Rosskur aus Liestal: Ein Hohn für Kulturschaffende

Baselland streicht die Hälfte der Fördergelder an die regionale Zentrumskultur und feiert das als Stärkung seines Engagements.

Kulturpolitik Made in Liestal ist eine schattige Angelegenheit.

Die Fakten sind bekannt: Der Kanton Baselland halbiert sein finanzielles Engagement für die Zentrumskultur in der Stadt. Statt zehn Millionen Franken, wie im ursprünglichen Kulturvertrag festgehalten, wird der Landkanton nur noch fünf Millionen an die 16 betroffenen Institutionen vom Theater Basel bis zu den Basler Madrigalisten zahlen.

Ende August 2017 hatte SP-Landrat Christoph Hänggi die Regierung in einer Interpellation um eine Rechtfertigung gebeten. Diese benötigte über sieben Monate für die Beantwortung. Das und vor allem der Inhalt des regierungsrätlichen Antwortschreibens zeugen davon, wie sehr die Kulturpolitik im Baselbiet zur Marginalie verkümmert ist.

Alles gut, weil Basel-Stadt «kompensiert»

Nach Aussagen der Baselbieter Regierung ist die Existenz der Zentrumsinstitutionen nicht gefährdet, weil der Kanton Basel-Stadt «die ab dem Jahr 2021 wegfallenden Staatsbeiträge in der Höhe von CHF 5.1 Mio. kompensiert».

Das ist die Folge des seltsamen Deals der beiden Regierungen bei der Erneuerung des Universitätsvertrags: Basel-Stadt kroch bei der Kulturvertragspauschale zu Kreuze, um die paritätische Finanzierung der Uni nicht ins Bodenlose sinken zu lassen.

Ein schlechtes Gewissen hat der Kanton Baselland dabei nicht – auch wenn die Regierung schreibt, dass es unbestritten sei, «dass Teile der Baselbieter Bevölkerung die kulturellen Leistungen in der Stadt in Anspruch nehmen». So ist in der Interpellationsantwort zu lesen:

«Die Regierungen haben in den Verhandlungen grossen Wert darauf gelegt, dass eine Lösung erarbeitet wird, die das betriebliche Bestehen der Institutionen sichert.»

Sofern Basel-Stadt zahlt. Ein Hohn für die betroffenen Kulturinstitutionen und die Stadt. Ebenso die Bemerkung:

«Im Vordergrund der Strategiemassnahmen stand vonseiten des Kantons Basel-Landschaft nicht ein Abbau im Kulturbereich, sondern eine Reduktion der Beiträge an den Kanton Basel-Stadt.»

Die Regierung habe die Mitfinanzierung von kulturellen Aktivitäten in der Region zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt. Die Kulturpartnerschaft sei damit auch keineswegs beendet:

«Nein, im Gegenteil. Die Rolle des Kantons Basel-Landschaft wurde lediglich in Bezug auf die kulturelle Infrastruktur neu definiert. Das Engagement für die Region Basel bleibt jedoch bestehen und wird gestärkt.»

Wo und wie dieses Engagement gestärkt wird, ist nicht zu erfahren. Vielmehr kündigt die Regierung an, dass sie den Kürzungsentscheid auch dann nicht zurückziehen werde, wenn es um die Finanzen wieder besser stehe. Das aktuelle Modell der Kulturvertragspauschale sei nicht mehr zeitgemäss, schreibt sie:

«Mit dem neuen Staatsvertrag erfolgt ein klarer und vom Regierungsrat gewünschter Paradigmenwechsel.»

Mit anderen Worten: Zentrumskulturförderung Made in Liestal ist, wenn die Stadt zahlt.

Konversation

  1. Der Terminator geht um im Baselbiet. Ein Android alias RR Gschwind ist, wie im gleichnamigen B-Movie, zu Gange. Mit Entschlossenheit und Härte wird alles Kulturelle ausradiert. Der Terminator, alias Gschwind, schreitet bedächtig und blickt neuerdings von Liestal aus auch in die nächtlich-funkelnde Stadt Basel herab. Auch hier wird ohne Mitleid, Reue oder gar Angst alles eliminiert. Nichts ist heilig. Die Kulturpauschale wird mit einem grausigen Lächeln skalpiert. Der Rachefeldzug ist grenzüberschreitend. Die böse Stadt soll massakriert werden. »I’ll be back«! Das nächste Ziel ist das Theater Basel. Keine BL-Subvention für diesen ungeliebten Kulturort. Wir brauchen keine Hochkultur, uns reichen Höhenfeuer! Wir tanzen unter heimischen Feuerfunken!

    Der Kultfilm mit Arnold Schwarzenegger scheint Vorlage zu sein für das grausige Treiben aus dem Baselbiet. Schleichend werden sämtliche Errungenschaften aus früheren Jahren eliminiert. Das BL-Kulturleitbild ist längstens Makulatur. RR Gschwind ist gründlich. Auch auf dem eigenen Territorium räumt RR Monica Gschwind auf: Die Abteilung kis.bl (Kulturelles in Schulen) ist bis zur Unkenntlichkeit zurückgestuft worden. Über 40’000 Schulkinder werden nur noch mit kulturellen Notrationen versorgt. Eine flächendeckende kulturelle Bildung passt nicht ins Kulturverständnis der Kulturdirektorin. Auch hier ein Marschhalt.

    Die vorliegende Antworten auf die Interpellation von Christoph Hänggi ist zynisch. Es ist die Stadt, welche das Überleben der Kulturvertragspauschale und damit die existentielle Sicherung der betroffenen Institutionen gesichert hat. Es soll nichts Schöngeredet werden: Baselland verweigert die vereinbarten Millionen und damit die notwendige finanzielle Unterstützung gemeinsamer genutzter kultureller Dienstleistungen. Damit zwingt BL die Stadt in die Knie. Nein, die Verantwortlichen aus der städtischen Präsidialabteilung lecken der unverschämten Domina aus Hölstein zu allem Übel noch die Stiefel und bedanken sich, dass sie zukünftig für alle anfallenden kulturellen Leistungen bezahlen dürfen. Es ist degoutant! Es wäre wünschenswert, dass die Stadt endlich Rückgrat zeigt und die Baselbieter Politik härter angeht und Remedur schafft.

    Die Stiefelleckerei muss ein Ende haben!

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  2. Der letzte Satz müsste noch verlängert werden: …., und nicht das Städtli.

    Also lasst doch das machen, was Napoleon schon vor über 200 Jahren vorschlug: Zusammenlegen.

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    1. Wäre schön! Nur wird das nie möglich sein, weil all die Sesselkleber, Ämtlibesetzer, Chef- und andere Beamte sowie Regierungspersonen und Parteistrategen wissen, dass es nach einer Fusion nur noch halb so viele lukrative Posten zum Verteilen gäbe. Mensch bleibt Mensch. Auch Napoleon war einer…

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