Kunst statt Kaffee im Kleinbasel

Liebe Starbucks-Jünger, wir müssen euch enttäuschen: Da kommt keine Filiale hin an der Haltingerstrasse, auch wenn Plakate anderes vermuten lassen. Sondern ein Kunstraum.

Ein Starbucks an der Haltingerstrasse? Nö – ein Kunstwerk.

 

(Bild: Alexander Preobrajenski)

Liebe Starbucks-Jünger, wir müssen euch enttäuschen: Da kommt keine Filiale hin an der Haltingerstrasse, auch wenn Plakate anderes vermuten lassen. Sondern ein Kunstraum.

Künstlerische Strategien gibt es viele. Eine davon ist die Irritation. Dazu gedacht, uns durch den Lockruf von etwas Gefälschtem auf die richtigen Gedanken zu bringen. Gerade jetzt wird diese Kunstform an der Haltingerstrasse im Kleinbasel geprobt.

Dort kleiden seit dem Jahresbeginn drei Starbucks-Plakate die Fenster des Eckhauses mit der Nummer 13. Und wenn es manch einem vielleicht passen tät: Nein, die Kaffeekette hat nicht die Nebenstrassen für ihr Massenkonzept entdeckt. Hierbei handelt es sich um ein Kunstprojekt von Florence Jung und Thomas Moor.

Hinter den zugeklebten Fenstern, im Innern des Hauses, versteckt sich (noch) ein neuer Projektraum namens «Trikot». Diesen haben Sara Vidas und Claudio Vogt ins Leben gerufen. Die beiden wollen dort Ausstellungen zeigen, aber auch Lesungen oder Konzerte veranstalten – was immer passt oder worauf immer sie Lust haben. Das darf durchaus auch unkonventionell ablaufen, so wie jetzt gerade dieses Startprojekt mit Jung und Moor. Denn wann schon endet sonst ein Kunstprojekt mit der Eröffnung?

Trojanische Cocktails

Diese Vernissage des Projektrauems, die gleichzeitig Finissage der Plakataktion ist, wird diesen Samstagabend stattfinden. «Trojan Horses» steht auf dem Flyer, «Cocktail Party», die beiden Namen der Künstler, Zeit und Ort. Fertig. Was der Abend bringt, das soll eine Überraschung sein, sagt Projektraum-Initiant Claudio Vogt: «Ein trojanisches Pferd eben.» Nur dass der Cocktail, den man dann schlürft, «Trojan Horse» heisst, so viel ist ihm noch zu entlocken, und dass man dann auch die beiden Künstler Jung und Moor über ihr Werk ausquetschen darf.

Man hofft natürlich auf einen gelungenen Start und Abend. Das Starbucks-Projekt hingegen ist bereits ein Erfolg: «Wir haben damit erreicht, was wir wollen: Die Leute des Quartiers erreichen und involvieren», sagt Sara Vidas. Immer wieder blieben Leute stehen, manche würden fragen oder sogar ans Fenster ihres Ateliers klopfen, das sie gleich daneben hat. Manche sind enttäuscht, wenn sie dann erfahren, dass es hier doch keinen Kaffee geben wird, andere äusserst erleichtert.




Setzen auf Dialog, auch wenn eine Pflanze sie hier trennt: Claudio Vogt und Sara Vidas. (Bild: Alexander Preobrajenski)

«Dieser Dialog ist uns sehr wichtig», sagen beide. «Uns interessiert, wie die Leute damit umgehen: Aktuell mit der Vorstellung, dass hier ein Starbucks eröffnet. Aber eben auch mit der Vorstellung, dass hier nun ein Projektraum entsteht.»

Sara Vidas macht – wenn sie nicht gerade Projekträume initiiert – Mode, immer auch mit einem künstlerischen Touch. Sie wohnt selbst in der Haltingerstrasse und sah aber immer wieder diesen leeren Raum, der vor längerer Zeit ein Milchlädeli beheimatete. Irgendwann sprach sie die Vermieter darauf an. Bei diesem Gespräch erfuhr sie, dass sich noch jemand dafür interessiere, «jemand, der bei der Kunsthalle arbeite», und weil sie diesen Jemand namens Claudio Vogt kannte, kam die Idee, zusammenzuspannen.

Auch Claudio Vogt wohnt um die Ecke und stiess so auf diesen Raum. Nun also wollen sie hier Projekte mit Kunstschaffenden realisieren, die in Basel noch nicht so präsent sind. Es soll keine durchgehende Agenda sein, kein «Alle zwei Monate ist Vernissage und jeden Mittwoch ein Konzertabend», sondern es soll etwas los sein, wenn sich etwas ergibt.

Ein T-Shirt als Maskottchen

Was es nie geben wird, ist ein Logo auf der Fensterscheibe. Stattdessen wird Vidas für jedes Projekt ein T-Shirt kreieren, das in einer kleinen Edition dann auch gekauft werden kann. Durch die Träger wird das «Trikot», welches quasi als Maskottchen für den Raum dient, in die Stadt hinausgetragen und dort vielleicht auch für Gesprächsstoff sorgen, so hoffen zumindest die zwei Initianten: «Kleidung dient schliesslich auch der Kommunikation.»

Weil beide nicht wissen, was sich so in den nächsten Monaten ergibt, ist das Projekt vorerst auf ein Jahr ausgelegt – auch wenn sie einen unbefristeten Vertrag abschliessen konnten. Vielleicht verschwindet das «Trikot» dann wieder. So wie bald die Starbucks-Plakate verschwunden sein werden. Und alles, was übrig bleibt, ist das, was die Leute darüber erzählen.
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«Trojan Horses – Cocktail Party», mit Florence Jung und Thomas Moor, Trikot, Haltingerstr. 13, Sa 23.1., 19 Uhr.

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