Jonas Baumann: Mit dem Pinsel im virtuellen Raum

Jonas Baumann beschränkt sich in seiner Kunst nicht auf ein Medium – in der «Regionale»-Ausstellung in der Kunsthalle zeigt er Gemälde, Prints und ein Video. Die Vielfalt ist Teil seines Konzepts: Der Beschäftigung mit der idealen Umsetzung von analog und digital, von Text und Bild.

Jonas Baumann, Kunsthalle 29 November 2014 (Bild: Hans-Jörg Walter)

Jonas Baumann beschränkt sich in seiner Kunst nicht auf ein Medium – in der «Regionale»-Ausstellung in der Kunsthalle zeigt er Gemälde, Prints und ein Video. Die Vielfalt ist Teil seines Konzepts: Der Beschäftigung mit der idealen Umsetzung von analog und digital, von Text und Bild.

Jonas Baumann nannte sich auch schon Joachim Sputnik. Das Alias legte er sich für ein Projekt zu, für das er Facebook-Profilfotos der unterschiedlichsten Menschen in kleinformatige Gemälde auf Karton verwandelte. «In Your Face Book» nannte er es konsequent und malte pro Tag ein Bild.

Seither ist einige Zeit vergangen, das Facebook-Projekt – anfänglich als Spielerei gedacht – lief sich tot, und aus Joachim Sputnik wurde wieder Jonas Baumann. Das Grundinteresse, das den Künstler zur Umsetzung jener Idee gebracht hatte, ist aber immer noch da: das Zusammenbringen von virtuellem Raum und analoger Technik, das Hinterfragen der Bilderwelt des digitalen Zeitalters und deren Ausdrucksformen.

Trügerisch taktil

In der Kunsthalle Basel zeigt der 31-Jährige seine neueste Werkserie, bestehend aus Gemälden, Prints, einem Objekt und erstmals auch einer bewegten Computeranimation. Die einzelnen Werke spielen alle ineinander, befruchten sich gegenseitig: Am Computer testete Baumann mittels 3-D-Animation, wie sich Stoffe oder ähnliches in Bewegung verhält.

Für seine Digital Prints wandte er diese Erfahrungen an und schuf Skulpturen im virtuellen Raum, die sich den Gesetzen der physischen Welt teilweise widersetzen. Dasselbe tat er mit dem Pinsel auf Leinwand, und schliesslich führte er manche Malerei via Computer wieder zurück in die Prints und verlieh ihr dadurch eine trügerische taktile Beschaffenheit.

Was Baumann am Computer generiert, wirkt glatt und perfekt – ein Eindruck, den der Künstler gerne bricht. Die Malerei ist der erste Schritt dazu. Die Maschine trage die Perfektion in sich, sagt Baumann. «Unperfektes erinnert mich mehr an den Menschen.» Das oberflächlich perfekte Bild zu erstellen, interessierte ihn nie. Menschliche Unzulänglichkeiten dürften auch gerne in der Arbeit durchscheinen, meint er.

Vor diesem Hintergrund mag erstaunen, dass der Baselbieter sich an der Hochschule in Luzern zum Illustrator ausbilden liess – ein Job, der nach Perfektion verlangt. Heute übt er ihn nur noch sporadisch aus. «Aber eher, weil ich nicht mehr gerne Bilder im Dienst von jemand anderem mache», nennt er als Grund. «Ich mache lieber meine eigenen Bilder.»

Der Antrieb, der ihn zum Studium brachte, der ist aber immer noch da: ein Bild zu kreieren, das man wahrnimmt. Das einen festhält, nicht mehr loslässt. «Auch anecken darf es.» Oder vor den Kopf stossen, das tat Baumann schon ganz absichtlich und manchmal in fast dadaistischer Manier. In Zeichnungen, denen er Text beifügte, der nicht zwingend zum Abgebildeten passte. Die humorvoll sind, ironisch bis hin zum Zynismus. «Das Pferd, das nichts frisst», steht da zum Beispiel in Tusche geschrieben. Dazu die Zeichnung eines kopflosen Pferdes. Auch reine Text-Arbeiten hat er geschaffen: «Das Beste an diesem Bild ist der Ort an dem es hängt» etwa hat er in roter verbundener Schrift auf Papier gebracht.

Sein Antrieb: ein Bild zu kreieren, das man wahrnimmt. Das einen festhält, nicht mehr loslässt.

Baumanns Werk bewegt sich seit jeher auf einem Koordinatensystem, das Text und Bild, analog und digital, virtuell und physisch, Dissonanz und Harmonie miteinander verbindet. Mal bewegt es sich mehr in die eine, mal mehr in die andere Richtung. In den neuesten Arbeiten ist der Text, der früher einen sehr zentralen Platz im Werk einnehmen konnte, fast weggefallen.

«Er findet sich im Moment vielleicht eher im Titel», sagt Baumann. Wobei auch das gerade hier in der Kunsthalle nur bedingt stimme, denn die Titel der gezeigten Werke sind nicht nur sehr präzise gewählt, sondern auch äusserst knapp: «Banana» für eine bananenförmige Print-Skulptur, «Kugel» für eine kugelförmige oder schlicht «Skulptur 4» für ein Gemälde.

Das richtige Ausloten des Verhältnisses zwischen den Punkten auf diesem Koordinatensystem sei wichtig, sagt er. Und führt zu immer neuen Ergebnissen. Im Moment wisse er gerade nicht, wie es weitergehe. Ausprobieren heisst dann die Devise. Am Computer oder in Skizzenbüchern, die er fast ständig mit sich rumträgt. Oder aber er legt den Pinsel mal ganz zur Seite, um sich eine Zeitlang ganz auf Text zu konzentrieren, das hat er auch schon gemacht.

«Auf Papier lässt sich am besten denken», konstatierte der Karikaturist Saul Steinberg mal. Baumann hat sich dieses Statement angeeignet – auch wenn das Papier bei ihm einen Bildschirm und eine Tastatur haben darf.

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Regionale 15, bis 10. Januar 2015. Diverse Orte, Detailinfos unter www.regionale.org.
Jonas Baumann stellt in der Kunsthalle Basel aus.

Die TagesWoche porträtiert während der Ausstellungsdauer der Regionale 14 mehrere Künstler und Künstlerinnen. Bereits erschienen: Mathieu Boisadan.

Im Fokus: «Regionale»-Porträts

An der «Regionale» zeigen Künstler und Künstlerinnen aus dem Dreiländereck ihre Werke. Einige davon porträtieren wir im Laufe der Ausstellung bis Ende Januar 2015. Alle Artikel finden Sie im Dossier.

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