Lichtspiele: Dead Man Down

Wie nennt man in Amerika ein Schulhaus-Massaker? Das obligatorische Schiessen.

(Bild: RialtoFilm)

Das Rezept ist simpel: Man nehme einen Schauspieler mit Dackelblick. Man lasse Colin Farrell erst etwas über Familiensinn sülzen, dann um sich ballern. Warum? Ein Kerl mit Dackelblick ist eben eher ein schweig­samer Typ. Er schiesst lieber eine Kugel zu viel ab, als ein Wort zu viel zu sagen.

Weiter müssen wir eine alleinstehende Frau (Noomi Rapace) verkraften. Deren Tränendrüsen schlecht vernarbt wirken, weil behauptet werden muss, sie sei bei einem Autounfall entstellt, aber doch so nett zusammengeflickt worden, dass wir sie ganz hübsch finden. Gerade weil die Narben jedes Lächeln in ihrem Gesicht zu Schmerz werden lassen. Was uns dem Thema des Films wieder näher bringt: Nicht zum Lächeln sind wir hier, sondern zum Rächeln.

Hirn verloren?

Was nun folgt, ist eine Art megablutige Kurzfassung des Grafen von Monte Christo. Bis es so weit ist, müssen wir ein paar Product Placements der Waffenindustrie über uns ergehen lassen. Den Waffennarren werden Kaliber, Typ, Verschlussgeschwindigkeit etc. gleich mal vor den Latz geknallt, damit es, wenn sie im Waffengrosshandel so ein Dings vom Ständer nehmen, nicht zu früh Bums macht. Danach wird wieder hirnlos geballert. Macht aber nichts. Wir werden wenigstens wach, ja, sogar kurz verblüfft: Ist das Isabelle Huppert? Was um Gottes willen hat eine gute Schauspielerin in diesem Film verloren? Das Hirn? Denn schon wird wieder geschossen, gesülzt und geschossen – bis zum Schluss der Film mit Leichen ohne Ende zu Ende geht und die Liebe siegt.

Nicht zuletzt, weil nach all der Ballerei nur noch zwei Überlebende bleiben: Dackelblick und Tränennarbe. Sie lassen die Waffen fallen und gründen eine Familie, in der Hoffnung, dass sie ihrem Baby später nicht eine Luger zum Nuckeln geben müssen. Grund zu weiterer Rache wäre schon mal da. Es wird sich auf US-Schulhöfen bald ­jemand finden, der die fallen gelassenen Waffen aufhebt und sich zum Chef­rächer ­erklärt.

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 05.04.13

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