Kultur im Wasserspeicher

Nach fünf Jahren Rechtsstreit mit einer zähen Bruderholz-Opposition, der bis zu einem Bundesgerichtsentscheid geführt hatte, ist der Verein Filter 4 um Fredy Hadorn in die dritte Saison gestartet.

Nach fünf Jahren Rechtsstreit mit einer zähen Bruderholz-Opposition, der bis zu einem Bundesgerichtsentscheid geführt hatte, ist der Verein Filter 4 um Fredy Hadorn in die dritte Saison gestartet.

Filter 4 ist eine ehemalige Langsamfilter-Anlage der IWB, die Teil der Wasserversorgung Basels war. In dem weitläufigen Gewölberaum, dessen Boden mit einer über ein Meter dicken Sandschicht bedeckt ist, stellen sich besondere Ausstellungsanforderungen und akustische Bedingungen, die gerade für Professionelle reizvoll sind.

Filter 4
Die Gruppenausstellung «Glaube und Provokation» dauert noch bis 31. Mai, die ganze Saison 2013 von Filter 4 bis zum 28. September.
Do/Fr 16–22 Uhr, Sa 10.30–22 Uhr, So 10.30–17 Uhr.

Die diesjährige Eröffnungsausstellung «Glaube und Provokation» zeigt 28 Positionen von 18 Kunstschaffenden – von Gläubigen und Atheisten, wie die Organisatoren PROvocate präzisieren. PROvocate, das sind Bryan Haab und Pia Maurer, die unter diesem Label eine Brücke und ein fruchtbares Gemeinsames zwischen Menschen schaffen möchten, die gläubig sind und solchen, die ihren Lebenssinn in anderen Formen finden. Intendiert ist eine konstruktive Konfrontation im Kunstkontext.

Blindtext und Bauschutt

Auf dem grosszügigen Vorplatz von Filter 4 wird man von «Bell of Reset» des Künstlerduos Stettler/Hänger empfangen. In einem drei Meter hohen Eisen-Eichenholz-Gerüst hängt eine grosse Bronzeglocke, welche die Inschrift «Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipisici elit…» trägt. Dies ist ein Blindtext, der nichts bedeutet und seit dem 16. Jahrhundert dazu verwendet wird, einen optischen Eindruck vom Layout eines Textes zu erhalten. Es ist also ein Platzhalter, der die Herkunft und die Bestimmung der Glocke offen lässt und zur freien Interpretation einlädt.

Der blaue Bauschuttcontainer von Christoph Brandl verweist auf seinen Aufenthalt in New York in den 80er Jahren. Er enthält all die Dinge, welche Brandl in einem ähnlichen Container 1988 in New York vorfand, beklebt ist er mit Flugblättern, die den Umgang der damaligen Bush-Regierung mit der Krankheit anprangern: «AIDS is killing Artists». Als ob der Inhalt des Containers zu Wort käme, kann man über Kopfhörer eine zwischen Fiktion und Tatsachenbericht oszillierende Geschichte des in Berlin lebenden Künstlers hören.

Religiös vs. existenziell?

Im Innern der alten Filteranlage entfaltet sich eine Gruppenausstellung mit sehr divergenten Positionen: Die einen sind explizit religiös, die anderen an allgemein existenziellen Fragen interessiert. Eine aktualisierte Version der emotional und glaubenstheoretisch seit dem 14. Jahrhundert aufgeladenen Darstellung des Schmerzensmanns zeigt Andreas Widmer: In fötaler Haltung hängt eine männliche Figur von der Decke. Durch Lichtprojektion erscheint ihr Schattenwurf in einem beleuchteten Kreis auf dem Sandboden.

Mit ihrer Installation aus Glas und Spritzen «There is A Time for Us All» wirft die Finnin Maaria Wirkkala einen Blick in Jenseits und verweist auf ein ganzes Spektrum von Themen: Drogenmissbrauch, Medizin oder Jugendwahn.

Christliche Glaubensvorstellungen

Wer also unter dem Titel «Glaube und Provokation» eine Auseinandersetzung mit der aktuellen Problematik des Umgangs eines (westlichen) Kunstschaffens mit religiösen (islamischen) Gefühlen erwartet, wird enttäuscht. Die Ausstellung fokussiert auf christliche Glaubensvorstellungen und westliche Ethik und Moral.

Während der Saison bietet filter4voices an vier Abenden Konzerte an, in denen (junge) Stimmen im Zentrum stehen. Zwei weitere Ausstellungen sind bis September geplant: Peter Fischer zeigt seine  Projektionsmaschinen, und Strotter Inst.allation (Christoph Hess) – der auch schon in der ersten Saison dabei war – transformiert die Gewölbehalle mit der kinetischen (Klang-)Installation «Brachland».

Für alle diejenigen, die es noch nicht geschafft haben: der Ausflug aufs Bruderholz lohnt sich, schon allein wegen des Ortes. Auf halber Bruderholzhöhe, bietet das Gebäude, isoliert im Grünen gelegen, für die – hoffentlich dann bald beginnende – heisse Jahreszeit eine willkommene Abkühlung mit abwechslungsreichem Programm.

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