsuchung. «Klassenzimmerstück» nennt das Junge Theater Basel die spezielle Reihe, die auf ebenso fetzige wie eingängige Art Themen zur Diskussion stellte, die Schülerinnen und Schüler beschäftigen. Weibliche Fans an Fussballspielen («Der zwölfte Mann ist eine Frau») waren schon dran, es folgte weibliche Sexualität («Untenrum») und jetzt neu eine Performance zu Medienkompetenz und Hasskommentaren im Internet («Don’t Feed the Troll»).

Faust der Betroffenheit

Klar, da gibt es etwas zu lernen. Aber nicht der didaktische Zeigefinger beherrscht die rasante Szenerie, sondern die trotzig-wütende Faust der Betroffenheit. Die drei jungen Frauen berichten, wie sie sich über Hasskommentare, blöde Anmache und hirnlose Reaktionen in Social-Media-Kanälen nerven und wie sie darunter leiden. Wie sie witzig, böse und frech gegen solche Tendenzen ankämpfen, unflätige Reaktionen aber auch provozieren, um sie zu entlarven.

Und wie sie versuchen, die Opfer-Täter-Rollen zu vertauschen. «Jemand von euch hat uns den schlimmsten Moment im Internet beschert», werfen sie in die Runde. Gemeint ist die Ankündigung: «Ich weiss, wer Ihr seid und in welche Klasse Ihr geht. Ihr werdet Besuch bekommen …» Nur dass die drei Frauen schneller waren. «Überraschung»!

Packend authentisch

Diese letzte Sequenz ist in ihrer direkt angesprochenen Konsequenz Fiktion. Alles andere basiert auf Interviews mit Jugendlichen und offensichtlich auch auf eigenen Erfahrungen. Dies sorgt dafür, dass der von Suna Gürler inszenierte Auftritt der drei Frauen so packend authentisch wirkt. Kommt dazu, dass mit Lee-Ann Aerni, Lou Haltinner und Sascha Bitterli drei junge Darstellerinnen ins Klassenzimmer stürmen, die jeden und jede mit ihrer Kraft und Präzision, ihrer forschen Frechheit und witzigen Selbstironie schlicht umhauen.

Das exakt auf eine Schulstunde getimte Klassenzimmerstück können Lehrerinnen und Lehrer bestellen (geeignet für Schüler ab 14 Jahren). Das sollten sie, denn so direkt und zielgruppengerecht bekommt man Medienkompetenz sonst nirgendwo serviert.

Aber auch das nicht mehr eingeschulte Publikum (oder Schüler, deren Lehrer kneifen) muss nicht auf das kurze, aber knackige Erlebnis verzichten. Bis Anfang Februar ist die Produktion auch in einem ehemaligen Klassenzimmer im Kasernenhauptbau zu erleben. Allerdings fällt hier der Überraschungseffekt weg.

Junges Theater Basel: «Don’t Feed the Troll» im Hauptbau der Kaserne.

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