Lustvoller und lehrreicher Blick auf das skulpturale Erbe der Antike

Mit «Roma Eterna» präsentiert das Antikenmuseum Basel mit erlesenen Objekten aus den Sammlungen Santarelli und Zeni einen ebenso lustvollen wie lehrreichen Spaziergang durch 2000 Jahre Geschichte der römischen und italienischen Bildhauerkunst.

Torso eines Gehäuteten (17. Jahrhundert), flankiert von einer zum Bacchus umgewandelten antiken Apollo-Statue (1. Jahrhundert n. Chr.) und einer Bacchus-Statue aus dem frühen Barock von Andrea di Michelangelo Ferrucci (um 1600) (Bild: Dominique Spirgi)

Mit «Roma Eterna» präsentiert das Antikenmuseum Basel mit erlesenen Objekten aus den Sammlungen Santarelli und Zeni einen ebenso lustvollen wie lehrreichen Spaziergang durch 2000 Jahre Geschichte der römischen und italienischen Bildhauerkunst.

Die Verantwortlichen der Sonderausstellung «Roma Eterna – 2000 Jahre Skulptur aus den Sammlungen Santarelli und Zeri» im Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig zeigten sich an der Medienpräsentation ausgesprochen beglückt über das gemeinsame Projekt. Museumsdirektor Andrea Bignasca sprach von einer «einmaligen und grossartigen Zusammenarbeit», und die aus Rom angereisten Co-Kuratoren und Stiftungsvertreter gaben ihrer Hoffnung Ausdruck, dass hier der Anstoss zu einer andauernden Zusammenarbeit gegeben werden konnte.

Zu sehen ist ein Konvolut von Marmorstatuen, -büsten, -torsi und -köpfen aus den italienischen Privatsammlungen Santarelli und Zeri. Auserlesene Objekte verschaffen einen Überblick über die antike Bildhauerkunst und die Weiterführung dieser Tradition im Mittelalter, in der Renaissance, im Barock und im Klassizismus. Es sind Zeugnisse, wie die Vertreter der Macht – die Kaiser, Feldherren und Kirchenoberen – über 2000 Jahre lang ihren Status untermalten: Rom, die Ewige Stadt, überdauerte in Marmor gehauen ihre Zeit und überwand als Symbol für Macht und Geltung ihre Grenzen.

Das skulpturale Erbe der Antike

Die Freude und Befriedigung über die Zusammenarbeit spiegelt sich in der Ausstellung wider, die einen ausgesprochen lustvollen und zugleich lehrreichen Blick auf das skulpturale Erbe der Antike vermittelt. Sie tut dies, und das ist das Besondere an dieser Ausstellung, nicht in chronologischer Abfolge, sondern nach thematischen Kriterien und in stilistischen Vergleichsgruppen gegliedert: Ein «Musée de sculpture comparée», wie sich Kurator Thomas Lochman ausdrückt, mit Zeugnissen der Macht, religiösen Darstellungen sowie vergleichbaren stilistische Eigenheiten.

Besonders augenscheinlich wird dies in einer Dreiergruppe mit der Marmorfigur eines Gehäuteten im Zentrum (siehe Bildstrecke). Der in einer pathetischen Pose dargestellte schauerliche Untote wird flankiert von zwei Bacchus-Statuen, die sich auf den ersten Blick gleichen, aber aus ganz unterschiedlichen Epochen stammen. Der eine Bacchus stammt aus der Antike. Er war ursprünglich vermutlich eine Apollostatue, die im 17. Jahrhundert von einem Barockbildhauer zum Gott des Weines umgestaltet wurde. Der andere, ein Werk von Andrea di Michelangelo Ferrucci (1559-1626), trägt die typische manieristische Pose des frühen Barocks zur Schau.

Dicke Lippe, schwer datierbarer Knabe

Obwohl die Ausstellungsstücke auch für sich sprechen, lohnt es sich, die schriftlichen Informationen in den einzelnen Ausstellungsräumen aufmerksam zu lesen oder gleich den Katalog für 15 Franken zu kaufen. So ist zum Beispiel zu erfahren, dass eine schöne, aus Marmor und Porphyr zusammengesetzte Figur überraschenderweise nicht etwa ein originales Ganzes ist, sondern eine Art Kunst-Chimäre mit einem antiken Bacchuskopf, der im 17. Jahrhundert auf den ebenfalls antiken Torso einer Nike aufgesetzt wurde.

Interessant zu erfahren ist auch, dass sich Franz I. von Lothringen um 1740 von Vittorio Barbieri (1674-1755) mit der typischen dicken Unterlippe der Habsburger in Marmor abbilden liess. Dieses Merkmal entspricht sicherlich nicht einem Schönheitsideal. Aber es verströmt die Aura der mächtigen Habsburgerfamilie, in die er sich eingeheiratet hatte.

Dass sich die Antike und deren künstlerische Nachfolge nicht immer so leicht auseinanderhalten lassen, zeigt das Beispiel eines kleinen Knabenkopfs: Dieser ist mit der Zeitangabe «3. oder 17. Jahrhundert» versehen.

Stimmige Ausstellungsarchitektur

Das Antikenmuseum hat für «Roma Eterna» eine stimmige Ausstellungsarchitektur geschaffen. Dem Umstand entsprechend, dass Objekte aus zwei Privatsammlungen zu sehen sind, wandelt man durch stilisierte Räumlichkeiten einer stattlichen römischen Villa, die den Mut zur Farbigkeit ausströmen: durch den rosafarbenen Salon, den grünen Garten, die violette Hauskapelle und die gelbe Bibliothek. Ganz am Anfang des Ausstellungsparcours gilt es überdies, das Atelier eines Marmorbildhauers zu durchschreiten.

Der römische Co-Kurator Dario del Bufalo lobte das Dekor als «wunderbar zeitgenössische Form der Ausstellungspräsentation» – als etwas, das im eher konservativen Museumsland Italien schwer vorstellbar sei. Übrigens: Nicht nur die Ausstellung selber ist etwas Besonderes, auch die Art ihrer Finanzierung: Denn nicht nur die Objekte stammen aus Italien, auch ein stattlicher Teil des Geldes floss aus römischen Kassen nach Basel: So ist neben der Stiftung zur Förderung des Antikenmuseums die traditionsreiche Fondazione Roma als Hauptförderin aufgeführt.

«Roma Eterna. 2000 Jahre Skulptur aus den Sammlungen Santarelli und Zeri»
5. Juni bis 16. November 2014 im Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig

 

 

 

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