Missionare brachten den «Teufel» nach Basel

Sie waren Leistungsausweis, Schulungsmaterial und Einnahmequelle: die ethnografischen Objekte, welche die Mitarbeiter der Basler Mission nach Basel zurückbrachten. Im Museum der Kulturen ist diese wundervolle Sammlung nun ausgestellt.

Die Missionare nannten ihn «Teufel», eigentlich handelt es sich um einen blutsaugenden Waldgeist (Bild: Derek Li Wan Po)

Sie waren Leistungsausweis, Schulungsmaterial und Einnahmequelle: die ethnografischen Objekte, welche die Mitarbeiter der Basler Mission nach Basel zurückbrachten. Zum 200. Geburtstag der Basler Mission bietet das Museum der Kulturen einen Einblick in die ebenso wundersame wie wundervolle Sammlung, die es überdies als Geschenk entgegennehmen kann.

In der Mitte des Dachstockraumes im Museum der Kulturen ist eine Spirale aufgebaut, überreich bestückt mit Objekten aus vielen fernen Ländern, und ganz zuoberst setzt ein schwarzer Teufel zum Sprung an. Dass die Missionare die Figur, die sie «vor 1946» (so die offizielle Datierung) aus Ghana nach Basel zurückbrachten, als «Teufel» bezeichneten, ist nachvollziehbar. In Wirklichkeit handelt es sich indes um einen blutsaugenden Waldgeist, was ja aber auch nichts Freundliches ist.

Galionsfigur der Spirale ist aber die berühmte rote elefantenköpfige Hindugottheit Ganesha, der Star der Sammlung der Basler Mission. Der Missionar Hermann Gundert, der Grossvater von Hermann Hesse, hat diese Figur «vor 1856» der Sammlung zukommen lassen. Als Kommentar hinterliess er die Worte: «Kann ich die Gelegenheit finden, etwas heim zu senden, so würde ich vielleicht einen Götzen mehr aus Indien hinausschaffen – wäre froh, wenn er damit auch aus den Herzen hinausgeschafft wäre.»

Gunderts Aussage ist charakteristisch für die Art und Weise, wie diese Sammlung zusammengekommen ist. Ab 1815 schickte die Basler Mission Männer in ferne Länder mit der Mission, nicht-christliche Menschen zum evangelischen Glauben zu bekehren, sie zu «zivilisierten» Menschen zu machen. Sie reisten mutig und entschlossen nach Ghana, Indien, China, Kamerun und Indonesien, lernten dort fremde Kulturen kennen und brachten Artefakte und sonstige Objekte zurück nach Basel.

Trophäen der Missionsarbeit

Was sie zurückbrachten, waren gewissermassen Trophäen ihrer Missionsarbeit, die sie hier präsentieren konnten: Beweise, wie erfolgreich die Bekehrung der «Heiden» war, aber auch Objekte, welche die Missionare durch ihre künstlerische oder kunsthandwerkliche Qualität und faszinierende Ausstrahlung in den Bann gezogen hatten. Die Objekte dienten als Schulungsmaterial und Ausstellungsstücke – 1908 hatte in der Basler Kunsthalle eine ausgesprochen erfolgreiche Wanderausstellung mit diesen Objekten ihren Auftakt. Sie dienten aber auch als Geldquelle.

Weit über 10’000 Objekte umfasst die Sammlung, die 1981 dem Museum der Kulturen als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt wurde und die nun zum 200. Geburtstag der Basler Mission als Schenkung ganz in die Hände des Hauses gelegt wurde. Rund 1000 Objekte sind jetzt in der Ausstellung «Mission possible?» zu sehen. Sie geben Auskunft über das Leben der besuchten Völker, aber auch Einblick in das Denken und Handeln der Missionare. Und sie zeigen, welch wunderbare Schätze die Missionare den bekehrten «Heiden» entrissen (oder von ihnen überreicht bekamen).

Zu sehen sind unter anderem kunstvolle Götterfiguren und wunderschöner Schmuck aus Indien, kunstvolle Hocker sowie Masken aus Kamerun, Ahnenschmuck aus China, filigrane Opferhäuschen aus Indonesien sowie Trommeln und Geigen aus Ghana. Und dazu eigens gefertigte, reizende Modellfigürchen, mit denen Szenen aus dem Alltag und der Arbeitswelt, aber auch Rituale nachgestellt wurden.

Vielsagende Beschreibungen

Die von Gastkuratorin Kathrin Fischer sehr sinnlich und anschaulich zusammengestellte Ausstellung gliedert sich in drei Teile. Im Zentrum wird mit zahlreichen Objekten bestückt aufgezeigt, wie die Missionare ihren Weg von der Bewerbung über die Schulung bis an ihren Bestimmungsort fanden. An einzelnen Aussenstationen sind dann ortsspezifische Artefakte zu sehen. Und dazu gibt es Medienstationen, an denen man eine reiche Auswahl an Fotografien aus der Vergangenheit und der Gegenwart der Mission, die sich seit dem Jahr 2000 Mission 21 nennt, antrifft und sich Filme anschauen kann.

Einige der Objekte sind noch mit den alten Beschriftungen versehen, die zum Teil sehr vielsagend sind. So etwa bei Wurfhölzern «zum Wahrsagen» aus einem buddhistischen Kloster, die mit einer genauen Anleitung versehen sind, welche Wurfresultate nun als gute, ordentliche oder schlechte Zeichen gelten. Oder ein Amulett aus Silber, das scheinbar von einem Hindu vor dem Haus eines Missionaren vergraben wurde, «um ihm zu schaden», wie zu lesen ist.

Ein anderes Ausstellungsstück dokumentiert auf ausgesprochen pragmatische Art ein schreckliches Stück Vergangenheit in Ghana: Es handelt sich um ein Brett, das mit «Sklaverei-Gegenstände» angeschrieben ist und auf dem eine Sklavenpeitsche, ein paar Fussfesseln und «Sklavenzügel» befestigt sind.


«Mission possible? Die Sammlung der Basler Mission – Spiegel kultureller Begegnungen». Bis 4. Oktober 2015 im Museum der Kulturen Basel. Zur Ausstellung ist im Christoph Merian Verlag eine reich bebilderte Begleitpublikation erschienen.

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