Kulturprozent zeichnet Basler Label A Tree In A Field aus

Schöne Bescherung für Marlon McNeill. Er wurde am Festival m4music für sein Plattenlabel A Tree In A Field Records mit 15’000 Franken ausgezeichnet. Ebenfalls zu Ehren kam das Basler Musikprojekt Don’t Kill The Beast: Dieses gewann die Demotape Clinic in der Kategorie Pop.

Marlon McNeill: Basler Musiker und Labelbetreiber von A Tree In A Field Records. (Bild: Flavia Schaub)

Schöne Bescherung für Marlon McNeill. Er wurde am Festival m4music für sein Plattenlabel A Tree In A Field Records mit 15’000 Franken ausgezeichnet. Ebenfalls zu Ehren kam das Basler Musikprojekt Don’t Kill The Beast: Dieses gewann die Demotape Clinic in der Kategorie Pop.

Das Migros-Kulturprozent hat während des hauseigenen Festivals m4music zum zehnten Mal Vertreter der Musikindustrie ausgezeichnet, die Schweizer Popmusiker unter Vertrag haben. Den grössten Förderbeitrag von 20’000 Franken erhielt Irascible Music mit Sitz in Lausanne und Zürich. Daneben kam auch A Tree In A Field Records & Publishing aus Basel zu Ehren – und zu einem Cheque in Höhe von 15’000 Franken.

A Tree In A Field Records stehe für eine gepflegte Nische mit klarer künstlerischer Indentität, begründet Jurymitglied Philipp Schnyder von Wartensee. Und fügt lobend hinzu: «Es ist ein Label, dessen gutem Geschmack man vertraut, mit ausgewählten Künstlern wie Fai Baba oder Combineharvester.»

Eine Heimat für experimentellere Schweizer Klänge

Combineharvester ist das Pseudonym von Marlon McNeill, Sänger, Songwriter, Gitarrist, der zugleich auch Labelbetreiber ist. Vor zwölf Jahren hat er A Tree In A Field Records ins Leben gerufen, «weil ich nach meinen Kassettenproduktionen erstmals eine CD veröffentlichen wollte. Ich schrieb verschiedene Labels an, aber kein einziges zeigte Interesse. Also gründete ich kurzerhand mein eigenes.»

Hilfe zur Selbsthilfe, so entstand A Tree In A Field – und im familiären Rahmen wurde es auch lange geführt. McNeill wirkte neben seinem Soloprojekt Combineharvester auch in Formationen wie der absoluten Kultband Speck mit. Oder der elektronisch orientierten Formation MIR, an der Seite von Marco Papiro, der dem Label auch oft mit seinem grafischen Knowhow zur Seite steht. So bot McNeill fortan befreundeten Musikern in experimentelleren Nischen eine feine kleine Plattform für ihre Musik.

Man verortete die Heimat von A Tree In A Field Records lange im Hirscheneck – Marlon McNeill war dort jahrelang als Kollektivmitglied und Konzertorganisator tätig. 2009 hörte er den Zürcher Musiker Fai Baba, sprach ihn an und schloss mit ihm einen Vertrag ab. Ein einschneidender Moment, denn Fai Babas Songs haben auch die Ohren von Kritikern erreicht, die nicht für Nischenmagazine tätig sind, haben so auch A Tree In A Field überregional ins Gespräch gebracht.

Zuletzt war Fai Baba in der Kaserne Basel zu erleben. Als musikalischer Begleiter an der Lesung von Sibylle Berg. Ein vielseitiger, fleissiger junger Mann also, der im Jahrestakt neue Musik veröffentlicht und das Label in Sachen Publizität ordentlich vorwärts gebracht hat. «Mit seinem aktuellen Album haben wir es tatsächlich in alle Medienkanäle geschafft», sagt McNeill, relativiert aber falsche Vorstellungen: «Dennoch bewegen wir uns noch immer in einer Nische. Das, obschon ich im vergangenen Jahr noch mehr Energie in die Labelarbeit reinstecken konnte.» Mittlerweile blickt er bereits auf mehr als 50 Veröffentlichungen zurück.

Bestätigung, Anerkennung und Polster

McNeill trat 2014 aus dem Hirschi-Kollektiv aus, aus dieser Blase, wie er rückblickend feststellt. «Das schüttelte mich recht durch», offenbart er. Kein einfacher Schritt, umso erfreulicher für ihn, dass ihm die Auszeichnung durch das Kulturprozent hilft, ein wenig weicher in einer neuen Realität zu landen. Zuvor wurde er schon zweimal vom RFV gewürdigt, mit 12’000 Franken als Business Support

Was bedeutet ihm nun dieser national ausgerichtete Preis? «Anerkennung für das, was ich mache. Eine Bestätigung auch, dass dies wahrgenommen wird», sagt er. Bis jetzt habe er alles mit eigener Energie und Kraft gemacht. «Dieser Preis und das damit verbundene Geld sorgt für ein Polster.» Und das zum richtigen Zeitpunkt. Erstmals bildet McNeill einen Praktikanten aus. Und hofft natürlich, auch für die schwerer verdauliche Musik auf seinem Label einen grösseren Markt zu erreichen.

Auch Don’t Kill the Beast gewürdigt 

McNeill ist nicht der einzige Basler, der am m4music einen Preis entgegennehmen konnte. Branchenprofis haben an vier Nachmittagssessions auch Demotapes beurteilt. Aus insgesamt 681 eingereichten Demos räumte David Blum in der Kategorie Pop ab. Blum, Bassist bei Sheila She Loves You, nahm mit seinem Soloprojekt Don’t Kill the Beast teil. Er konnte 3000 Franken Preisgeld, von der Fondation Suisa gestiftet, mit nach Hause nehmen. 

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A Tree In A Field Records, Labelnacht in der Kaserne Basel: Sa, 11. April, 20 Uhr. Der Abend startet mit einem «kakophonischen Flohmarkt». 

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